Fürstbischöfliche Residenz in Würzburg Weltkulturerbe seit 1981
Die Fürstbischöfliche Residenz in Würzburg ist seit 1981 UNESCO-Welterbestätte. Sie gilt als „Schloss über den Schlössern“ – ein prachtvolles Hauptwerk des süddeutschen Barock und eines der bedeutendsten Schlösser Europas.
Die ehemalige Fürstbischöfliche Residenz, 1720-1744 nach Plänen
von Balthasar Neumann erbaut, gilt in ihrer Geschlossenheit als
der schönste Schlossbau des süddeutschen Barock.
© Congress Tourismus Wirtschaft Würzburg, Fotograf Andreas Bestle
Viele Glanzpunkte hat die sympathische und lebendige Universitäts- und Kongressstadt Würzburg am Main, eingebettet in einen geschichtlich spannenden und kunsthistorischen Bilderbogen. Sie ist umgeben von einer lieblichen Landschaft mit Weinbergen, weithin sichtbar mit ihrem Wahrzeichen, der Festung Marienberg mit eine der ältesten Kirche Deutschlands, der Marienkirche. Diese Festung wurde schon im Jahre 704 erstmals urkundlich erwähnt, eine pulsierende Stadt voller Sehenswürdigkeiten mit dem reizvollen Ensemble der Türme von Dom und Marienkapelle, Neumünster, Grafeneckart und Käppele, dem atemberaubenden Blick von oben auf die Alte Mainbrücke und der größten Riemenschneidersammlung der Welt im Mainfränkischen Museum. Würzburg atmet eine einzigartige Atmosphäre aus Lebensfreude und quirligem Temperament seiner Bewohner und verführt zu einer Zeitreise ins Barock. Architektur und Kultur beeindrucken die Gäste so sehr, dass sie am liebsten hier bleiben wollen. Und außerdem wartet noch ein weiterer Höhepunkt auf sie: „Das Schloss aller Schlösser“: Die Fürstbischöfliche Residenz.
Der Blick auf das Herzstück der Residenz mit Franconiabrunnen.
© Bayerische Schlösserverwaltung; www.schloesser.bayern.de
Unübersehbar präsentiert sich das prachtvolle Hauptwerk des süddeutschen Barock, das in seiner Geschlossenheit als eines der bedeutendsten Schlösser Europas gilt: Die Fürstbischöfliche Residenz, von 1720-1744 erbaut, die als drittes Bauwerk in Deutschland schon 1981 in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen wurde.
Hier hat sich die künstlerische Handschrift des größten Baumeisters des Barock, Balthasar Neumann, verewigt mit dem vielleicht schönsten Treppenhaus der Welt, hier trifft man den venezianischen Künstler Giovanni Battista Tiepolo. Seine Kunst zwingt die Blicke nach oben in das stützenfrei überwölbte Treppenhaus, in dem er 1752/53 das damals größte Deckenfresko der Welt schuf und dem Betrachter eine atemberaubende neue, farbenprächtige Welt eröffnet.
Das monumentale Treppenhaus von Balthasar Neumann mit
Deckengemälde von Tiepolo.
© Bayerische Schlösserverwaltung, www. schloesser.bayern.de
Würzburg hat einen großen Geschichtsreigen aufzuweisen. Von den Kelten wurde dieses Gebiet schon um 1000 v. Chr. besiedelt und eine keltische Fliehburg gebaut, wie Grabungen auf der Festung Marienberg beweisen. Unterhalb lebten Menschen in einer Fischersiedlung auf dem linken Mainufer. Ab etwa 650 n. Chr. ist Würzburg fränkischer Herzogssitz, im Jahre 689 missionierten die iro-schottischen Missionare Kilian, Kolonat und Totnan dieses Gebiet, die hier auch ihren Märtyrertod erlitten.

Die Festung Marienberg ist das weithin sichtbare Wahrzeichen der
Stadt, an deren Stelle ursprünglich eine keltische Fliehburg stand
und wo um 704 die erste Würzburger Kirche gebaut wurde; hier
mit der Löwenbrücke über den Main.
© Congress Tourismus Wirtschaft Würzburg, Fotograf M. Westendorf
Die erste urkundliche Erwähnung datiert auf den 1. Mai 704. Seit der Gründung des Bistums 742 n. Chr. ist Würzburg geistlicher Mittelpunkt dieser Region. Und Karl der Große darf hier natürlich auch nicht fehlen, er wohnte 788 der Weihe des ersten Dombaus bei. Seit 1030 ist Würzburg Bischofssitz. Eine reiche Geschichte informiert über das erste Ritterturnier auf deutschem Boden im Jahre 1127, und 1156 heiratete Friedrich I. Barbarossa Beatrix von Burgund in diesen Mauern. Weil Barbarossa 1168 auf dem Reichstag zu Würzburg Bischof Herold mit der Herzogswürde belehnte, konnten sich die Bischöfe der Stadt seitdem „Fürstbischöfe“ nennen und „Herzog von Franken“. 1404 ist das Datum für die Erstgründung der Universität Würzburg, 1582 dann die Neu-Gründung der Julius-Maximilians-Universität. Schlimm war für die Würzburger die Eroberung durch den Schwedenkönig Gustav Adolf 1631bis 1634 während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648). Dann aber folgte der Höhepunkt 1720, als mit dem Bau der Residenz begonnen wurde. Eine große Blütezeit begann unter der Herrschaft des kunstsinnigen und baufreudigen Johann Philipp von Schönborn, der ein Jahr zuvor zum Fürstbischof gewählt worden war.

Ein erholsamer Garten Eden am Residenzschloss.
© Congress Tourismus Wirtschaft Würzburg
Unter der Herrschaft dieses Fürstbischofs Johann Philipp Franz von Schönborn begann das, was heute zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört, denn die Fürstbischöfliche Residenz ist nicht nur das hervorragende Werk von Künstlern allein, sondern das einiger großer Bauherren, die diese Residenz überhaupt mit ihren finanziellen Mitteln auf internationales Kunstniveau hoben: Die Grafen von Schönborn. Sie zeichneten sich durch schöpferisch eigene Ideen aus und durch erstaunliche Sachkenntnis. Dem Mäzenatentum derer von Schönborn ist es letztlich zu verdanken, dass Wunderbares geschaffen wurde. Johann Philipp Franz von Schönborn war 1719 zum Fürstbischof gewählt worden, da stellte er den korrupten Finanzdirektor seines Vorgängers vor Gericht. Mit der riesigen Strafsumme von 600.000 Gulden legte er den finanziellen Grundstock für das „Schloss über den Schlössern“, was ein Meisterwerk des deutschen Barock werden sollte.

Das Scherenbergtor führt in den innersten Hof der Festung Marienberg.
© Bayerische Schlösserverwaltung; www.schloesser.bayern.de
Eine exzellente Wahl traf er mit dem Ingenieur-Hauptmann Balthasar Neumann, der, von Eger stammend, 1711 als Geschützgießergeselle nach Würzburg gekommen war und als Autodidakt Architektur studierte. Er wurde von seinem Bauherrn 1723 nach Paris geschickt, um die Pläne den führenden französischen Schlossarchitekten Robert de Cotte, „architecte du Roy et inspecteur general“, und German Boffrand vorzulegen. Doch Neumann hatte noch weitere Mitplaner zur Seite gestellt bekommen, so auch den kaiserlichen Hofarchitekten in Wien, Lucas von Hildebrandt, den Schöpfer des Schlosses Belvedere und den kurfürstlichen Hofarchitekten Maximilian von Welsch aus Mainz. Der Mainzer Kurfürst und Bischof Lothar Franz war ein Onkel, der in Wien lebende Reichsvizekanzler Friedrich Carl ein Bruder von Johann Philipp von Schönborn.
Der Marktplatz mit dem Falkenhaus ist schön wie aus dem
Bilderbuch, wo man gerne einkauft und sich zu den jährlichen
Festen trifft. © Congress Tourismus Wirtschaft Würzburg
Es lag der Familie Schönborn im Blut, Großartiges mit großartigen Künstlern zu planen und schließlich zu verwirklichen – eine Schönborner Leidenschaft. Fünf Jahre nach dem Tod des „Grundsteinlegers“ übernahm sein Bruder Friedrich Carl von Schönborn die Aufgabe, dieses Wunderwerk zu vollenden. Unter der Regie Neumanns wurden zahlreiche Dekorationskünstler, virtuose Bildhauer und Schnitzer und schließlich der größte Freskenmaler des 18. Jahrhunderts, Giovanni Battista Tiepolo beauftragt. Das Ergebnis dieser hervorragenden Gemeinschaftsleistung und später die gekonnten Renovierungsarbeiten nach dem Bombenangriff und der Zerstörung Würzburgs vom 19. März 1945 zeigen sich in der atemberaubenden Schönheit des Treppenhauses, im Weißen Saal und im Kaisersaal.

Den prachtvollen Kaisersaal malte Tiepolo mit historischen
Szenen 1751/52 aus. © Congress Tourismus Wirtschaft Würzburg, Fotograf Andreas Bestle; www.schloesser.bayern.de
Neumanns Kunstfertigkeit hatte sich herumgesprochen, sodass auch der Kurfürst und Erzbischof von Köln, Clemens August, für den Bau des Treppenhauses in seinem Schloss Augustusburg in Brühl, zwischen Bonn und Köln gelegen, Neumann zu sich rief. Und an der Bonner „Heiligen Stiege“ in der dortigen Kreuzbergkirche hat Neumann ebenfalls 1746 mitgeplant. Neumann war also ein gefragter Künstler vieler Fürsten seiner Zeit. Von Kaiserin Maria Theresia erhielt er für seine Bemühungen gar eine goldene Tabatière.

Franz Ignaz Michael Neumann, ein Sohn von Balthasar Neumann,
baute den Alten Kranen, ein Wahrzeichen der Stadt am Flussufer
des Main 1772/73. © Congress Tourismus Wirtschaft Würzburg
Zurück nach Würzburg: Dieser schönste Schlossbau des süddeutschen Barock wurde von drei Generationen von Künstlern und Kunsthandwerkern geschaffen, ein Bau, der in sich die verschiedenen Strömungen der Baukunst nicht nur des deutschen Barock, sondern auch der französischen Klassik und des Wiener Reichsstils vereinigt. Für den „Bauregisseur“ Neumann war es sicherlich keine leichte Aufgabe, alle Planungen und Ideen auf einen Nenner zu bringen, bis hin zur Innenausstattung. Das vielgerühmte monumentale Treppenhaus mit seinen weltberühmten Fresken von Tiepolo (s. o.) ist ein wahrlich festliches Kunst- und Raumerlebnis, ein riesiges, stützenfreies Muldengewölbe als bautechnische Meisterleistung Neumanns. Tiepolo und seine Söhne schmückten es mit den damals bekannten „vier Erdteilen“, und über ihnen, im Himmel, die antiken Gottheiten. Ein Medaillon zeigt den damaligen Landesherrn Fürstbischof Karl Philipp von Greiffenclau, Nachfolger Schönborns. Mit dem antiken Götterhimmel huldigten die Künstler diesem damaligen Würzburger Fürstbischof im Jahre 1753.
Es ist eines der größten einteiligen Fresken, die je gemalt wurden, darauf sind die Würzburger stolz. Dargestellt wurde Europa als Heimat der Künste und Wissenschaften, und der Künstler vergaß auch nicht, sich selbst in einem Porträt zu verewigen wie auch den Baumeister und Artillerieoberst Neumann in Uniform. Würzburger Geschichte wird wach in dem Fresko im Kaisersaal, wo Tiepolo al fresco die Betrachter ins Jahr 1156 zurückreisen lässt, um sie an der Hochzeit Kaiser Friedrich Barbarossas mit Beatrix von Burgund teilnehmen zu lassen.

Tiepolos Deckengemälde „Die vier Erdteile huldigen dem Würzburger
Fürstbischof“ (1753). Der Baumeister und Artillerieoberst Balthasar
Neumann ist in einer schmucken Uniform neben einem Hund zu erkennen.
© Congress Tourismus Wirtschaft Würzburg, Fotograf Andreas Bestle;
www.schloesser.bayern.de
Würzburg ist eine Stadt im Schnittpunkt wichtiger Verkehrswege seit jeher und heute mit modernen Reiseverbindungen eine Stadt, die ihre kulturellen Spuren und damit das Leben der Menschen aus vielen Jahrhunderten offenlegt. Besonders aber auch nach dem Würzburger Schicksalstag, dem 16. März 1945, als wenige Wochen vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges siebzehn Minuten lang Bomben der Royal Air Force nicht nur das Leben von über 5000 Menschen zerstörten, sondern auch die Innenstadt zu neunzig Prozent. Danach wurde Würzburg „das Grab am Main“ genannt und sollte als Beispiel eines sinnlosen Krieges nur noch als Trümmerstadt erhalten bleiben. Doch die Bürger, die überlebt hatten, alle die Trümmerfrauen und Trümmermänner, bauten ihre Stadt wieder auf – und sorgten dafür, dass die Geschichte doch weiterging. Es ist wie ein Wunder, wenn man heute die Bilder der Zerstörung und dann das jetzige Stadtbild in all seiner Pracht sieht.

Eine wahre Pracht ist dieses Treppenhaus von Balthasar Neumann
und so solide gebaut, dass es während des großen Luftangriffs nicht
in Schutt und Asche versank. © Congress Tourismus Wirtschaft Würzburg,
Fotograf Andreas Bestle; www.schloesser.bayern.de
Dem Feuersturm hielten die Gewölbe in der Fürstbischöflichen Residenz nicht zuletzt wegen der stabilen Bauweise Balthasar Neumanns stand, dennoch brannte die Residenz fast völlig aus. Das Feuer hatte sich durch die Holzdecken und Fußböden gefressen, alles, was vorher an Einrichtungsgegenständen und Wandverkleidungen nicht hatte ausgelagert werden können, wurde zum Raub der Flammen. Doch das Herzstück der Residenz, Vestibül, Gartensaal, Treppenhaus und Kaisersaal mit den Fresken Tiepolos blieben weitgehend verschont. Und auch Neumanns Steinwölbungen blieben trotz des brennend herabstürzenden Dachstuhls erhalten. Deckenfresken von Rudolph Byss in der Hofkirche mussten mühsam rekonstruiert werden, eine bemerkenswerte handwerkliche Leistung. Weil viele Einrichtungsgegenstände gerettet worden waren, wurden auch die Kaiserzimmer an der Gartenfront wieder hergestellt und ebenso die Ingelheimzimmer im Nordblock. Als dann das rekonstruierte Spiegelkabinett mit seiner Hinterglas-Maltechnik 1987 auch wiedereröffnet werden konnte, war die letzte große Rekonstruktion im Zuge des Wiederaufbaus der Residenz abgeschlossen.
Die überaus festliche Architektur jenes Balthasar Neumanns zeigt sich in einem hufeisenförmigen Bau mit Ehrenhof, vier Innenhöfen und der wunderschönen Gartenfassade mit Kaisersaalpavillon. Im Südflügel dann das unvergleichliche Spiegelkabinett, das ein einzigartiges Raumgefühl vermittelt. Nicht vergessen werden darf die in Stuck-Marmor gehaltene Hofkirche, ein weiterer Höhepunkt sakraler Kunst in Würzburg. Und dann ein Spaziergang durch den Hofgarten der Residenz, ein Kunst- und Naturgenuss pur zu jeder Jahreszeit.

Die ehemalige Fürstbischöfliche Residenz im Schnee - ein
Weihnachtsmärchen. © Congress Tourismus Wirtschaft Würzburg,
Fotograf Thomas Huth
Die Residenz ging erstmalig 1802, endgültig dann 1814 in staatlichen bayerischen Besitz über. Heute ist hier, außer dem staatlichen Residenzmuseum, auch eine Zweiggalerie der Bayerischen Staatsgemäldesammlung untergebracht sowie die bedeutende Antikenabteilung, die Gemäldegalerie und die graphische Sammlung des Martin-von-Wagner-Museums. Im Juni kehrt alljährlich die Zeit des Rokoko im Kaisersaal zurück, wenn zu Mozarts „Kleiner Nachtmusik“ Tausende von Besucher hierher strömen, um in jene Zeit voller Genuss einzutauchen – in einer wahrhaft wohlverdienten UNESCO-Welterbestätte.
Quellen: Bayerische Schlösserverwaltung
ISBN: 3-9322982-41-X
Residenz und Hofgarten Würzburg, Amtlicher Führer
Bearbeitet von Erich Bachmann, Burkard von Roda und Werner Helmberger
www.schloesser.bayern.de
Congress-Tourismus-Wirtschaft (CTW)
Eigenbetrieb der Stadt Würzburg
www.residenz-wuerzburg.de
www.wuerzburg.de
www.unesco-welterbe.de
www.unesco.de
www.unesco.org
www.deutschland-tourismus.de
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Beitragsdatum: 27. Oktober 2008
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