Erstmals eine deutsche Altstadt zum Weltkulturerbe erklärt
Lübeck ist eine Stadt zum Verlieben. Eine jahrhundertealte Geschichte mit vielen Gesichtern schwebt durch das einzigartige Altstadtensemble - Grund genug für die UNESCO, mit Lübeck 1987 zum ersten Mal offiziell eine Altstadt in Deutschland zum Kulturdenkmal zu erklären.

Weltberühmt ist das Holstentor, heute das Wahrzeichen
der Hansestadt Lübeck.
© Lübeck und Travemünde Marketing GmbH (LTM),
Foto: Sven-Erik Arndt
Sie hat so viele Gesichter, sie hat soviel Geschichte, sie präsentiert sich mit so viel Schönheit und kulturhistorischen Sehenswürdigkeiten, da wird jeder mit dem Flair fühlbarer Vergangenheit in den Strudel der zurückliegenden Jahrhunderte aufgesogen, um viele, viele Leben mit und in Lübeck noch einmal zu "erleben". Und das hört mit der immer seit Jahrhunderten belebten Altstadt nicht auf, selbst der archäologische Untergrund der Altstadt mit den mittlerweile fast drei Millionen Funden ist Bestandteil des Welterbes. Also eine Schatzkammer der Geschichte! Und dass sie bis heute so erhalten blieb, trotz der Kriegsjahre und Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg auf die Städte Deutschlands, das ist eine ganz besondere Geschichte. Zwar wurde im Jahre 1942 ein großer Teil der Altstadt durch einen (!) englischen Bombenangriff genau an Palmsonntag zerstört, so auch die Kirche St. Marien im Zentrum, wie man heute an einem Altarbereich noch erkennen kann, doch dass es nicht zu weiteren Bombenangriffen im Krieg kam, das ist einem Schweizer Diplomaten und Historiker Carl Jacob Burckhardt und dem Hamburger Bankier Eric Warburg zu verdanken. Denn sie schalteten das Internationale Rote Kreuz ein, um die in Lübeck organisierte Hilfe für skandinavische KZ-Insassen weiterzuführen und weitere Bombenangriffe auf die Altstadt zu verhindern.

Die Marienkirche erstrahlt heute wieder im alten Glanz.
© Lübeck und Travemünde Marketing GmbH (LTM),
Foto: Torsten Krüger
Die Schöne, die Liebliche, so hieß sie schon als erste Siedlung "Liubice", damals am Zusammenfluss der Flüsse Trave und Schwartau, wo eine Königsbug stand, eine christliche Kirche und kaufmännischen Niederlassungen, wo dieses "Alt-Lübeck" bis ins Jahr 819 zurückverfolgt werden kann, von und nach hier der Handel ideal war und bis heute ist. Auf dem alten Kopfsteinpflaster in so mancher Straße in der Altstadt klappern in der Fantasie die Holzschuhe von einst, Pferdehufe sind zu hören, Kinderstimmen, Lachen vieler Menschen aus vielen Jahrhunderten hallen von den Hauswänden zurück, und in den kleinen Gässchen bis in die liebevoll, mit bunten Blumen gepflegten Innenhöfe, hinein, wo niedrige Fenster in fern zurückliegende Zeiten neugierigen Blicken nichts verbergen. Historisches will die UNESCO schützen und tut gut daran, Weltkulturgüter werden, wie hier in Lübeck gepflegt und bewahrt. Eine Gedenkplatte in der Eingangshalle des Lübecker Rathauses erinnert an diese Auszeichnung der UNESCO. Die vom Wasser umschlossene Altstadtinsel mit dem historischen Stadtkern ist eines der bedeutendsten Zeugnisse der Backsteingotik. Sieben Kirchentürme prägen schon seit dem Mittelalter die Silhouette der Stadt Lübeck. Der von der UNESCO geschützte Bereich bezieht die wichtigsten Bauwerke dieser reizvollen Stadt ein: da ist einmal das wunderschöne alte Rathaus, das Burgkloster, den Koberg - ein vollständig erhaltenes Viertel des späten 13. Jahrhunderts mit Jakobikirche, Heiligen-Geist-Hospital und den Baublöcken zwischen Glockengießer- und Aegidienstraße, das Viertel der Patrizierhäuser des 15. und 16. Jahrhunderts zwischen Petrikirche und dem prachtvollen, riesigen Dom, das Holstentor, eigentlich das Wahrzeichen der Stadt und die Salzspeicher am linken Traveufer. Das alles ist eine gewachsene historische Einheit über viele, viele Generationen.

Der Museumshafen zu Lübeck ist ein Schmuckstück.
© Lübeck und Travemünde Marketing GmbH (LTM),
Foto: Torsten Krüger
Als Graf Adolf von Schauenburg im Jahr 1143 eine christliche Kaufmannssiedlung auf dem fast vollständig von den Flüssen Wakenitz und Trave umflossenen eiförmigen Hügel Buku gründete, wird hier dieser Ort Lübeck als offizielles Gründungsjahr genannt. Doch schon früher gab es hier Siedlungen, lebten Menschen in "Liubice", wie oben schon erwähnt, was soviel heißt wie "die Schöne, die Liebliche". Das war einige Kilometer entfernt am Zusammenfluss der Flüsse Trave und Schwartau, doch die Grundsteine für die Zeiten danach bis heute waren gelegt. Jener Graf von Schauenburg hatte ganz bewusst dieses Gebiet ausgewählt. Slawen hatten fünf Jahre vorher Alt-Lübeck niedergebrannt, und nun begann hier neues Leben in einer günstigen Stelle, um den Nordosthandel an sich zu ziehen. Der bestehende alte Handelsweg führte die Kaufleute aus dem Westen, vor allem die Westfalen und die Rheinländer, in diese Stadt. Und wieder kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Herzog Heinrich der Löwe und Graf Adolf, wieder wütete das Feuer 1157, der Herzog befahl dem Grafen die Abtretung und gründete auf demselben Gebiet die Stadt ganz neu. Der Grundriss von damals ist bis heute erhalten geblieben, und alle Straßen führten zur Trave, ein neues Ausfalltor für den Handel zur Ostsee. Dann wurde das Bistum von Oldenburg nach Lübeck verlegt, 1173 begann dann der Bau einer der größten Backsteinbauten Norddeutschlands, der großen romanischen Domkirche, die 1230 fertig gebaut war.
Kein Wunder, dass eine solche Stadtentwicklung Begehrlichkeiten weckte, so bei den Dänen für genau 25 Jahre. Doch die Lübecker erkämpften sich bei Bornhöved 1227 ihre Stadt zurück und brachen damit die Macht der Dänen endgültig in Norddeutschland. Der Sieges-Tag war der Maria-Magdalenen-Tag, deshalb wurde diese Heilige zur Lübecker Schutzpatronin erklärt. Das damals gestiftete Dominikanerkloster ist bis heute erhalten.

Die Lübecker Altstadtinsel von Wasser umgeben.
© Lübeck und Travemünde Marketing GmbH (LTM),
Foto: Jochen Knobloch
Damit begann ein rasanter Aufstieg Lübecks verbunden mit der führenden Rolle als Stadt in der Hanse (althochdeutsch Hansa: Schar, Bund), 1266 gegründet von Kaufleuten zur Sicherung des Handels, Lübeck, das Tor Westeuropas zum Ostseehandel, nach Skandinavien und zum Baltikum mit großen Niederlassungen und Kontoren in anderen Hansestädten wie Hamburg, London, Brügge, Bergen, Köln und bis hinauf nach Novgogrod, der nördlichsten Hansestadt, um nur einige zu nennen, denn der hanseatische Handel ging weiter nach Süddeutschland und Italien bis hin zum Seehandel nach Frankreich, Spanien und Portugal. Durch Verschiebung der Machtverhältnisse hier und in den anderen Ländern, ging die Hanse nach glücklichen Zeiten langsam zurück, die Wirtschaftspolitik der frühneuzeitlichen Staaten wurde zu stark. Lübeck, Hamburg und Bremen schlossen sich zusammen, doch ein allgemeiner Hansetag 1669 konnte die Hanse trotz noch neuen bestehender Hansestädte nicht wieder neu aufblühen lassen. Die Verbindung zwischen Lübeck, Hamburg und Bremen blieb jedoch bis 1920 beziehungsweise 1937 bestehen, dann verlor Lübeck als Hansestadt ihre Selbständigkeit nach über 700 Jahren durch ein Gesetz der Nazis. Doch die "Königin der Hanse" ist bis heute nicht vergessen, der dritte Hansetag der Neuzeit fand 1983 wieder in Lübeck statt, nachdem die niederländische Stadt Zwolle den Gedanken der Hansetage neu belebt hatte.
Die Kriege und Krankheiten ließen Lübeck nicht unverschont, so auch nicht die Religionskriege. Lübeck wurde 1531 protestantisch, denn ein enger Vertrauter und Beichtvater Luthers, jener Rat Doktor Johannes Bugenhagen hatte nach langen Auseinandersetzungen das gesamte Gemeinwesen neu geordnet, Klöster wurden aufgelöste oder in Lateinschulen oder Armen- und Krankenhäuser umgewandelt. Und im Rat bestimmten nicht mehr die Kaufleute alleine, Handwerker und andere Bürgerliche hatten nun auch das Sagen.

Unübersehbar in seiner kunstvollen Bauweise:
das Lübecker Rathaus.
© Lübeck und Travemünde Marketing GmbH (LTM),
Foto: Torsten Krüger
Die Entdeckung Amerikas veränderte den Handel. Und die später verlorene Schlacht von Jena und Auerstedt gegen das napoleonische Heer am 5. November 1806 brachte die Lübecker darum in Schwierigkeiten, weil Teile der preußischen Armee unter Blücher in ihren Mauern Schutz suchte, obwohl dies das Abkommen der Neutralität nicht verletzt hatte, die Franzosen aber von einer Schlacht beim Dorf Ratekau nicht abhielt und die Lübecker schlug. Daraufhin wurde ihre Stadt geplündert, der Handel kam zum Erliegen. Erst 1815 wurde durch den Wiener Kongress Lübeck erneut selbständiges Staatsgebiet, doch Jahrzehnte problemreicher Jahre beutelten die Bewohner. Erst mit der Eröffnung des Elbe-Lübeck-Kanals 1900 wurden die Handelsnachteile gemildert, 1911 wurde Lübeck zur Großstadt und erhielt 1920 eine demokratische Verfassung. Doch die Schreckensjahre des Nationalsozialismus brachten auch hier viel Leid über die Bevölkerung. 1942 wurde ein großer Teil der Altstadt durch einen englischen Bombenangriff an Palmsonntag zerstört, so auch St. Marien. Einem Schweizer Staatsmann und dem Hamburger Bankier Eric Warburg ist es zu verdanken, dass es nicht zu weiteren Bombenangriffen auf die Stadt kam.

Das historische Buddenbrookhaus ist beliebtes Besucherziel
und Filmkulisse nach dem Roman von Thomas Mann.
© Lübeck und Travemünde Marketing GmbH (LTM),
Foto: Torsten Krüger
So blieb das einzigartige Altstadtensemble, so blieben die alten Häuser mit ihrer historischen Bausubstanz erhalten - beliebte Filmkulissen so auch in diesem Jahr aus Anlass des 250. Geburtstages des Buddenbrookhauses in der Mengstraße 4. (www. buddenbrookhaus.de). Denn Lübeck ist die Stadt von Thomas Manns nobelpreisgekröntem Roman "Buddenbrooks". Seit seiner Erbauung 1758 diente dieses Haus in der Mengstraße ab 1842 der Familie Mann als Heim- und Geschäftsstelle; "meine Kindheit war gehegt und glücklich … das heute als Buddenbrook-Haus einen Gegenstand der Fremdenneugier bildet". Live zu sehen sind bis heute das "Götterzimmer" und das "Landschaftszimmer", die beste Kulisse für die Neuverfilmung. Im Sommer 2007 wurde die Lübecker Altstadtinsel zur Filmkulisse einer der bedeutendsten Kinoereignisse des Jahres 2008: dem neuen Heinrich Breloer-Film "Buddenbrooks - Ein Geschäft von einiger Größe", auf der Basis des 1901 erschienen Romas von Thomas Mann. Ab dem 25. Dezember 2008 wird dieser Film zum Kinoereignis in diesem Jahr.
Thomas Mann (1875-1955)aus Lübeck wurde Nobelpreisträger, einer der drei aus dieser Stadt, gefolgt vom ehemaligen Bundeskanzler (SPD) Willy Brandt (1913-1992), der seine Kinder- und Jugendjahre hier verbrachte). Darum der "Lernort für Zeitgeschichte", eine ständige Ausstellung "Willy Brandt - Ein politisches Leben im 20. Jahrhundert" in der Königstrasse 21 (www.willy-brandt-luebeck.de). Von den dreien lebt noch Günter Grass (geb. 1927 in Danzig, Literaturnobelpreis 1999). Seit 2002 findet sich in der Glockengießerstrasse das Günter-Grass-Haus, Forum für Literatur und Bildende Kunst. Seit 1995 wohnt er in der Nähe von Lübeck (www.guenter-grass-haus.de).
Und dann gibt es noch Gaumenfreuden besonderer Art: Der Französische Rotwein gibt als Lübecker "Rotspon" Rätsel auf, die auf das 13. Jahrhundert zurückgehen, als die ersten Koggen der Hanse Bordeaux-Weine mitbrachten und ihn dann in den Folgejahrhunderten "veredelten" und zwar nach Lübecker Art. Und warum Spon? Im Niederdeutschen heißt das Span, Holzspan, Also Wein aus Holzfässern, die auf eigene Art in Lübeck gelagert werden und auch manchem Franzosen besser schmeckt als Bordeaux von der Atlantikküste, sagen sie. Der eine mag es so, der andere anders. Rotspon jedenfalls ist in Lübeck ein fester Begriff.

Die Petrikirche war der Konferenzort "UNESCO-Welterbestätten in Europa",
ein Netzwerk für Kulturdialog und Kulturtourismus 2007.
© Lübeck und Travemünde Marketing GmbH (LTM),
Foto: Reinhard Kruschel
Und damit nicht genug: Ganz süß wird es mit dem Lübecker Marzipan, einst ein Fürstenkonfekt, der aus dem Vorderen Orient stammen soll (marci panis), die 1530 in Lübecker Zunftrollen erstmals erwähnt werden. Lübeck ist die offizielle Marzipanstadt seit 1800, doch niemand weiß, wer jener kunstfertige und ideenreiche Konditor war, der diese besondere Marzipanmasse "erfand". Das Geheimnis ist bis heute nicht gelüftet. Oder doch? Denn heute gibt es viele Lübecker Marzipanhersteller in der Hansestadt Lübeck; das weltbekannte Marzipanhaus "Niederegger" führt die Besucher mit einer hauseigenen attraktiven Dauerausstellung auf die lange Reise dieser mit Mandel-Zucker-Spezialität gefertigten süßen Köstlichkeit vom Orient bis in die Hansestadt Lübeck - auch das reiht sich in die Geschichte der viele Jahrhunderte alten Geschichte der Stadt Lübeck ein. Die Stadt Lübeck empfängt ihre Gäste für eine Zeitreise in die farbenprächtigen Kapitel der Vergangenheit.

Luftaufnahme Travemünde mit Priwall.
© Lübeck und Travemünde Marketing GmbH (LTM),
Foto: Jochen Knobloch
Beitragsdatum: 1. Oktober 2008
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Das Patrizierviertel liegt nicht zwischen St.Petri und Dom, sonder in der Umgebung der Beckergrube,Mengstr. bis Königstr. , dort gibt es auch die bekanntesten Patrizierhäuser, wie das Buddenbrookhaus oder das Willy Brandt-Haus !
Ganz genau muss ich das auch noch mal nachschlagen,
aber soweit erstmal !
P.S.: Patrizier waren römische Adlige die im Mittelalter auch in den Handelsstädten Einfluss hatten, sie gehörten zur piviligierten Oberschicht. Später wurden sie von den Händlern gestürzt und mussten ihre Previlegien abgeben.
Geh jetzt Bücher rauskramen! Bis dann, lg!