Der Traum vom Luxus auch während der Winterzeit ein Eigenheim zu bauen wird Wirklichkeit.
War Leonardo da Vinci der eigentliche „Erfinder“ der Fertigbauweise? „Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr“ – Aber: Im Winter kann doch gebaut werden!
Von Dorothea F. Voigtländer

Ein attraktives Fertighaus im avantgardistischen Stil von Gustav Peichl.
Foto: BDF / Hersteller: HANLO-Haus
Wer kann sich den Luxus leisten, auch in der kalten Winterzeit ein Haus zu bauen? Hagel, Eis und Schnee – je später das Jahr, desto widriger die Bedingungen für das Bauen. So glaubt man allgemein, so dachte sich das auch der berühmte Schriftsteller und Dichter Rainer Maria Rilke in seinem Gedicht „Herbsttag“, in dem es heißt: „…Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr…“
In der Zeit, in der er lebte, war das sicherlich auch nicht möglich. Am 4. Dezember 1875 wurde er in Prag geboren, er starb am 29. Dezember 1926 bei Montreux in der Schweiz. Und Fertighäuser, das Stichwort für den Winterbau, die gab es damals noch nicht. Tatsächlich ein Fertighaus bauen, das ist das ganze Jahr über möglich. Davon erzählt die heute 80-jährige Geschichte des Fertigbaus.
So wird es auch verständlich, das heute jedes achte neue Eigenheim in Deutschland ein Fertighaus ist. Die einst revolutionäre Idee, Häuser in Fabriken vorzufertigen, hat sich also durchgesetzt. Der Bundesverband Deutscher Fertigbau (BDF) mit Sitz in Bad Honnef erinnert an den eigentlichen „Erfinder“ des Fertighauses. Es ist kein Geringerer als Leonardo Da Vinci. Das Universalgenie malte nämlich nicht nur die „Mona Lisa“, sondern entwarf um 1494 mit der „Casa Mutabile“ das erste Haus, das aus vorgefertigten Bauteilen zusammen gesetzt wurde. Im 20. Jahrhundert entdeckten geniale Köpfe das Fertighaus neu – prominentestes Beispiel war Albert Einstein, der sich mit Vorliebe in sein Holzhaus in Caputh bei Potsdam zurückzog. Eine neue Qualität gewann die Fertigbauweise dank Walter Gropius. Er gründete 1919 in Weimar das Bauhaus, die wohl berühmteste deutsche Architekturschule. Seine Philosophie war es, den Grundtyp eines Hauses mittels vorproduzierter Bauelemente zu variieren. Dieses „Baukastensystem“ machte das Fertighaus zu einem in jeder Hinsicht höchst ökonomischen Produkt, denn es sparte Material, Zeit und Geld. Hinzu blieben die Gebäude trotz industrieller Herstellung individuell und erhielten darüber hinaus eine klare architektonische Formensprache.

Moderne Interpretation eines Fertighauses im Fachwerkstil aus Holz und Glas; ein Huf-Haus. Foto: BDF
In der Zeit des Deutschen Wirtschaftswunders während der50er Jahre wandelte sich auch der Fertighausbau schneller. Denn kleine Zimmereien, die bislang Holzfertighäuser in Handarbeit bauten, entwickelten sich zu industriellen Fertighaus-Herstellern. Der in den 1960er Jahren folgende Bauboom erzeugte eine hohe Nachfrage nach kostengünstigen Häusern. So eröffnete 1963 auf Initiative des „Stern“- Herausgebers Henri Nannen die erste Hausausstellung in Quickborn bei Hamburg. Sogar Versandhändler boten Fertighäuser in ihren Katalogen an.
Die Ölkrise in den 70er Jahren zeigte, dass Fertighäuser, die überwiegend aus dem natürlichen Baustoff Holz bestehen, erstmals ihre Qualitäten als Energiesparhäuser beweisen konnten. Zugleich entwickelten sich neue Bauformen wie der Bungalow oder das moderne Fachwerkhaus mit viel sichtbarem Holz, Glas und Stahl. In den 80er Jahren waren Fertighäuser schon keine „Häuser von der Stange“ mehr. Neue Architekturtrends sorgten dafür, dass Fertighäuser immer individueller werden. Wohngesundheit und Naturnähe wurden zum wichtigen Thema, Fertighäuser wurden immer „vielgesichtiger“, bewiesen ihre Individualität, es war für jeden Geschmack etwas dabei.

Dieses Weberhaus „Oevolution“ ist eines der ersten Fertighäuser mit Solartechnik (erneuerbare Energie); Architekt: Rolf Disch. Foto: BDF
In den 1990er Jahren waren Fertighäuser nach dem Fall der Mauer besonders in Ostdeutschland gefragt: Nachholbedarf im Osten. Das eigene Heim stand hoch im Kurs. Zugleich gewannen im Zuge der Energieeinsparverordnung die so genannten 3-Liter-Häuser und Passivhäuser an Bedeutung. Der historische Überblick schließt mit der Gegenwart, in der sich namhafte Architekten mit dem Fertighaus beschäftigen und der minimalistische Bauhaus-Stil sein Comeback feiert. Öl und Gas werden teurer und machen innovative Energiesparhäuser zur ersten Wahl für immer mehr Bauherren.

Mediterrane Atmosphäre atmet dieses Haus von Kampa mit seiner warmen Terracottafarbe. Foto: BDF
Und jetzt zur Bauzeit! Bauherren wollten rasch ihr Eigenheim verwirklicht sehen. Doch grundsätzlich erstreckte sich die „normale“ Hauptbauperiode für ein Haus von März bis November, also gerade einmal über acht Monate. Was aber, wenn die Baubehörde erst im September grünes Licht gibt und die kalte Jahreszeit vor der Türe steht? Da könnte man ja eigentlich bis zum Frühjahr warten, doch dieses Warten kostet, vor allem die Miete. Mit einem Eigenheim zahlt man die „Miete“ in die eigenen vier Wände, sodass dass Haus nach einiger Zeit mietfrei ist und damit auch für das Alter die beste Altersvorsorge darstellt. Altersvorsorge, das könnte eigentlich das „Wort des Jahres“ sein. Und wer will solange auf den Luxus eines eigenen Hauses warten? Finanzierungsexperten raten deshalb, die Zeit der Zwischenfinanzierung bis zum Einzug ins Eigenheim möglichst kurz zu halten.

Ein typisches Energiesparhaus mit einer individuellen Fassade von Haas-Fertigbau. Foto: BDF
Erfahrene Bauherren wissen: Eine clevere Zeitplanung spart Geld und Nerven. Und wer sich einmal entschlossen hat, die eigenen vier Wände endlich beziehen zu können, der kann den Einzugstermin nicht abwarten.
Deshalb sollten alle Bauwilligen bei ihrer Planung den Kalender nicht aus den Augen verlieren: Bis beispielsweise ein in Massivbauweise erstelltes Einfamilienhaus schlüsselfertig ist, vergehen zwischen sechs und zehn Monaten. Wenn es unterkellert werden soll, dann muss noch ein zusätzlicher Monat hinzugerechnet werden. Dann kann der Innenausbau, der je nach Ausstattung zwei bis vier Monate in Anspruch nimmt, direkt und ohne Unterbrechung folgen.
Und was die kalte Jahreszeit angeht: Wer den Rohbau nicht vor Einbruch der Regen- und Kälteperiode abschließt, riskiert, dass der Bau durchfeuchtet und aufwendige Trocknungsverfahren erforderlich werden. Und das kostet – nämlich etwa ein Prozent der Bausumme oder auch mehr.

In frischem Weiß präsentiert sich dieses moderne Fertighaus im Bauhaus-Stil. Foto: BDF
Doch wenn man sich für ein Fertighaus entscheidet, das es heute in vielen Modellen und Variationen gibt, so werden nur vier Monate oder sogar noch weniger veranschlagt. Vorgefertigte Wandelemente macht diese Bauweise unabhängig von der Witterung, denn die Austrocknungszeit wie beim Massivbau entfällt. Sogar die Errichtung des Dachstuhls, die bisher noch einige Tage Bauzeit benötigte, kann durch Verwendung von „Sandwich-Elementen“ in wenigen Stunden abgeschlossen sein. Die Dachschichten, bestehend aus Dämmung, Sparren und Deckenverkleidung, sind in den Fertigteilen integriert und werden von Spanplatten wie bei einem Sandwich umschlossen. Am Bau werden die Module nur noch mit dem Kran aufgesetzt, was je nach Größe des Hauses in drei bis sechs Stunden passiert. Dann werden die Dachziegel gedeckt.
Harmonische Architektur und High-Tech-Bauweise zeichnen heute viele moderne Fertighäuser aus. Für den Bauherren haben sie noch den großen Vorteil, in wenigen Monaten bezugsfertig zu sein – das schont Nerven und vor allem auch den Geldbeutel. Der Traum vom Luxus eines Eigenheims ist Wirklichkeit geworden! Mit einem Fertighaus nach individueller Auswahl!

Ein lichtdurchflutetes Designer-Fertighaus vom Stardesign-Büro Pininfarina in Italien. Foto: BDF
Weitere Informationen: www.fertighauswelt.de und info@bdf-ev.de
Außerdem gibt der Bundesverband Deutscher Fertighaus e. V. (BDF) eine Broschüre mit dem Titel „80 Jahre moderner Fertigbau" zu diesem Thema heraus. Hier können Sie die Broschüre kostenlos bestellen: Flutgraben 2 in 53604 Bad Honnef



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