Skip to main content

Maulbronn - Kloster UNESCO-Weltkulturerbe

Kloster Maulbronn ist großartiges Kulturerbe von Weltrang

Nördlich der Alpen gehört das Kloster seit dem Mittelalter zu den am besten erhaltenen Klosteranlagen. Seit 15 Jahren ist es UNESCO-Welterbestätte. Die stimmungsvolle Abgeschiedenheit, das faszinierende Ensemble der Klosteranlage erfährt der Besucher als ein authentisches Erlebnis, eine Zeitreise zurück zu den Anfängen, als die Zisterziensermönche in fern vergangener Zeit im Jahre 1147 dieses Kloster hier gründeten und über viele Jahrhunderte ausbauten.

 Staatsanzeiger- Verlag

Frühling im Kloster Maulbronn.
Foto: Staatsanzeiger- Verlag

Die stimmungsvolle Abgeschiedenheit, das faszinierende Ensemble der Klosteranlage erfährt der Besucher als ein authentisches Erlebnis, eine Zeitreise zurück zu den Anfängen, als die Zisterziensermönche in fern vergangener Zeit im Jahre 1147 dieses Kloster hier gründeten und über viele Jahrhunderte ausbauten.

Wie eine reiche Perle im wunderschönen Schatzhaus der Baudenkmäler in Baden-Württemberg zieht diese mittelalterliche Klosteranlage jeden in seinen Bann und das nicht nur wegen seiner weltkulturellen und architektonischen Bedeutung, sondern auch wegen seiner landschaftlichen und atmosphärischen Reize: über Jahrhunderte intakt, so, als sei es erst gestern fertig gestellt worden. Die Wände spüren noch die warmen Hände der vielen Künstler an den verschiedenen Bauteilen, liebevoll und mit großer Kunst und Demut sich präsentierend mit ihren romanischen bis spätgotischen Erweiterungsbauten: ein faszinierendes Ensemble von anrührendem architektonischen und kulturhistorischen Stellenwert. Alle Stilrichtungen und Entwicklungsstufen von der Romanik bis zur Spätgotik sind hier sichtbar und erkennbar vertreten. Jahrhunderte zum Anfassen, was die Maulbronner Mönche in rund 400 Jahren geschaffen haben und so Impulse vermittelten auf die mittelalterliche Gesellschaft in religiöser, kultureller, wirtschaftlicher und politischer Natur.

Die Zisterzienser hatten ihre eigenen Bauregeln, ihre eigenen Ordensregeln, die sich in allen Teilen widerspiegeln, eine Klosterstadt, die tatsächlich bis ins letzte Detail vollständig erhalten ist. Ein Wunder! Denn die vielen Jahrhunderte von einst, dem Jahre 1147 bis heute, erzählen von zahlreichen Kriegswirren, von Krankheiten, von wütenden Zerstörern, die alle Kloster Maulbronn nichts antaten. Das ist der Grund, dass diese Klosteranlage bis heute ein wohltuendes Gesamtbild vermittelt in ihrer Geschlossenheit und damit ein unverfälschtes Bild erlaubt. Die Vergangenheit macht einen großen Schritt ins Jetzt, Grund für die UNESCO, diese zisterziensische Kulturlandschaft mit ihrem für die damaligen Ordensbrüder genauestens geplanten und gebauten Wassersystem, was noch heute die Umgebung rund um Maulbronn prägt, mit der authentischen, ganz dem Ursprung belassenen Klosteranlage, in die UNESCO-Liste einzutragen. Das Kloster Maulbronn ist als erstes - bis zur Ernennung der Insel Reichenau im Jahre 2000 und den Resten des römischen Limes 2005 - auch als einziges baden-württembergisches Kulturdenkmal in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen worden. Das war in der Wintersitzung im Dezember 1993, als das Welterbe-Komitee den Aufnahmeantrag positiv entschied. Seitdem gilt diese Klosteranlage als die "am vollständigsten erhaltene Klosteranlage des Mittelalters nördlich der Alpen".


 LMZ Baden-Württemberg

Kirche mit Querhaus und Chor im Süden.
Foto: LMZ Baden-Württemberg

Diese einstige Zisterzienser-Abtei ist ein überragendes und repräsentatives Kunstwerk mittelalterlicher Baukunst. 1147 der erste Spatenstich, 1178 konnte dann eine dreischiffige romanische Basilika der Gottesmutter Maria geweiht werden. Sichtbar sind einige Umbauphasen und einige Übergangsstile in der folgenden Zeit wie die Maßwerkfenster des Kreuzganges, wo die Kunst der Steinmetze bis heute deutlich festgehalten ist. Der Kreuzgang gehört zum Leben des Klosters. Ob die Mönche damals ahnten, dass "ihr" Kunstwerk, gerade begonnen, einmalig werden würde, so, als ob für die Ewigkeit geschaffen, dort, in der Abgeschiedenheit des Salzachtales, eine über 860 Jahre alte Abtei in einer Kulturlandschaft mit Stauseen, Weinbergen und Steinbrüchen.

Dieses Salzachtal liegt in der Nähe der Salzachquelle und der Wasserscheide zwischen Rhein und Neckar. Landwirtschaftliche Mustergüter waren im 12. Jahrhundert angelegt, Grund für einen Abt, einen selbstbewussten Eintrag schriftlich festzuhalten: "Unsere Weinfässer sind größer als die Wohnungen der ägyptischen Mönche und unsere Fruchtspeicher geräumiger als ihre Klöster". Eine sicherlich glaubwürdige Überlieferung, die Beweise sind im vorderen Klosterareal in den Kellern und Speichern zu finden.


 Staatsanzeiger-Verlag

Blick aus dem Kapitelsaal in den Kreuzgang.
Foto: Staatsanzeiger-Verlag

Während des Weiterbaus kamen, der Zeit gemäß, auch gotische Bauelemente hinzu, fleißige Baumönche bauten vom Keller bis zur Kirchturmsspitze eine Klosteranlage von einmaliger Schönheit und Atmosphäre, in dem bis heute ein typisch mittelalterliches Kloster mit seinem klaustralischen Geist und der Besonderheit der zisterziensischen Reformbewegung deutlich wird und spürbar.

Doch noch einmal zurück zum Ursprung: Jener Ritter Walter von Lomersheim hatte sich diesen Reformgedanken des damals noch lebenden Reformers des Zisterzienserordens, Bernhard von Clairvaux (1091-1153), der damals noch lebte, zu seinem Ziel gemacht: "Bete und arbeite". Zur Erinnerung: Im Jahre 1098 gründete der Benediktiner Robert von Molesme südlich von Dijon in einem abgelegenen Tal das Kloster Citeaux (deutsch: Zisterze), das den Zisterziensern ihren Namen geben sollte. Das war im Jahre 1138, und er wollte in mönchischer Abgeschiedenheit sein Leben Gott weihen. Urkundlich verzeichnet ist der Ortsname Maulbronn als "Mulenbrunnen", was auf eine Quelle, einen Brunnen, hinweist, eine Mühle (im Mittelhochdeutsch "mulin). In jedem Fall gehörte Wasser zu den Notwendigkeiten für einen solchen Klosterbau laut Klosterregel.

 

 LMZ Baden-Württemberg

Laienkirche mit Chorschranke und Steinkruzifix.
Foto: LMZ Baden-Württemberg

Ursprünglich wollte er auf seinem Erbgut Eckenweiher ein Zisterzienserkloster gründen, in das er auch selbst eintreten wollte. Er wandte sich an Abt Ulrich vom Kloster Neuburg im Elsaß und erreichte von ihm die Aussendung eines Konvents von zwölf Mönchen und einigen Laienbrüdern unter der Leitung des Abts Dieter. Doch schon bald stellten die Mönche fest, dass dieser Platz ungeeignet war, denn es fehlte an Bausteinen und Wasser. Bischof Gunther von Speyer, Graf von Henneberg, half, denn er versetzte die Mönche im Jahre 1147 auf einem dem Bistum zugehörigen Lehen, nämlich nach Maulbronn, nur wenige Kilometer entfernt. Die Abgeschiedenheit und die unbewohnte Gegend waren ideal und entsprachen den Ordensregeln. Eine zweiflügelige Stiftstafel von 1450 "erzählt" die Geschichte dieser "Grundsteinlegung" in der damaligen gefährlichen Wildnis, wo Reisende überfallen werden. Und auf einem Altargemälde gegenüber sind die Mönche bei den Bauarbeiten für den romanischen Kirchenbau dargestellt - ein aufschlussreicher Blick zurück!

Eine "Gründungsanekdote" wird sich bis heute erzählt, jene Anekdote "Das Maultier und das Kloster". Walter von Lomersheim habe vor 850 Jahren einem Maultier seinen Geldsack aufgebürdet und beschlossen, dort, wo es anhalte und die Last abwerfe, ein Kloster zu erbauen. Das Tier kam an einen Ort, der nun Maulbronn genannt wird. Und hier schlug das Maultier mit heftigen Hufschlägen einen frischen Quell aus dem Felsen hervor. Eine schöne Geschichte, die man fast glauben möchte, wenn ein stiller Tag den Rundgang in aller Ruhe erlaubt und weitere bauliche Kostbarkeiten freigibt, wie den "Eselbrunnen", sozusagen diesem Esel gewidmet.


 LMZ Baden-Württemberg

Maulbronns Wahrzeichen: Der dreischalige Brunnen im
Brunnenhaus. Foto: LMZ Baden-Württemberg

Weitere bedeutende künstlerische Einzelleistungen im kirchlichen und profanen Bereich lassen den Betrachter immer wieder einhalten und staunen. Da ist der Herrenchor mit einem aus Eichenholz gefertigten und reich verzierten Chorgestühl, da wird der Übergang der weiterführenden Bauweisen zu Beginn des 13. Jahrhunderts zwischen Romanik und Gotik mit der damals erbauten Vorhalle, das "Paradies", zur weiteren Überraschung, wo sich weite Doppelbögen zum Wirtschaftshof hin öffnen. Und dann die Wehrmauern und den daran und auch darüber gebauten Türmen, wo sich Wirtschafts- und Wohngebäude bis ins Heute hinein so darstellen, wie es die damaligen Bewohner, die Mönche, auch mit ihren Augen sahen und darin lebten. Sie brachten es zu Wohlstand, der bei einem Blick in die steinernen Gewölbe, wo die Mönche ihren Wein lagerten, glaubhaft wird. Die alten Steinblöcke reizten die kunstfertigen Klosterbewohner, sie zu bearbeiten und damit bauliche Glanzlichter zu schaffen, wie eben das "Paradies", das ist die Kirchenvorhalle, gefolgt vom Speisesaal, dem Refektorium.


 Staatsanzeiger-Verlag

Kloster im Herbst, Blick in den Kreuzgang.
Foto: Staatsanzeiger-Verlag

Der Ablauf der Geschichte wird hier deutlich, die Einflüsse des politischen, sozioökonomischen und kulturellen Wandels von der ersten Steinlegung über die Reformation und die Säkularisation bis heute.
Denn heute sind keine Mönche mehr da. Das hat seinen Grund in der Zeit der Reformation, als 1556 Herzog Christoph von Württemberg hier eine Evangelische Klosterschule einrichtete, um den Pfarrernachwuchs der damals noch jungen evangelischen Kirche seines Landes ausbilden zu lassen. Hier wurden auch Persönlichkeiten wie Johannes Keppler, Hermann Hesse und Friedrich Hölderlin gelehrt.

Aus der Schule wurde in der Zeit der Säkularisation 1806 ein Evangelisches Seminar. Nur der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) unterbrach die schulischen Ausbildungszeiten, doch zum Glück wurde die Klosteranlage auch während dieser schrecklichen Kriegszeiten nicht zerstört. Heute ist sie auch nicht mehr der weltabgeschiedene Sitz eines Zisterzienserkonvents, es ist lebendiger Mittelpunkt der Gemeinde Maulbronn, wo man voller Stolz ist auf diesen historischen Glücksfall, die einzige, voll erhaltene mittelalterliche Klosteranlage nördlich der Alpen zu besitzen. Und die wurde 1993 von der UNESCO (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization) in die Liste des Weltkulturerbes der Menschheit aufgenommen und darf sich, so die Maulbronner voller Ehrfurcht "in einem Atemzug mit den Pyramiden von Gizeh, der chinesischen Mauer oder dem spanischen Escorial nennen lassen".
Hier in Maulbronn werden steinerne Zeugen lebendig, hautnah wird die Vergangenheit wieder wach in dieser authentischen Atmosphäre, der Welterbeschutz vom Zisterzienserkloster von 1147 bis heute soll unbedingt erhalten bleiben.


 Staatsanzeiger-Verlag

Ein ruhiger Wintertag im Kloster Maulbronn.
Foto: Staatsanzeiger-Verlag

Die Geschichte der politischen Gemeinde Maulbronn beginnt erst im Jahre 1838, eine damals neue Gemeinde, deren Einwohnerzahl stetig wuchs und sich voller Selbstbewusstsein seit 1886 Stadt nennen darf. Damals wurden 1 170 Einwohner gezählt, bis 1939 waren es 1 615 Einwohner. Durch die Zuwanderung der Heimatvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg und die Eingliederung der Orte Schmies und Zaisersweiher sowie 1000 ausländischer Mitbürger zählt die Stadt heute 6 400 Einwohner und bietet über 3 000 Arbeitsplätze. Strukturell hat sich die landwirtschaftlich ausgerichtete Gemeinde heute zur Industrie- und Fremdenverkehrsstadt gewandelt mit namhaften gewerblichen Betrieben wie Werkzeug- und Maschinenfabrik, sowie Firmen der Elektro- und Autozubehörindustrie und Natursteinbetriebe, die wiederum an die Arbeiten der Klosterstadt durch die Mönche über Jahrhunderte hinweg erinnern. Die Anziehungskraft zur Besichtigung der Klosterstadt ist so groß, dass der Besucherstrom aus dem In- und Ausland über 300 000 Besucher jährlich zählt. So macht das Kloster Maulbronn bis heute Geschichte.



 

www.maulbronn.de
www.schloesser-und-gaerten.de
www.hd-internetforum.com

Anzeige


Beitragsdatum: 17. September 2008