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Treibhaus Rheinland

Gibt es einen spürbar starken Klimawandel im Rheinland in sechzig Jahren?

Mit "Treibhaus Rheinland" veröffentlichte Karsten Brandt ein hochsensibles Buch. Welche Auswirkungen hätte das auf Mensch, Natur und Gesundheit? "Globaler Klimawandel" ist zum Reizwort geworden, und wir spüren es alle spätestens seit dem superheißen Sommer 2003. Nun hat sich der Autor Dr. Karsten Brandt die Frage gestellt, wie diese Klimaauswirkungen sich im Rheinland bemerkbar machen und dabei einen Blick in die Zukunft gewagt: bis 2060. Eine sicherlich verwegene Aufgabe, denn wer wagt es schon, so weit in die Zukunft zu sehen?


Foto Cover: Verlag Bouvier

Anhand von wissenschaftlichen Erkenntnissen, von Grafiken und Aufzeichnungen der vergangenen Jahre hat er neue Überlegungen ins Rollen gebracht die fast schon wie eine mathematische Aufgabe wirken nach dem Motto: Quod erat demonstrandum. Warum also das Rheinland? Dazu erklärte der Autor Dr. Brandt: "Der Klimawandel vor der eigenen Haustür im Rheinland fällt unter Umständen ganz anders aus als global. Besonders wichtig ist auch die Betrachtung der Auswirkung des Klimawandels auf Gesellschaft und Wirtschaft vor Ort, nämlich hier im Rheinland" ,so der Bonner Karsten Brandt. Das Leben der Bevölkerung werde sich dann bestimmt ändern. "Mir ist es durchaus klar, dass eine Voraussicht über so einen langen Zeitraum ein Wagnis ist, doch vielleicht werde ich es und viele andere meiner Generation noch erleben."

Also: Es geht um den Klimawandel im Rheinland und seine Auswirkungen in dem Buch von Karsten Brandt "Treibhaus Rheinland" - Der Klimawandel im Rheinland und seine Auswirkungen. Auf 188 Seiten mit vielen Grafiken, Abbildungen und informativen Fotos geht der Autor dem aktuellen Reizwort "Klimawandel" speziell im Rheinland nach. Weil das Rheinland schon viele Jahrhunderte lang als "die nördlichste Provinz Italiens" bezeichnet wird, will der Autor Brandt nachvollziehen, ob der Klimawandel, nämlich die Wärme und auch die eigentlich schon sprichwörtliche Schwüle sich in Zukunft noch weiter steigern werden. Wichtig ist ihm dabei auch, inwieweit sich das Klima, das sich langsam wandelt, auf die Menschen auswirkt, auf ihr Zusammenwirken, auf die Wirtschaft. Er stellt die unangenehme Frage, ob mit dieser Veränderung des Klimas auch die Angst vor Unwettern steigen wird. Gehören da die jüngsten Unwetter in diesem Jahr schon dazu? Diese Frage drängt sich auf.

Diese Frage ist angesichts der Unwetter in den vergangenen Wochen gar nicht so unaktuell. Und ob der Schneemann dann auch einmal aussterben wird, das bleibt auch ein Problem. Bei seinen Auswertungen vieler Daten gibt er den Blick frei bis zum Jahr 2060.

Mit großer Sorgfalt hat er dieser heiß diskutierten Frage des Klimawandels hier im Rheinland ein umfangreiches Quellenstudium beigefügt, Zitate, Bücherangaben, Grafiken und ein Foto über ein Winterfrühstück, das eigentlich im Sommer stattfinden könnte, denn im Dezember 2006 war es mild genug, um draußen Kaffee zu trinken. Eine Umfrage bei etwa dreißig Bonner Gastronomen hat er herausgefunden, dass im Herbst 2006 immerhin 28 Gastronomen aussagten, dass im Vergleich zu den achtziger Jahren die Aussengastronomie wesentlich wichtiger geworden sei. Grund seien die höheren Temperaturen bis in den späten Abend, wie auch Grafiken beweisen.

Und dass sogar die Kinder die wärmer werdenden Temperaturen im Rheinland dem kalten Winter (der in den vergangenen Jahrzehnten im Rheinland tatsächlich selten und wenn nur sehr kurz wirklich kalt ist) vorziehen, auch das hat er mit Umfragen klar gemacht. "Fandest Du es schön, dass die letzten Sommer so warm waren?", fragte er Kinder von 5 bis 12 Jahren. Die Antwort war eindeutig: 100 Prozent antworteten mit Ja.

Was den Rheinländern und den rheinischen Kindern gefällt, mag für die Natur nicht gesund sein. Das war es auch nicht im superheißen Sommer 2003, als die Hitze die Sterberate erschreckend ansteigen ließ - und das nicht nur im Rheinland. Der Klimawandel belastet besonders den Nadelbaum Fichte. Wie Tierarten auf diesen Klimawandel reagieren, auch das ist Thema. Überhaupt hat sich Karsten Brandt genauestens mit allen Facetten eines Klimawandels auseinandergesetzt und dabei immer den Blick in die Zukunft gerichtet bis hin zur Information, wann das Datum der ersten Laubverfärbung bis 2060 sein wird.

Die wissenschaftlichen Fakten überfrachten nicht, sie ergänzen die ganz pragmatischen und sauber recherchierten Informationen und machen neugierig, wenn er gleich zu Beginn seines Buches die Feststellung macht: Noch nie war es so warm wie heute. Der Autor nimmt nicht für sich in Anspruch, dass für Fehler und Irrtümer bei den zahlreichen Zukunftsprojektionen nicht gehaftet werden können Aber ist der Klimawandel im Rheinland gut? Ist es gesund? Ist es wirklich erstrebens- und lebenswert? Wie wird dann die Zukunft aussehen für Mensch, Tier und Natur? Wie sind die Auswirkungen auf die Wirtschaft? Diese Fragen türmen sich auf und lassen den Leser nicht mehr los, auch denjenigen nicht, der sich bisher nicht so genau mit dem Thema Klimawandel befasst hat und diese Vokabel eher in den politischen Raum stellt. Und genau das macht dieses Buch "Treibhaus Rheinland" so lesenswert, es führt praktisch und gut verständlich in eine Problematik ein, der wir uns alle stellen müssen. Klimabedingt.

Zum Autor: Karsten Brandt wurde 1973 in Bonn geboren. Bekannt wurde er mit zahlreichen "Jugend-Forscht" Arbeiten und der Gründung des "Brandt-Wetters" - Vorhersagen für Winterdienste und lokale Radiosender. Brandt gründete das "Donnerwetter-de" als einen der ersten privaten Internet-Wetterdienste in Deutschland. 2000 Abschluss BWL-Studium als Diplomkaufmann, ein Jahr später Geschäftsführer der Donnerwetter.de GmbH. 2003 begann er seine Promotion an der Uni Duisburg-Essen in Klimatologie; 2004 Abschluss als Magister Geschichte und Politik. Auf weitere Veröffentlichungen von Karsten Brandt darf man gespannt sein.

Treibhaus Rheinland
Der Klimawandel im Rheinland und seine Auswirkungen

Autor: Karsten Brandt
Bouvier Verlag, Bonn
188 Seiten.
16,90 Euro
ISBN 978-3-416-03166-0


 

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Beitragsdatum: 11. Oktober 2009