Der Industriekomplex Zeche Zollverein in Essen seit 2001 UNESCO-Weltkulturerbe
Die Zeche Zollverein in Essen war die größte und modernste Steinkohleförderanlage der Welt. Heute ist Zollverein ein lebendiges Welterbe, ein dynamisches Zentrum für Kunst, Kultur, und Kreativwirtschaft. Für die Kulturhauptstadt Europas 2010 wird es ein zentrales Besucherzentrum sein.

In geheimnisvollem Rot sind die alten Schornsteine der
Kokerei Zollverein während der Nacht der Industriekultur,
genannt „ExtraSchicht“, angestrahlt.
Foto: Matthias Duschner; © Stiftung Zollverein
Das heute bekannteste Industriedenkmal und Zentrum der Kreativwirtschaft im Ruhrgebiet ist Zollverein in Essen, seit 2001 UNESCO-Welterbestätte. „Diese Zeche, diese Stadt und das Ruhrgebiet führen vor, was in anderen Teilen Deutschlands und Europas noch bevorsteht“. Er brachte das auf den Punkt, was von einer einst bemerkenswerten Kohleförderung nach der Stilllegung zum lebendigen Kulturzentrum wurde. Er, das war der Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, Wolfgang Tiefensee. Seine Charakterisierung von Zollverein trifft heute genau das, wie sich diese UNESCO-Welterbestätte seit 2001 darstellt und nun Visionen mit spannendem kulturellem Leben erfüllt. Sehr treffend formuliert es auch die Stiftung Zollverein selbst: „Von der Kohleförderung zur industriellen Kulturlandschaft, vom Arbeitgeber der Region zur » Kathedrale des Fortschritts «, die UNESCO-Welterbestätte Zollverein in Essen“. Sie ist ein Ort voller Spuren aus dem Leben zahlreicher Generationen.

Dies ist eine historische Aufnahme vom Werkstor von
Zollverein Schacht XII aus dem Jahre 1932.
Foto: Anton Meinholz,
© mit freundlicher Genehmigung des Archiv Gunia.
Es ist eine Industrielandschaft, die die deutsche Geschichte nachhaltig geprägt hat, ein herausragendes Denkmal und Erbe der Menschheit wie andere Kulturleistungen. Das „schwarze Gold“ wurde 1851 auf Zollverein Schacht 1/2/8 gefördert, es war eine der ersten Tiefbauzechen, als man damals mit der Kohleförderung begann. Die Erfolgsgeschichte ging weiter mit Zollverein Schacht XII, der als die schönste und leistungsstärkste Schachtanlage der Welt galt und im Jahr 1932 seinen Betrieb aufnahm. Neue Dimensionen taten sich dann 1962 auf mit der neuen Kokerei Zollverein, als damals die größte Zentralkokerei Europas mit ihrem Betrieb begann. Eine 140-jährige Betriebsgeschichte endete dann mit der Stilllegung von Schacht XII am 23. Dezember 1986. Es war das letzte Steinkohlenbergwerk in Essen, das der einst größten Bergbaustadt Europas geblieben war.

Dies ist das bekannte Doppelbock-Fördergerüst auf
Zollverein Schacht XII.
Foto: Matthias Duschner; © Stiftung Zollverein
Doch das war nicht das Ende, es war vielmehr ein völlig neuer Beginn einer heute industriellen Kulturlandschaft, die seit der Stilllegung unter Denkmalschutz steht und ein bemerkenswertes Zeugnis der Architektur- und Technikgeschichte ist. Stück für Stück wurde Zollverein Schacht XII saniert und entwickelte sich zu einem Zentrum für Kunst und Kultur voller Überraschungen und pulsierendem Leben. Bei dieser einmaligen Musteranlage dürfen die Namen der vom Bauhaus inspirierten Architekten Fritz Schupp und Martin Kremmer nicht vergessen werden, die diesen Industriekomplex nach Prinzipien der Symmetrie und Geometrie im Stil der Neuen Sachlichkeit durchgestalteten. Heute bilden Zeche und Kokerei gemeinsam eine einzigartige Industrielandschaft von internationalem Rang und sind gleichzeitig einlebendiger Kulturstandort. Auf der „schönsten Zeche der Welt“ kann man die Moderne der 1920er und 1930er Jahre und die Entwicklung der Schwerindustrie nachvollziehen. Und die Arbeit ging und geht weiter, denn seit 1990 wurden zwei Drittel der Zechenanlage saniert und für eine neue Nutzung präsentiert. Die meisten der kubischen Baukörper wurden langfristig vermietet. Im umgestalteten Kesselhaus zeigt zum Beispiel das Design Zentrum Nordrhein-Westfalen seit 1997 eine ständige Internationale Designausstellung mit attraktiven Wechselausstellungen und internationalen Messen, wie es der englische Star-Architekt Sir Norman Forster einst geplant und verwirklicht hat.
Kongresse finden hier statt, Konzerte, Messen, Ausstellungen, Theater- und Tanzveranstaltungen, und viele kleine Firmen und Künstlerateliers haben hier ihre Adresse und Anlaufstelle. Kunstprojekte mit zeitgenössischer Kunst und Kritik, eine Dauerinstallation „Palast der Projekte“ der Künstler Ilya und Emilia Kabakov können ganzjährig besichtigt werden.

Ein unvergesslicher Kulturabend war die Aufführung des
Stummfilmklassikers „Panzerkreuzer Potemkin“ mit
Orchesterbegleitung.
Foto: Matthias Duschner; © Stiftung Zollverein
Mit seinem Casino hat Zollverein auch an die Gaumenfreuden der Besucher gedacht mit einer exzellenten und auch regionalbetonten Küche. Und wer es noch nicht wusste: Auf der Kokerei Zollverein macht die längste Eisbahn der Welt von sich reden, und im Sommer kann sich das „Werksschwimmbad“ vor Besuchern kaum retten.
Und noch eine Besonderheit hat diese UNESCO-Welterbestätte Zollverein zu bieten: Im Jahre 2007 wurde das Projekt „Das UNESCO-Welterbe Zollverein im Museumskoffer“ vom Bundesministerium für Forschung und Bildung preisgekrönt. Da haben sich Kunststudierende der Universität Paderborn unter der Leitung von Prof. Dr. Jutta Ströter - Bender etwas Besonderes einfallen lassen: In mehreren Museumskoffern wurden in Kooperation mit der Stiftung Zollverein „Museen im Kleinen“ geschaffen. Darin enthalten sind gesammelte und selbstgestaltete Objekte zur Darstellung der Zeche in die und Kokerei. Da gibt es beispielsweise Biografien von Einwanderern, die hier in der damaligen Zeche gearbeitet haben, Informationen über die Streikkultur der Arbeiter, ihre Werkzeuge für die Arbeit unter Tage und Fundstücke aus dem Alltagsleben in den Arbeitersiedlungen. So kann der Besucher weit zurückschauen Geschichte dieses lebendigen Welterbes.

Spannend und geheimnisvoll sind die Vollmondführungen
über Zeche und Kokerei Zollverein.
Foto: Matthias Duschner; © Stiftung Zollverein
Waren die „Zollvereiner“ damals über die Stilllegung im Jahre 1986 überrascht und bedrückt, so wandern sie heute stolz über „ihre“ Industrieanlage, die mit einem Neuanfang und durch eine Umnutzung erhalten wurde und als Zentrum der Kreativwirtschaft gilt: Ehemals Zeche und Kokerei – heute einzige Welterbestätte im Ruhrgebiet. 165 Millionen Euro Investitionen der Stadt Essen, des Landes Nordrhein-Westfalen und der Europäischen Union machten dies möglich. Die Infrastruktur kann sich heute mit ihrer heimischen Wirtschaft und den Arbeitsplätzen sehen lassen. Auf der „schönsten Zeche des Ruhrpotts“ wird die Vergangenheit wieder wach, eine im Originalzustand belassene Übertageanlage beherbergt den „Denkmalpfad Zollverein“. Der Besucher verfolgt hier unter sachkundiger Führung gespannt den Weg, den einst das „schwarze Gold“ nahm. Modelle, Filme und museumstechnische Installationen veranschaulichen die Aufbereitung der Kohle – und die authentischen Geräusche fehlen natürlich auch nicht dabei.

Unvergesslich bleibt dieser Panoramablick über die
industrielle Kulturlandschaft der Kokerei Zollverein.
Foto: Matthias Duschner © Stiftung Zollverein
So wird Altes bewahrt statt abgerissen, so wird der Erlebnisraum von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft durch eine geschickte Industriedenkmalpflege hier in Nordrhein-Westfalen sinnvoll mit neuem Leben in denkmalgeschützten Gebäuden gefüllt. Dies dürfte beispielhaft sein auch für andere zukünftige Kreativzentren mit „Geschichte zum Anfassen“: ein nachahmenswerter Umgang mit dem Erbe - der UNESCO-Welterbestätte Zeche und Kokerei Zollverein in Essen.

Überaus beliebt bei den Besuchern sind im Winter die große
Eisbahn auf der Kokerei Zollverein und im Sommer das
Werksschwimmbad.
Foto: Matthias Duschner; © Stiftung Zollverein
www.zollverein.de
E-Mail: info@zollverein.de
Telefon: 0201 2 4 6 8 10
Adresse: Gelsenkirchener Straße 181, 45309 Essen
www.essen.de/Portalaktuell.asp
www.route-industriekultur.de
www.zollverein-touristik.de
www.essen-tourismus.de
www.industriedenkmal-stiftung.de
www.unesco-welterbe.de
www.unesco.org
www.deutschland-tourismus.de
Beitragsdatum: 29. Oktober 2008
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