Ja, richtig, die Trauben an den Weinstöcken sind schon dick und satt, bald ist Weinlese, die Weinfeste werden schon angekündigt, die Weinköniginnen und Weinkönige, der Dorf - Bacchus, sie sind schon gekürt, der Altweibersommer beschert uns jede Menge jungen Wein, der Federweiße steht schon auf der Karte der Weinhäuser in Weinlandschaften. Doch er ist viel zu schade zum „Frustsaufen". Notieren Sie lieber schnell die Termine der beliebtesten Weinfeste in Deutschland und lernen Sie mit unserem kleinen Crashkurs blamagefreies Verkosten, denn der Wein ist voller Geheimnisse wie auch die sattreifen Trauben in den Weinstöcken, die sich schon in leichten Dunst verhüllen.
Ein Sprichwort sagt: „Der liebe Gott hat nicht gewollt, dass edler Wein verderben sollt, darum hat er uns zu edlen Reben auch noch den Durst dazugegeben!“ Und der deutsche Dichter und Denker Johann Wolfgang von Goethe ist auch immer für ein Zitat gut: „Der Wein, er erhöht uns, er macht uns zum Herrn, und löset die sklavische Zunge“.
Also verkosten wir den Wein, der noch keinen Namen hat, der anonym bleiben muss, wenn er verkostet, wenn er serviert wird. Dem Verkoster, der Verkosterin wird nur mitgeteilt, aus welchem Anbaugebiet dieser Tropfen stammt, welche Sorte es ist, eventuell der Jahrgang, nicht aber die Lage, den Produzent und andere Merkmale. Das ist ja das geheimnisvolle Spiel des Verkostens. Das Etikett darf auch nicht zu sehen sein, dann wäre es ja keine Blindverkostung, worin der eigentliche Reiz liegt: Den richtigen Wein richtig oder „fast“ richtig erkennen können. Wichtig: Im hellen Tageslicht wird der Wein im Glas geschwenkt, was vor allem bei Rotwein ganz wichtig ist. Niemand darf mit fremden Gerüchen die Verkoster stören, also gar kein Zigarettenrauch, keine Küchengerüche und kein starkes Parfum dürfen durch den Raum streichen. Und: bitte auch kein Käse, denn dann munden auch minderwertige Weine noch gut.
Die beste Zeit für eine Verkostung ist der Vormittag, das Frühstück muss schon zwei Stunden verschluckt und der starke Kaffee vergessen sein. Die Geschmacksnerven liegen also blank. Der Gaumen sollte mit einem einfachen Wein neutralisiert werden, ehe die Verkostung beginnt.
Und das Glas muss sauber und auch geruchlos sein. Das französische Institut National des Appellations d’origine hat das ganz einfache Glas deshalb auch INAO-Glas genannt. Wer Routine hat, schafft 60 bis 80 Proben am Tag. Das sind eigentlich die Profis: Winzer, Kellermeister und Önologen (das sind die studierten Kellermeister). Mit denen kann sich der Hobby- und Amateurverkoster natürlich nicht messen, kann aber von ihnen lernen. Wer sich einen schönen heimischen Weinkeller zusammenstellen will, sollte sich an die Profis halten, sollte beim gemütlichen Meinungsaustausch während der Weinverkostung auf ihr fachliches Wort hören. Die Weinbeurteilung beginnt mit einem guten Schluck, der auf der Zunge „gerollt“ wird, damit die Aromen die Mundhöhle ausfüllen können. Und dann wird dieser Schluck ausgespuckt um zu prüfen, wie lange die Qualität des Nachgeschmacks anhält. Also: Es kommt auf die Intensität, die Harmonie, die Farbe, den Geruch und den Geschmack an. Wer dann noch den individuellen Geschmack herausfindet oder gar die Typizität, der hat sich auf der Leiter des Erfolges schon ein gutes Stück nach oben bewegt.
Weinnovizen halten sich immer besser an die Weinkenner, dann lernen sie die richtigen Tipps, um die Qualität der angebotenen Weine richtig zu bewerten. Man kann es tatsächlich lernen, ein guter Weinkenner zu werden. Und was ist ein guter edler Wein? Er zeigt sich von seiner besten Seite mit seinen vielen Aroma- und Geschmacksnuancen, seiner attraktiven Farbe, seiner aromatischen Vielfalt, womit der Gaumen höchste Genüsse erfährt. Weinkenner erkennen sehr schnell, auf welchen Böden und in welcher Gegend der edle Tropfen von den Trauben zum Wein wurde. So kann bei der Weinversteigerung der Weinfreund auch erst einmal Weine verkosten, um dann die richtige Wahl für sich zu treffen. Man muss kein Wissenschaftler sein, und Vorurteile wären auch hier fehl am Platz. Daher ist Objektivität gefragt. So schrieb einmal ein französischer Weinjournalist (was für ein toller Beruf!): „Un goût imaginé est déjà à moitié perçu“, zu Deutsch: „Einen Geschmack, den man sich vorstellt, hat man auch schon fast wahrgenommen“. Im Klartext: Man darf sich nicht vom vielleicht unschönen Etikett, vom unfreundlichen Winzer, von der schlechten Beurteilung anderer beeinflussen lassen. Damit würde man so manchen wirklich guten Tropfen Unrecht tun und sich selbst keinen Gefallen.
Denn wie sagt ein Sprichwort: „Durst mach aus Wasser Wein“. Im heißen Sommer soll man viel Wasser trinken, ist der Sommer dann vorbei, hat der Wein Hochsaison. „Das Leben ist zu kurz, um schlechten Wein zu trinken“, das dürfte auf die Weinverkostung abzielen. Also muss guter Wein her. Und: „Der Wein ist ein Wahrsager“, da mag sich jeder selbst seine Gedanken machen. Schließlich ist der Wein in froher Runde ein Freudenbringer, ein Zungenlöser und Versöhner. Tragisches ist nach ein paar Gläschen Wein nur noch halb so tragisch, nichts ist so bedeutungsvoll, dass es nicht bei einem gemeinsamen Glas Wein gelöst werden kann. „Santé“, sagt der Franzose, wenn er in seinem weinreichen Land das Glas erhebt. Und das heißt „Gesundheit“. Niemand kann leugnen, dass Wein auch gesund machen kann. Denn Wein ist ein Lebensgefühl. Ein gesundes!
Beitragsdatum: 21. September 2009
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