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Lorsch - Kloster UNESCO-Weltkulturerbe

Das Kloster Lorsch - Abtei und Altenmünster - ist seit 1991 Weltkulturerbe der UNESCO

Das kulturelle Lorscher Erbe bleibt unvergessen und wird weiter erforscht. Es ist das „Juwel karolingischer Renaissance“. Einst war es ein „Wunder an Pracht und Schönheit“, so der Fachbereichsleiter Weltkulturerbe Lorsch, Dr. Hermann Schefers, und wenn er mit Victor von Scheffel auch meint, dass „Gras gewachsen ist über die Tage von Lorsch“, nimmt er mit vielen Historikern und Archäologen die ungeheure Herausforderung an, die Geschichte dieser im Jahre 764 gegründeten Benediktiner-Abtei zu erforschen.

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Die sogenannte „Tor – und Königshalle“ im ehemaligen
Kloster Lorsch ist das einzige erhaltene Bauwerk dieses
Klosters aus der karolingischen Zeit – Beispiel
frühmittelalterlicher Baukunst (Ostseite).

Das, was man über dieses Kloster im südhessischen Kreis Bergstraße heute weiß, gilt vor allem für die Gründungszeit, als König Pippin regierte bis in die Zeit des hohen Mittelalters, als die Benediktiner-Abtei und das Kloster Altenmünster ein großes Geistes- und Kulturzentrum des Fränkischen Reiches waren.

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Die Karolingische Torhalle, ein Blick zurück in die ferne
Vergangenheit (Westseite).

Erhalten aus jener fernen Zeit ist die berühmte Tor- oder Königshalle der Karolinger, die über die vielen Jahrhunderte bis heute ihr ursprüngliches Aussehen bewahrt hat und an die vergangene Größe der einst mächtigen Klosteranlage erinnert. Das einzige erhaltene Baudenkmal von europäischem Rang gehört zu den bedeutendsten Relikten vorromanischer Architektur in Deutschland und wird mit seinen Arkaden, Pilastern und Halbsäulen als „Juwel karolingischer Renaissance“ gerühmt. Die Archäologen werden noch viel Arbeit haben, den gewaltigen Gesamtkomplex von einst wieder einigermaßen sichtbar werden zu lassen, von dem man mit Hilfe einiger Schriften heute weiß. Die Mauern der einstigen Abtei schützten eine kleine „Stadt“, in der nicht nur Mönche lebten, sondern vor allem die umfangreiche „familia“ des Klosters, die für das Kloster arbeitete, Zeugnisse der verlorenen Baulichkeiten eines der größten und bedeutendsten Klöster des Mittelalters: Kloster Lorsch.

Ein Glück, dass der „Lorscher Codex“ erhalten geblieben ist, eine Klosterchronik, in der die kostbare Ausstattung der Kirche und die in der Nähe mit ihr verbundenen Baulichkeiten beschrieben werden. Zum Glück gibt es auch noch reichen bauplastischen Schmuck , belegt durch viele Fundstücke, die heute in einem eigenen Funddepot im Keller des Kurfürstlichen Hauses aufbewahrt werden. Viele Informationen vermittelt dieser „Lorscher Codex“: der begnadete Mönch, der dieses Kunstwerk geschaffen hat, ist unbekannt, und dieses Werk ist zerlegt und befindet sich in Teilen auch in Rom, London und Alba Julia. Dieser „Lorscher Codex“ entstand um 1170 bis 1175. Noch viel früher entstand das „Lorscher Evangeliar“, ein Geschenk aus der damaligen „Königszentrale“ Aachen von Karl dem Großen, das natürlich einen Evangelisten darstellt, hier den hl. Markus. Auch dieser Künstler-Mönch ist unbekannt.

lorsch evangeliar 

Diese prachtvolle Arbeit, das „Lorscher Evangeliar“,
stellt den Evangelisten Lukas dar.

Dieses Kloster besaß einst eine der größten Bibliotheken des Mittelalters und vermittelte Wissen mit den mannigfaltigsten Manuskripten. Da werden Bilder wach wie in dem Roman von Umberto Eco „Im Namen der Rose“. Nur dass es kein historischer Krimi war, hier in Lorsch entwickelte sich die Geisteswissenschaft zur weithin anerkannten Größe. Eines der bekanntesten Manuskripte ist das so genannte „Lorscher Arzneibuch“, das als Anfang der wissenschaftlichen Medizin bewertet wird. In Klöstern wie Lorsch wurde entschieden, welches Wissen aus der Antike die eigene Gegenwart erreichte, um sie der Nachwelt zu überliefern – oder auch nicht.

„Das Lorscher Arzneibuch“ ist dafür ein Beweis, denn es beinhaltet neben einer antiken Rezeptar auch eine mutige Rechtfertigung der antik-heidnischen Heilkunde aus christlicher Sicht, was im Europa um 800 n. Chr. überhaupt keine Selbstverständlichkeit war. Außerdem wurden in Lorsch klassische Autoren kopiert und gelesen, wie auch das Werk des römischen Dichterfürsten Vergil. Etwa 300 erhaltene Handschriftenbände, heute weltweit verstreut, zeugen von der großen Bedeutung der Lorscher Bibliothek und des klösterlichen Skriptoriums. Und darum rechnet man auch heute Lorsch in der Zeit vom ausgehenden 8. und 9. Jahrhundert zum Mittelpunkt der sogenannten karolingischen Bildungsreform. Und dann der große Kräutergarten, den es im frühen Mittelalter hier gab. Dies war mit dem „Lorscher Arzneibuch“ der Beginn eines einzigartigen medizinischen Zentrums.

Es war im Jahre 1621, als die bis dahin noch gut erhaltenen und von einer weltlichen Verwaltung gepflegten Baulichkeiten durch spanische Truppen verwüstet wurden. Das, was noch übrig blieb, diente als Steinbruch. Das ist auch der Grund, warum man sich heute nur noch schwer, aber dennoch mit einiger Fantasie die einstige Größe und Bedeutung der Alten Abtei des heiligen Nazarius vorstellen kann. Wer war das, und warum ist er wichtig?

Wandern wir noch einmal weit zurück in die Geschichte: Denn mit den Reliquien des Märtyrerheiligen Nazarius erklärt sich die Vergangenheit, die recht bescheiden 764 begann. Da gründeten die wichtigsten Repräsentanten einer der bekanntesten Familien der fränkischen Oberschicht, die Rupertiner Williswinda und ihr Sohn, Gaugraf Cancor, um 764 ein kleines Kloster wahrscheinlich an der Stelle eines einst römischen Gutshofes. Es wurde den Apostelfürsten Petrus und Paulus geweiht, dann kam es zur Schenkung an den Erzbischof Chrodegang von Metz, in jener Zeit der einzige Erzbischof nördlich der Alpen, der oft als Nachfolger des Heiligen Bonifatius genannt wird. Dieser Erzbischof entsandte die ersten Mönche nach Lorsch, und er brachte aus Rom die Reliquien des Heiligen Nazarius nach Lorsch, wichtig darum, weil sich nun das Kloster konsequenterweise so richtig entwickeln konnte. Denn erst wenn ein Kloster in jener Zeit im Besitz der Reliquien eines Heiligen war, dann war dies die Garantie für einen raschen wirtschaftlichen Aufstieg.

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Das Kloster Lorsch auf einem kolorierten Kupferstich
von Matthäus Merian um etwa 1615. Er zeigt eine
imposante Klosteranlage.

Das machten auch die Schenkungen möglich, denn schon wenige Jahrzehnte später gehörte Lorsch zu den reichsten Grundbesitzern östlich des Rheins mit Besitzungen von der heute niederländischen Nordseeküste bis hinunter in die heutige Schweiz. Natürlich gab es dann um diesen Besitz auch Streit, der vor die letztmögliche Instanz kam, den Herrscher, der damals Karl der Große war, der durch seine Entscheidung für eine weitere kontinuierliche Entwicklung der Abtei sorgte. Derjenige, der diesen Prozess gewonnen hatte, nämlich Gundeland, schenkte das Kloster des Heiligen Nazarius samt allem Grundbesitz dem König, der damit neuer Eigentümer der Abtei wurde: Karl der Große. So wurde aus einem adeligen Eigenkloster ein Königskloster, in dem auch Karl der Große der Weihe der Nazariusbasilika beiwohnte, wo der Enkel Karls des Großen, König Ludwig der Deutsche, ein Jahrhundert, ein Jahrhundert später seine letzte Ruhestätte fand. Lorsch wurde so Grablege dieses ersten „deutschen“ Königs, dann dessen Sohns, seines Enkels, ein Bestattungsort bedeutender Persönlichkeiten. Vor 1090 wurden zwanzig Herrscherbesuche in Lorsch vermerkt, 1052 kam sogar Papst Leo IX. hierher, um einen Altar zu weihen.

Die benediktinische Ära endete nicht zuletzt auch durch Verleumdung und Intrigen - warum sollte es damals anders sein als heute -, klösterlicher Grundbesitz ging verloren an den Adel, die Benediktiner wurden vertrieben. 1232 kommt das Kloster in Mainzer Hand, 1248 kommen die Prämonstratenser bis 1557. Schließlich wurde es im Zuge der Reformation im Jahre 1557 aufgehoben. Dennoch ist Lorsch noch ein bemerkenswertes Zentrum für benachbarte regionale Städte und den Niederadel. Als Kurfürst Ottheinrich die Reformation hier einführte, „bediente“ er sich an der kunstreichen klösterlichen Bibliothek. Als dann 1557 das Kloster aufgelöst wurde, musste sich ein „Schaffner“ um die dann immer noch hohen Einkünfte kümmern und sie verwalten.

Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) und die damit einhergehende Zerstörungswut spanischer Truppen (1621) ließen das einst blühende Kloster mit seiner „Klosterstadt“ in Trümmern verwaist zurück. 1719/1720 wurde die Anlage zum Abbruch freigegeben. „Nun beginnt in der Tat, Gras über das einstige Kloster zu wachsen“, schreibt Dr. Hermann Schefers in einem informativen Beitrag „Ein Wunder an Pracht und Schönheit – Es ist Gras gewachsen über die Tage von Lorsch“. Doch gerade in heutiger Zeit will man dieses Gras wieder aufreißen und tut es, um diese einst blühende Stätte monastischen Lebens, der Wissenschaft und Kultur aus ihrer Vergessenheit zu erwecken.

 

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Die Ostseite der Tor- und Königshalle im Jahre 1900
vor der Restaurierung. Im Vergleich zu heute sind die
Arbeiten hervorragend gediehen.

Das gilt auch für das reiche Lapidarium, für bedeutende Bestände aus der ehemaligen Klosterbibliothek an heute mehr als 50 Standorten weltweit; das gilt für die drei Museen unter einem Dach: Museumszentrum Lorsch. Da ist das Klostermuseum unter der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessens, das mit Karten, Nachbildungen, vielen Detailinformationen die Verflechtung zwischen Politik und Kirche, Herrscher und Kloster und die über einen sehr langen Zeitraum gewachsenen wirtschaftlichen und kulturellen Verbindungen deutlich macht. Das Museum für Volkskunde erweckt den Alltag der Menschen früherer Jahre wieder zum Leben, das Tabakmuseum erinnert an die dreihundertjährige Zeit des Tabakanbaus und der damit verbundenen Arbeit „rund um den Tabak“ bis hin zu kuriosen Schauobjekten wie die im Guinnessbuch der Rekorde eingetragenen größten rauchbaren Pfeife der Welt. Im Nichtraucher-Zeitalter heute wird dieses Thema beendet mit einer Dokumentation „Rauchen und Gesundheit“.

Und das alles auf dem Gelände und im engsten Umfeld der UNESCO-Welterbestätte Benediktiner-Abtei und Kloster Altmünster. Seit 1967 wird dieses ehemalige Klostergelände von der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten betreut. Das Stadtbild von Lorsch mit seinen hübschen und gepflegten Fachwerkhäusern passt hervorragend in diese Nachbarschaft. So muss auch der örtliche Heimat- und Kulturverein erwähnt werden, der sich um die etwas außerhalb gelegene Gedenkstätte Altenmünster kümmert. Vergangenheit und Gegenwart und der Fluss der Jahrhunderte dazwischen vereinigen sich hier auf das Vortrefflichste, und das lohnt einen Besuch. Dies war auch ein Grund mehr für die UNESCO, diese Stätten mit herausragenden Zeugnissen der Geschichte der Menschheit und Natur zur UNESCO-Welterbestätte zu ernennen.

© Fotos: Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen

 

www.kloster-lorsch.de
www.lorsch.de
www.unesco.de
www.unesco.org
www.deutschland-tourismus.de

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Beitragsdatum: 19. Oktober 2008