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Eine schöne Ausstellung im Beethovenhaus Bonn in der Bonngasse; Foto: Beethovenhaus, Bildstelle
Damenwahl: wer will mit Ludwig van Beethoven tanzen?
Von Dorothea F. Voigtländer
Wer die Wahl hat, hat die Qual: Da wird so manche Dame nach Ludwig suchen, mit dem sie gerne getanzt hätte. Frage: Wäre er nicht auch gerne zum Beethoven Ball ins Maritim gekommen?
Beethoven als beliebter Tanzpartner auf einem Ball, und sogar auf einem Ball zu seinen Ehren, ob er da auch gerne mitgetanzt hätte? Die Frage wird wohl unbeantwortet bleiben, denn Bonns größter Musikersohn bleibt nur mehr in der Erinnerung und vor allem bei den Liebhabern seiner Musik. Man kann wohl mit Sicherheit annehmen, dass Beethoven mit seiner ersten großen Liebe, jener Eleonore von Breuning, gerne getanzt hätte, doch die wollte einen anderen, wie später zu lesen sein wird. Und da gab es Giulietta, dann eine Josephine und eine Therese, sie alle hatten das Herz dieses Mannes entflammt, doch er konnte sich nicht entscheiden, und immer wieder machten Standesunterschiede ihm einen Strich durch die Liebe. Und dann gibt es die Briefe an eine "unsterblich Geliebte", wäre das auch eine Tanzpartnerin gewesen? Der Ärmste blieb schließlich Junggeselle.

Das Geburtshaus von Beethoven in der Bonner Bonngasse; Foto Stadt Bonn, Michael Sondermann
Wenn er schon nicht mit seinen Auserwählten tanzen konnte, so wurde er wenigstens geehrt. Denn bis heute ist es zu bewundern in Bonn, jenes Bronzestandbild auf dem Münsterplatz, das im August 1845 zum Gedenken an seinen 75. Geburtstag, den er nie erlebt hat, aufgestellt wurde. Hohe Gäste waren zugegen, so vom Balkon des damaligen Fürstenberg'schen Palais, das 1877 bis heute die Hauptpost wurde. Kaiser Friedrich Wilhelm IV. und die englische Königin Victoria standen auf dem Balkon jenes Palais, und als die Hülle vom Denkmal rutschte, da wunderte sich die englische Königin darüber, dass ihr der Künstler die Rückseite zeigte. Sie soll gesagt haben, dass dies wohl nicht sehr höflich sei, doch Beethoven schaute sinnend gen Süden, eigentlich in den Himmel, um schöpferische Gedanken für neue Musikstücke von dort zu empfangen. Die Haltung der Figur soll den "inspirierten Tonkünstler" darstellen. Und damals wurde auch das erste Beethovenfest veranstaltet, am 30. August 2008 gibt es den 1. Beethovenball im Hotel Maritim. Wer weiß, vielleicht schaut der so geehrte Künstler, der bönnsche Beethoven, jetzt zufrieden von Wolke sieben auf "seine" Geburtsstadt herab.
Also ist Bonn weltweit einmalig van Beethovens Geburtsstadt, und das geschah in einem kleinen Zimmer in der Bonngasse 20 am 17. Dezember
1770. Die Musik lag in dieser Familie im Blut, eine Musikerfamilie, denn der Vater Johann van Beethoven und sein Großvater waren Sänger im kurfürstlichen Orchester. Das was heute die Universität in Bonns Innenstadt ist, war das Kurfürstliche Schloss, und da lebte und feierte der Kölner Kurfürst.

Dieses Bronzestandbild von Beethoven steht seit 1845 auf dem Münsterplatz vor der Hauptpost; Foto: Stadt Bonn, Michael Sondermann
Ein Wunderkind wie Amadeus Mozart sollte Ludwig werden, daher musste er schon mit vier Jahren auf einem Stuhl stehend, Klavier spielen. Doch leider war sein Vater der Alkoholsucht verfallen. Das leerte die Familienkasse immer wieder bis auf den Grund. Ein Wunderkind sollte deshalb auch der kleine Ludwig werden, der häufig nachts von seinem betrunkenen Vater aus dem Bett gezerrt wurde, um zu üben, mit dem Ziel, nun auch nach Mozart ein Wunderkind zu werden. So gab er im Alter von acht Jahren schon sein erstes Konzert in Bonn. Wenn andere Kinder in Bonns Innenstadt spielten, dann saß der kleine Ludwig am Klavier, sein Vater war ein strenger Lehrer. Und außerdem erhielt er noch Stunden bei dem Sänger und Schauspieler Tobias Pfeiffer, dann beim Organisten Aegidius van den Enden. Seinen Hauptlehrmeister lernte er mit 12 Jahren kennen, Christian Gottlob Neefe. Weil Ludwig ein schlechter Schüler war, unterrichtete Neefe ihn im Fach Allgemeinbildung. Weil die Familienkasse immer leerer wurde, musste Ludwig arbeiten: einmal als Gehilfe seines Lehrers, dann als kurfürstlicher Hilfsorganist mit 150 Gulden Monatsgehalt.
Sein Lehrer Neefe unterrichtete ihn auch im Fach Literatur, daher seine Bewunderung für Schiller. Der ist dann auch der "Textdichter" für die Komposition beethovens "An die Freude" aus dem Jahre 1793. Durch Neefe lernte Beethoven auch den Kurfürsten Graf von Waldstein kennen. Der wollte das neue "Wunderkind" Beethoven mit dem schon bekannten "Wunderkind" Amadeus Mozart bekannt machen, der in Wien wohnte. Deshalb reiste 1787 Beethoven nach Wien und konnte den mittlerweile depressiv gewordenen Mozart mit seinen Improvisationen beglücken.
Zurück wieder in Bonn, trauerte er über den Tod seiner Mutter Maria Magdalena, die an Tuberkulose verstorben war. Weil er aus Trauer keine neuen Werke schreiben konnte, gab er zwei Jahre lang Musikunterricht. Zwei Kinder der reichen Witwe Helene von Breuning wurden von ihm betreut, Lorenz und Eleonore. Die erste große Liebe war jene Eleonore, Ludwig litt, weil Eleonore ihn nicht wiederliebte und anstatt ihn, den Studenten Franz Wegeler heiratete: "…Tout l'amour que j'ai pour toi… ", wer kennt diese Weise nicht ?

Die Betonskulptur Beethoven (eine Wortspielerei aus Beethoven und Beton wurde vom Düsseldorfer Kunstprofessor Klaus Kammerichs als Beitrag zum Beethovenfest 1986 als Leihgabe vor der Beethovenhalle geschaffen und 1990 von der Stadt Bonn gekauft. Foto: Stadt Bonn, Michael Sondermann
Zum Trost lernte er durch die reiche Witwe von Breuning viele einflussreiche Persönlichkeiten kennen, so auch Joseph Haydn, der, von London kommend, das Städtchen Bonn besuchte. Am Heiligen Abend 1790 spielte ihm Beethoven im kurfürstlichen Ballsaal vor, der berühmte Haydn war begeistert und überzeugte sogar den Kurfürsten Maximilian Franz, Beethoven nach Wien zu schicken, wo er am 10. November ankam und eine Wohnung im Palast
des Kurfürsten von Lichnowsky erhielt. Doch dann kümmerte sich Haydn nicht mehr um Beethoven, weil die beiden sich nicht so gut verstanden. Und weil 1791 in Wien Amadeus Mozart gestorben war, kam den musikbegeisterten Wienern Beethoven ganz recht, er wurde das neue Musikeridol. Er wurde rasch ein gefragter Künstler. Und seine Oper, seine einzige, nämlich "Fideleo" , die 1814 im Kärntertor - Theater in Wien uraufgeführt wurde, trägt "der-die" Fideleo" vielleicht nicht umsonst den Namen Leonore, ein Name, der an jene Eleonore in Bonn erinnert. Nun geht es aufwärts. Das Geld rollte wieder, in Wien war man bereit, für seine Kompositionen und seinen Unterricht zu zahlen. Beethoven wurde ein Star, er war auf dem besten Wege, auch international eine große Berühmtheit zu werden. Da schlug das Schicksal wieder einmal zu. Sein Gehör machte ihm Probleme, die Ärzte konnten ihm auch nicht helfen, was den Künstler mürrisch machte und misstrauisch, seine Zornesausbrüche waren berühmt berüchtigt.
Dabei hätte er so gerne geheiratet: als 30-jähriger verliebte er sich in die Gräfin Giulietta Guicciardi, doch dieser Liebe standen Standesunterschiede entgegen. Heute hätte es Beethoven einfacher gehabt, mit den Ärzten und mit der Liebe. Dann gab es da noch eine Josephine, dann eine Therese, es gab glühende Liebesbriefe an eine "unsterblich Geliebte", doch bis zu seinem Lebensende blieb Ludwig van Beethoven ein Junggeselle - und hätte so gerne geliebt und getanzt.
Drei Jahre vor seinem Tod erlebte er am 7. Mai 1824 noch die Aufführung seiner 9. Symphonie. Im Alter von 56 Jahren starb er am 26. März 1827 in Baden bei Wien, ein Haus, das nicht so hübsch war und ist wie das heutige Bonner Beethovenhaus voller Geschichte und Atmosphäre rund um Bonns großen Künstlersohn Ludwig van Beethoven in der BONNgasse in Bonn - wo sonst?