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Marmor: Luxus und Symbol von der Antike bis zum Mittelalter

Im Kölner Museum Praetorium steht dieses kostbare Material im Mittelpunkt einer Ausstellung bis zum 1. Februar 2009



 

Die Theseusplatte ist ein Intarsienbild

Die Theseusplatte ist ein Intarsienbild und stellt den Kampf zwischen Theseus und dem Minotaurus dar; 4. Jh. n .Chr. zweitverwendet im mittelalterlichen Fußboden von St. Severin, wohl als Mittelpunkt einer Labyrinthdarstellung; weißer Marmor mit Einlagen aus Rosso Antico, grünem Porphyr, belgischem Rotmarmor. Leihgabe der Pfarrgemeinde St. Severin und St. Johann Baptist. © Archäologische Zone Köln

 

Tief in eine faszinierende Geschichte steigt der Besucher der außergewöhnlichen Ausstellung zum Thema Marmor mit 550 Exponaten im Kölner Museum Praetorium, wo viele Kostbarkeiten zum ersten Mal überhaupt zu sehen sind. Da wird die Neugierde gereizt, tief in die Vergangenheit einzudringen, denn wenn es um Marmor geht, so haben die Architekten auch in diesem Jahrhundert dieses kostbare Material für anspruchsvolle Bauten entdeckt, für Böden, für Terrassen, für Bäder, für Wandverkleidungen mit Mustern. Fast scheint es so, als hätten sie ihre Ideen von alter Kunst wiederentdeckt. Marmor ist als kostbares Material wiederentdeckt und in Köln bei archäologischen Grabungen oder durch Zufall wiedergefunden. ier kann sich jeder Anregungen holen, sich über das informieren, seit wann und was es an Marmor gibtHH Hier kann sich jeder informieren, seit wann und warum und was es an Marmor gab und heute noch gibt.

Es ist tatsächlich eine aufregende Geschichte, die hier gezeigt wird, die Geschichte eines kostbaren Materials, das schon von der Antike bis zum Mittelalter Symbol für Luxus war. So heißt denn diese sehenswerte Ausstellung denn auch richtig: „Marmor. Luxus und Symbol von der Antike bis zum Mittelalter“. Roms Elite in Köln schuf so das „römische Köln“, und die ehemaligen Kölner Werkstätten schufen aus Altem wieder Neues, wob ei zum Glück auch viel Altes erhalten blieb und damit ein Bild freigibt über die Zeit von der Antike bis zum Mittelalter der Domstadt, die damals noch keinen Dom hatte.

In die antike Provinzhauptstadt Köln ist seit dem ersten Jahrhundert nach Christus kostbarer Marmor für Säulen, Kapitelle, Wanddekorationen und Bodenbeläge aus dem gesamten Römischen Imperium gelangt. Das beweisen die großen und kleinen Exponate, die sorgfältig gesammelt und klassifiziert wurden. Der Marmor kam meist von weither, damals ein sicherlich sehr schwieriges Transportunternehmen. Marmor kam von den entlegenen Steinbrüchen am Djebel Dokhan im trockensten Teil der ägyptischen Wüste, der rote Kaiserporphyr, aus Kleinasien und Griechenland, aus Italien und Nordafrika, aus Spanien. Näher waren da schon die Steinbrüche aus Belgien und Frankreich, Marmor, dass auch Karl den Großen begeisterte und die Kölner Künstler für begehrtes Dekorationsmaterial.
Reliquiencharakter besaß auch die zweifarbige Marmorscheibe aus St. Pantaleon, die sicherlich bereits zur Ausstattung der spätantiken „domus ecclesiae“ (Hauskirche) unter dem heutigen Bau gehörte.

 

 

Diese Marmorscheibe mit Kreuzmotiv aus St. Pantaleon

Diese Marmorscheibe mit Kreuzmotiv aus St. Pantaleon, 4. Jh. n. Chr., weißer Marmor mit Einlagen aus rotem und grünem Porphyr. Katholische Kirchengemeinde St. Pantaleon, Köln. © Archäologische Zone Köln

 

Die Bandbreite reichte vom tonnenschweren Säulenschaft bis zu hauchdünn geschliffenen Intarsien. Neben Marmor wurden auch Porphyr und Granit sowie andere polierfähige Hartgesteine importiert. Sie fanden im Statthalterpalast, in frühen Kirchen, wie zum Beispiel St. Gereon, in öffentlichen Bauten und Privatvillen Verwendung. „Ihr Wert war genau gestaffelt Das wissen wir aus einem Edikt Kaiser Diokletians aus dem Jahre 301 n.Chr., in dem die Preise für 18 Marmorsorten festgelegt wurden. Entsprechend ist ihr Einsatz in offiziellen und privaten Gebäuden der Stadt“, erklärten der Kulturdezernent Prof. Georg Quander und Dr. Sven Schütte M.A, Direktor der Archäologischen Zone in Köln.

 


Haarkalotte aus Marmorvon

Dies ist eine Haarkalotte aus Marmorvon einer monumentalern Kaiserstatue, wie man es heute errechnen kann. Vermutlich stellte sie den Kaiser Augustus dar und stammt aus dem Praetorim Köln. Römisch Germanisches Museum Köln. © Archäologische Zone Köln

 

Im Mittelalter wanderte ein großer Teil der Stücke in den Kalkofen und wurde zu Branntkalk für Baumörtel verarbeitet. Viele kostbare Stücke aber fanden weitere Verwendung und dienten zur Dekoration von Kirchen und Palästen der Karolinger und ihrer Nachfolger. So wurde wahrscheinlich ein Teil der Marmorausstattung des Praetoriums nach der Zerstörung durch ein Erdbeben um 790 n. Chr. nach Aachen zum Bau der Kaiserpfalz transferiert, das war zu Lebzeiten Kaiser Karls des Großen, der 800 n. Chr. in Rom von Papst Leo III. zum Kaiser gekrönt wurde, seine Heimat aber in Aachen sah.

Das Wissen um den Wert der Steine gab eine Generation an die nächste weiter, so dass das wertvolle Material im 12. Jahrhundert sogar zu reliquiengleichen Einsatzplatten von Tragaltären verarbeitet wurde. Der antike Marmor lebte mit christlichem Symbolgehalt in Köln vielfach weiter bis ins 13. Jahrhundert. Und auch das ist in dieser Ausstellung zu besichtigen, kostbare Tragaltäre, weil Könige, Kaiser, die Mönche auf diese Weise ihre Altäre auf ihren zahlreichen Reisen in jener Zeit immer mitnehmen konnten.

Eine Besonderheit ist sicherlich die antike Alabastervase aus St. Ursula. Sie galt im Mittelalter als einer der Krüge der Hochzeit von Kana und wurde als mächtige Reliquie, als „Kana-Vase“ verehrt.

 

 

Kana-Vase

Die sogenannte „Kana-Vase ist römisch und stammt aus dem 1. Jh. n. Chr. Jahre 1370 schenkte sie der Kölner Rat an die Kirche St. Ursula. Sie galt als einer der Krüge der Hochzeit zu Kana, im Mittelalter reliquiengleich verehrt. Katholische Kirchengemeinde St. Ursula. © Archäologische Zone Köln

 

Die Ausstellung stellt die Marmorsorten und ihre Herkunft vor und verfolgt ihren Weg anhand der Exponate von der Römerzeit bis ins hohe Mittelalter. Man kann sich anhand einer Karte der Fundstellen über die Lagerstätten in der Antike informieren und sehen, wie der Marmor aussah, der dort gebrochen wurde. Es wurden aber auch zahlreiche Exponate ins Praetorium geholt, von denen einige sehr kostbar sind (wie der romanische Tragaltar aus Mönchengladbach) andere zum ersten Mal ausgestellt sind wie die ottonische Altarantrittsplatte aus St. Maria im Kapitol. Auch das ist eine Premiere ganz besonderer Art.

So vermittelt diese Ausstellung im Herzen der Domstadt gelegen im Praetorium ein Stück vom Glanz des römischen und des mittelalterlichen Köln wider. Daneben sind durch große Glaswände die riesigen Fundamente des einstigen Praetoriums zu sehen. Praetorium (griech.), das war zunächst das zelt des Befehlshaber, des Praetors, dann ab er wurde es ein ansehnliches, herrschaftliches Haus, wie anschauliche Zeichnungen verdeutlichen.
Besonders in Herrschaftsbauten wie dem Praetorium oder dem spätantiken Urbau von St. Gereon fanden diese Materialien Verwendung. Die vorhandenen Ausstattungsteile aus dem spätantiken Urbau von St. Gereon sind hier zum ersten Mal zusammengeführt, darunter auch zahlreiche Goldmosaiksteinchen, winzige Kostbarkeiten, in die vielen Farben mit Gold glänzen. Nach dem goldenen Mosaikschmuck hieß die Kirche ja im Mittelalter „ad sanctos aureos“ (zu den goldenen Heiligen). Diesen Namen überliefert als erster der bedeutende fränkische Geschichtsschreiber Gregor von Tours am Ende des 6. Jahrhunderts.


Aus der Domgrabung stammen Teile eines Türgewändes aus Carraramarmor, die hier ebenfalls zum ersten Mal zusammen ausgestellt sind. Der Rest einer überlebensgroßen Statue des Augustus gehört sicher in den Kontext öffentlicher Repräsentationsbauten.
Vornehme Privatleute schmückten ihre Grabstätten mit Plastiken und Reliefs aus Marmor und bewahrten damit ihr Andenken über den Tod hinaus. Die Büsten eines mannes und einer Frau, sehr gut erhalten und Augenfang in dieser Ausstellung, wurden in der Grabkammer von Köln-Weiden gefunden und zeugen auf anrührende Weise von Leben und Jenseitsvorstellungen der Menschen im römischen Köln.

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Büste eines Mannes

Die Büste eines Mannes, es gibt auch noch eine sehr gut erhaltene Büste einer Frau, die aus der römischen Grabkammer aus Köln-Weiden stammen. Datiert werden sie Ende des 2. Jh., Carrararmarmor, Sockel aus Giallo Antico, Land Nordrhein-Westfalen. © Archäologische Zone Köln

 

Eines der wertvollsten Exponate ist der romanische Tragaltar aus St. Vitus in Mönchengladbach aus der Zeit um 1160. Der Altarstein besteht aus grünem Porphyr, die Emailarbeiten auf vergoldeter Bronze zeigen Darstellungen, die sich auf das Messopfer beziehen, die 12 Apostel und die Frauen am Grabe und Christus als Weltenherrscher.
Der kleinere Tragaltar aus dem Bestand des Museums Schnütgen enthält ebenfalls einen Altarstein aus grünem Porphyr.



Tragaltar

Tragaltar aus St. Vitus in Mönchengladbach, Köln, um 1160, Altarstein aus grünem Porphyr, Kern Eichenholz, Überzug Kupfer vergoldet und emailliert. Katholische Hauptpfarre St. Mariae Himmelfahrt, Mönchengladbach. © Archäologische Zone Köln

 

In der Kirche St. Severin wurde eine spätantike Marmorplatte (Theseusplatte s. Bild ganz oben) gefunden, die wahrscheinlich von einer kostbaren Wandverkleidung stammt und Theseus im Kampf mit dem Minotaurus zeigt, wahrscheinlich zum Mittelpunkt einer Labyrinthdarstellung im Fußboden. In der christlichen Überlieferung wurde der antike Held Theseus umgedeutet zur Vorausschau auf Christus, der hinabsteigt in die Hölle und den Tod besiegt. Die Platte stammt sicher aus einer Kölner Werkstatt, da nur lokale Marmorsorten verarbeitet wurden.

Gezeigt werden aber auch Funde aus der laufenden Ausgrabung im Bereich der Synagoge, darunter ein Teil einer Säule aus dem Kalksinter der römischen Wasserleitung, der im Mittelalter wie Marmor verwendet wurde. Diese Säule gehörte wahrscheinlich zum Thoraschrein der Synagoge.

Wie die stellv. Leiterin der Archäologischen Zone Köln, Frau Dr. Marianne Gechter, erläuterte, unterstützen viele Leihgeber diese Ausstellung in großzügigster Weise. Dazu gehört das Land NRW, das die beiden wunderbaren originalen Büsten aus der römischen Grabkammer Köln-Weiden zur Verfügung gestellt hat. Durch die Überlieferung von antiken Marmorobjekten in sakralem Kontext haben sich besonders viele Exponate in Kirchen, Stiften oder Klöstern erhalten. Die Kölner und auswärtige Pfarrgemeinden, das Kunstmuseum des Erzbistums KOLUMBA und das Generalvikariat des Erzbistums Köln haben fast alles zur Verfügung gestellt, was in Sakrarien und Lapidarien an Marmorobjekten gehütet wurde Aber natürlich haben auch private Leihgeber und Kölner Museen die Ausstellung tatkräftig unterstützt, beispielsweise das Museum Schnütgen sowie das Römisch Germanische Museum, das in großzügiger Weise seine Depots und Sammlungen öffnete.

Ein Begleitbuch zur Ausstellung „Marmor“ erscheint am Jahresende 2008.

Information und Beratung:
Dr. Marianne Gechter, stellv. Leiterin der Archäologischen Zone Köln
Dr. Sven Schütte M.A., Direktor der Archäologischen Zone
Prof. Dr. Georg Quander, Kulturdezernent
Das Praetorium hat seine Adresse im Zentrum der Stadt Köln unter dem Kölner Rathaus, Kleine Budengasse 2

Was ist die Archäologische Zone in Köln?
Sie gilt als eine der spektakulärsten Kulturprojekte in Köln, das nun unter dem Rathausplatz zu finden ist. Stadt und Land errichten im Rahmen der Regionale 2010 auf einer Fläche von zirka 7000 Quadratmetern dieses neue unterirdische Museum. „Mit dem Fahrstuhl in die Römerzeit“ nach dem Bestseller von Rudolf Pörtner aus den 50er Jahren könnte man einen Besuch in der Archäologischen Zone auch nennen, denn an den Originalstandorten trifft der Besucher auf Monumente aus zwei Jahrtausenden. Da sind die gewaltigen Ruinen des einstigen römischen Statthalterpalastes (Praetorium) bis hin zu den fragilen Resten eines der bedeutendsten jüdischen Stadtquartiere Europas zu finden. So wird das weltliche Herzstück der Kölner Stadtgeschichte von einst wieder lebendig, indem sie in der Kölner Museumslandschaft einen eigenen Part darstellt und heute eine eigene Dienststelle des Kölner Kulturdezernats ist.
Die jetzt eröffnet Ausstellung „Marmor – Luxus und Symbol von der Antike bis zum Mittelalter“ stellt eine gelungene Premiere im Reigen der noch folgenden Aufstellungen dar.

www.museenkoeln.de
s. Archäologische Zone
 

lesen Sie hier: Mythos Babel und die Wahrheit um das antike Babylon

lesen Sie hier: Kölner Kunstmesse Cologne Fine Art & Antiques 2008

 




 

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Beitragsdatum: 25. November 2008