Dom zu Speyer bereits 1981 als Welterbestätte aufgenommen
„Macht Euch auf nach Speyer“, so Johann Wolfgang von Goethe – diesem Rat folgen jährlich Hunderttausende von Besuchern, um in diese geschichtsträchtige Stadt einzutauchen. Das weithin sichtbare Wahrzeichen der Stadt, der großartige romanische Kaiserdom, diese päpstliche Basilika wurde 1981 in die Liste der UNESCO-Welterbestätten aufgenommen, was globale Anerkennung und Verpflichtung zugleich ist.
In seiner prachtvollen Größe zeigt sich der Dom auf
diesem Luftbild.
© Stadt Speyer/Klaus Landry
Die Spurensuche ist leicht, sichtbar und fühlbar: In Speyer pulsiert reiche Geschichte, so, als wäre es erst gestern geschehen, dass der salische Kaiser Konrad II. um 1030 den Grundstein legte für diese größte noch erhaltene Kirche der romanischen Epoche, eine mächtige dreischiffige Gewölbebasilika, die 1061 zur Domweihe einlud. Die Besonderheit: Dieser Dom erhebt sich über dem Grundriss eines lateinischen Kreuzes, der in der Folgezeit als Vorbild für die romanische Architektur des 11. und 12. Jahrhunderts diente. „Macht Euch auf nach Speyer“, so riet schon Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) in seinem „Götz von Berlichingen“, begeisterte doch auch ihn bei seinem Besuch diese Stadt mit dem großartigen Kaiserdom. Bis heute öffnet sie sich bei einem Stadtrundgang und erlaubt spannende Einblicke in die Vergangenheit mit ihrer reichen Geschichte.
Stolz ragen die Türme dieses größten erhaltenen und bedeutendsten
Kirchenbaus der romanischen Epoche in den Himmel
© Stadt Speyer/Karl Hoffmann

©Europäische Stiftung Kaiserdom zu Speyer / Domkapitel
Die Entwicklung dieser Stadt ist eng mit der Geschichte des Domes verbunden, eine Geschichte von Aufbau und Zerstörung, von Krieg und Frieden, von Glanz und Elend der Menschen hier und in der gesamten Region. So belegen Funde aus der Stein-, Bronze- und Eisenzeit, dass in dieser Gegend Bauern gelebt haben. Zu den bekanntesten Funden zählt der „Goldene Hut“ aus dem nahen Ort Schifferstadt, den man heute im Historischen Museum der Pfalz zu Speyer bewundern kann, ein Hut aus der Bronzezeit um 1 500 v. Chr.
©Europäische Stiftung Kaiserdom zu Speyer / Domkapitel
Dann haben die Kelten dieses Gebiet erobert vom 1. bis zum 5. Jh. n. Chr., die dann ihrerseits von den Römern unterworfen wurden, wobei der Rhein die Grenze des Römischen Reiches darstellte. Man stelle sich Kastelle und Lager vor, man erinnere sich an die Germanen, aber auch an die älteste und noch verschlossene Weinflasche Deutschlands, ein besonderer Fund. In der Altstadt von Speyer sind Erdaushebungen für neuere Bauten auch heute noch meist verbunden mit dem Fund von Resten aus vergangenen Zeiten, die in Museen zu besichtigen sind.
Die Zeit der Völkerwanderung verschonte Speyer nicht, und als im 1. Jh. n. Chr. der Limes, der römische Grenzwall, gebaut wurde, war Speyer keine Grenzstadt mehr. Dennoch waren die Angriffe der Alemannen auf den Limes ab 260 so stark, dass die Reichsgrenze wieder an den Rhein zurückgezogen werden musste. Im Jahre 275 n. Chr. wurde die Stadt Speyer fast vollständig von den Alemannen zerstört, dann kamen im 4. Jahrhundert die Germanen wieder in dieses Gebiet. Spira war der mittelalterliche Name dieser Stadt, eine Ersterwähnung findet sich in den „Notitia Galliarum“ aus dem 6. Jh. In diesen Akten des Pariser Konzils von 614 n. Chr. wird auch ein Bischof aus Speyer erwähnt. Denn wie man heute weiß, war im Jahre 346 n. Chr. Speyer Bischofssitz geworden, die ersten Kirchen und Klöster wurden gebaut und ein Baugraf wurde Stadtherr des Ortes im Auftrag des Königs. Der Aufstieg der Stadt begann, als Kaiser Otto I. der Große im Jahre 969 der Kirche und dem Bischof das Immunitätsprivileg verlieh. Das bedeutete, dass der Bischof alleiniger Stadtherr war und Speyer unter die Kontrolle und die Herrschaft der Bischöfe fiel. 1024 wurde der aus dem Speyergau stammende Salier Konrad II. in Oppenheim zum deutschen Kaiser gewählt, so wurde die Stadt Zentrum der Reichspolitik. Wichtig für die Wirtschaft: Viele Jahrhunderte sollte von hier auch der zentrale Weinumschlagplatz für die ganze Pfalz bis nach Frankfurt und den Rhein entlang florieren.
Wie hier von Süden her gesehen präsentiert sich der Dom
in seiner ganzen Pracht. © Stadt Speyer/Karl Hoffmann
Doch zurück zum Dombau, der mit dem salischen Kaiser Konrad II. seinen Anfang nahm, die erste Bauphase von 1025/30. Später, unter seinem Enkel Heinrich IV. wurden weitere Abschnitte vollendet und der Dom 1061 konsekriert (eingeweiht); weitere Bauphasen folgten von 1082/1106. In ihren Maßen und den hohen Gewölben übertraf die Kathedrale des Bistums Speyer und spätere päpstliche Basilika im 11. Jahrhundert alles bisher Vorhandene. Erstmalig verwendet wurden das Blendbogensystem und die Zwerggalerie. Diese riesige Gewölbebasilika neben den kleinen Siedlungshäusern muss auf die Menschen damals wie ein Wunder gewirkt haben. Das ist auch in der Begründung der Deutschen UNESCO-Kommission hinsichtlich der dreischiffigen Gewölbebasilika nachzulesen: „…Ihre Kennzeichen sind die ausgewogene Verteilung der Baumassen im Osten und Westen und die symmetrische Anordnung von vier Türmen an den Ecken des von Langhaus und Querhaus gebildeten Baukörpers“. In der Welterbeliste der UNESCO gilt der Dom als Hauptwerk romanischer Baukunst in Deutschland, als die größte romanische Kirche in Europa mit einer Länge von 134 Metern; das Mittelschiff ist 34 Meter hoch. Die monumentale Einfachheit und die Ausgewogenheit seiner Maßverhältnisse sind überaus eindrucksvoll und bleiben nach einem Besuch unvergessen. Der erste Baumeister des Speyerer Doms hieß Reginbald und war Abt des berühmten Klosters Lorsch, ein Hort des Wissens, 764 gegründet, mit weltberühmten Werken der Buchkunst wie dem „Lorscher Evangeliar“.

Die dreischiffige Gewölbebasilika strahlt Ruhe und Frieden
aus und lädt zum Verweilen ein.
© Stadt Speyer/Karl Hoffmann
©Europäische Stiftung Kaiserdom zu Speyer / Domkapitel
Bis heute unverändert blieb die Krypta (unterirdische Grabstätte in christlichen Kirchen). Diese Krypta gilt als größte erhaltene Säulenhalle in romanischer Bauweise. Damit ist dieser Dom zugleich Grabstätte salischer, staufischer und habsburgischer Herrscher und ihrer Gemahlinnen, was ihn zu einem Symbol des mittelalterlichen Kaisertums macht. In der Kaisergruft sind acht deutsche Kaiser und Könige, vier Königinnen und viele Bischöfe beigesetzt. So befindet sich hier auch das Grab Konrads II., der diesen Dom immer auch als Haus- und Grabeskirche des salischen Herrscherhauses gesehen hat. Somit kommt diesem Dom eine große Bedeutung als Haus- und Grabeskirche der salischen Kaiser zu, ein Symbol ihres weltlichen und kirchlichen Machtanspruchs, einmalig, zukunftsweisend, in Form und Größe nie wieder erreicht.
Unverändert seit dem Baubeginn erhalten blieb die Krypta,
Grabstätte von Kaisern, Königen und Bischöfen.
© Stadt Speyer/Karl Hoffmann
©Europäische Stiftung Kaiserdom zu Speyer / Domkapitel
Und das wiederum hat Geschichte gemacht in der Person Heinrichs IV., eines Enkels des Erbauers Kaiser Konrad II. Denn dieser Heinrich IV. wollte päpstlicher sein als der Papst: Er wollte Bischöfe und Äbte in ihre Ämter einführen und widersetzte sich damit dem Willen des Papstes.
Es kam zum Investiturstreit (lat. investitura = Einkleidung), als nämlich jener Kaiser Heinrich IV. (1050-1106) und Papst Gregor VII. (um 1020-1085) im Jahre 1076 in eben dieser Sache heftig miteinander stritten. Weil der Papst diese Rechte für sich an Spruch nahm, setzte Heinrich ihn kurzerhand ab. Daraufhin schloss Papst Gregor VII. den Kaiser aus der Kirche aus und belegte ihn mit dem Kirchenbann. Der Skandal war perfekt. Und er sollte Geschichte schreiben. Denn durch den Kirchenausschluss und den damit verbundenen Kirchenbann untergrub der Papst die Autorität des Kaisers bei Fürsten und Untertanen. Kaiser Heinrich IV. hatte nun ein mächtiges Problem.einrich IV. das Immunitätsprivileg erhielt. Das bedeutete, dass die KontrolleI Die einzige Chance, es zu lösen war, sich dem Papst zu unterwerfen. Und das tat er im eisigen Winter 1076, als er von seiner Lieblingsstadt Speyer den berühmten „Gang nach Canossa“ antrat, hin zur Burg Canossa im nördlichen Italien, wo sich der Papst damals auf der Durchreise befand.
©Europäische Stiftung Kaiserdom zu Speyer / Domkapitel
Drei Tage lang rief er frierend und im Büßergewand vor dem Tor der Burg bittend um Vergebung, bis sich der Papst schließlich erweichen ließ. Heinrich wurde wieder Kirchenmitglied. Dann kehrte der Kaiser wieder in seine Heimatstadt Speyer zurück und baute weiter an dem Dom, damals ein Koloss zwischen den Hütten der etwa 500 Einwohner zählenden Stadt Speyer. Und so wurde der Dom zu einem architektonischen Prachtbau mit Gewölbetechniken, die seit der Antike vergessen waren.

Die Damen in historischer Kleidung gefallen bei einer
Stadtführung besonders gut. © Stadt Speyer
Doch der Dom war bei der Zerstörung der Stadt zu Pfingsten 1689 stark gefährdet, denn auf Befehl Ludwig XIV., des französischen Sonnenkönigs, wurde die Stadt im Pfälzischen Erbfolgekrieg niedergebrannt, und nur der östliche Teil des Domes und wenige Gebäude am Rande der Stadt blieben erhalten. Zehn Jahre später durften die Bürger mit dem Wiederaufbau beginnen. Barocke Neubauten wie das Rathaus oder die Dreifaltigkeitskirche entstehen. Zum Glück blieb der mittelalterliche Grundriss der Stadt mit dem auf den Dom ausgerichteten fächerförmigen Straßensystem erhalten.
Eine Frau aus Speyer hat ebenfalls Geschichte geschrieben: Die Philosophin und Karmeliterin Dr. Edith Stein aus dem Kloster St. Magdalena. Sie wurde von den Nationalsozialisten ermordet. In diesem Kloster, das im Jahre 1232 gegründet und 1304 zum Dominikanerinnenkloster umgewandelt worden war, lebte sie bis zu ihrer Verhaftung durch die Nazis.
Leid und Freude hat die Geschichte in das Buch von Speyer geschrieben, wo 50 Reichstage die Stadt zum Zentrum des europäischen Interesses werden ließen. Außerdem lenkten von hier seit eintausend Jahren Pilger ihre ersten Schritte auf den Pfälzischen Jakobsweg: auch aus diesem Grunde war Speyer schon im Mittelalter eine wichtige Station.
Seit dem Mittelalter ist Speyer eine wichtige Station für
Jakobspilger. © Stadt Speyer/ Karl Hoffmann
Goethe schrieb: "Macht Euch auf nach Speyer", und die Pfälzer erzählen voller Stolz: "In Speyer fängt die Pfalz an, Italien zu werden", eine gastliche und lebensfrohe Stadt mit vielen historischen und kulturell wertvollen Sehenswürdigkeiten, die bedeutendste Stadt am Oberrhein, die weithin mit ihrem prachtvollen Kaiserdom, dieser weltweit größten noch erhaltenen romanischen Kirche, unverwechselbar ist.
Nach der Stadtführung blickt auch der Dom auf die Gäste
im Straßencafé. © Stadt Speyer/Karl Hoffmann
www.speyer.de
www.stiftung-kaiserdom.de
www.dom-speyer.de
www.unesco-welterbe.de
www.unesco.de
www.unesco.org
www.deutschland-tourismus.de
Weitere Bilder vom Dom Speyer:
©Europäische Stiftung Kaiserdom zu Speyer / Domkapitel


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Beitragsdatum: 22. Oktober 2008
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