Wartburg 1998 in Welterbeliste aufgenommen
Die Wartburg wurde 1998 als erste deutsche Burg in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen. Sie zählt zu den besterhaltenen Burgen des deutschen Mittelalters und ist ein 900 Jahre altes Geschichtsbuch
Schon von Ferne ist die jetzt 900 Jahre alte Wartburg
hoch auf einem Felsen weithin zu sehen.
© Foto: Wartburg-Stiftung
Das Erbekomitee der UNESCO brachte es auf den Punkt: „Die Wartburg ist ein hervorragendes Denkmal der feudalen Epoche in Mitteleuropa. Sie fügt sich vorzüglich ein in ihre waldreiche Umgebung und ist in vieler Hinsicht »die ideale Burg». Gleichwohl originale Bereiche aus der Epoche des Mittelalters bewahrt wurden, verdankt sie Silhouette und Äußeres im Wesentlichen der Wiederherstellung im 19. Jahrhundert, wodurch die Höhepunkte ihrer militärischen und lehensherrschaftlichen Macht in glänzender Weise demonstriert wurden.“
Die weithin sichtbare, aus dem reichen Waldgebiet herausragende Burg, verspricht und hält viel, denn hier wird Geschichte wach und eine Fülle von Erinnerungen über einen weiten Zeitbogen von 900 Jahren. Strategisch wurde sie auf einem wichtigen hohen Felsen gebaut, was den Namen erklärbar macht und als „Warte“ verstanden werden kann: also daher Wachtburg. Eine Legende erzählt die Gründung der Burg im Jahre 1067 von Graf Ludwig dem Springer, und mit ihm begann eine beispielhafte Entwicklung des Geschlechts der „Ludowinger“ über 200 Jahre, welches zu den einflussreichsten im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation gehörte. Eine erste Erwähnung findet sich im Jahre 1080, denn Bruno, der Bischof von Merseburg, erwähnt in seinem Buch vom Sachsenkrieg „De bello Saxonico“ das Heerlager König Heinrich IV. am Fuße „einer Burg Namens Wartburg“.
Wer durch dieses Tor die Wartburg betritt, erlebt eine
Fülle von Geschichte über einen weiten Zeitbogen mit
vielen Überraschungen. Foto: ©Wartburg-Stiftung
In Verlaufe des folgenden Jahrhunderts übertrug der Kaiser dem Thüringer Grafengeschlecht die Landgrafenwürde, um 1155 wird der Baubeginn des Hauptgebäudes datiert. Bis heute ist er einzigartig, dieser Palas, und gilt auch bis heute als eine der besterhaltenen Profanbauten nördlich der Alpen.
Legende oder nicht Legende, jedenfalls wird 1206 vom Sängerkrieg auf der Wartburg berichtet, einem Musenhof in einer Zeit der höfisch-ritterlichen Dichtkunst, deren Mäzen der Thüringer Herrscher Hermann I. als großer Förderer für Dichter wie Wolfram von Eschenbach und Walther von der Vogelweide gewesen sein soll. Mit großem Interesse liest sich die mittelalterliche Geschichte der Burgherren, Beispiele der Entwicklung von einem Ministerialengeschlecht hin zum deutschen Königtum. Die höfische Kultur fand hier ihren Höhepunkt mit bekannten Dichtern und Minnesängern wie jener bis heute bekannte Walther von der Vogelweide, Wolfram von Eschenbach, Albrecht von Halberstadt, Heinrich von Morungen und Herbort von Fritzlar.
Bis heute bekannt ist die heilige Elisabeth, jene einst ungarische Prinzessin, die 1221 die Ehefrau des Landgrafen Ludwig IV. wird. Was ihrem Ehemann und vielen anderen nicht gefiel, war ihr frommes und asketisches Leben nach den Idealen des Franz von Assisi: Großen Ärger brachte ihr ein, dass sie den armen und kranken Menschen in der Umgebung selbstlos und persönlich half. Von 1211 bis 1228 lebte die heilig gesprochene Elisabeth von Thüringen als Braut und Gemahlin Ludwig IV. mehr als zwei Drittel ihres Lebens auf der Wartburg und am Thüringer Hofe.

In diesen Räumlichkeiten hat die hl. Elisabeth gelebt,
in der sogenannten Elisabeth-Kemenate.
©Foto: Wartung-Stiftung
In der Elisabeth-Kemenate der Wartburg ist ein Glasmosaik (1902-1906) mit der Lebensgeschichte Elisabeths zu bewundern. Aus dem Jahre 1480 ist ein Wandbehang erhalten mit Szenen aus dem Leben der Heiligen. Schon vier Jahre nach ihrem Tod im Jahre 1231 wurde sie von Papst Gregor IX. heilig gesprochen, und ihr Name ist nach wie vor in aller Munde. Zum 800. Geburtstag im Jahr 2007 gedachte man der bis in unsere Tage verehrten Heiligen mit der 3. Thüringer Landesausstellung: „Elisabeth von Thüringen – eine europäische Heilige“ auf der Wartburg.
Dieser Wandbehang aus dem Jahre 1480 zeigt Szenen aus
dem Leben der hl. Elisabeth. © Foto: Wartburg-Stiftung
Eine weitere herausragende historische Persönlichkeit ist Martin Luther (1483-1546). Vom Kaiser geächtet und vom Papst mit dem Kirchenbann belegt, verbarg er sich in der Vogtei der Wartburg von Mai 1521 bis März 1522. Er ließ die Zeit nicht ungenutzt und übersetzte in nur zehn Wochen die griechische Urfassung des Neuen Testaments ins Deutsche. Der karge Raum, die Lutherstube, ist bis heute erhalten.

Dieses Bild zeigt die sogenannte Lutherbibel in der Übersetzung
Martin Luthers, gedruckt bei Hans Lufft, Wittenberg 1541 mit
handschriftlichen Bemerkungen und Eintragungen von Luther
selbst und einiger seiner Mitstreiter. © Foto: Wartburg-Stiftung.
Und noch ein unvergessener Künstler, der Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe besuchte häufig die Wartburg. 1819 wertete er die Bedeutung der lutherischen Bibelübersetzung mit den Worten: „Und so sind denn die Deutschen ein Volk erst durch Luthern geworden“. Goethe war vor allem von der Natur begeistert und zeichnete sie, wie auch Gebäudeteile der Wartburg selbst, welche es heute leider nicht mehr gibt.
Es war damals die Zeit der Romantiker, die das Mittelalter und die Symbolhaftigkeit des Ortes in der Literatur und der Kunst widerspiegelten und dabei die beginnende Nationalbewegung hervorhoben. Dies war zugleich eine Metapher für einstige politische und kulturelle Größe der Deutschen, ein Ort der Erinnerung für deutsche Integration und Einheit. So fand auf dieser Burg das berühmt gewordene Wartburgfest der studentischen Burschenschaften im Oktober 1817 statt.
Die Wartburg fand plötzlich wieder viel Aufmerksamkeit, lange verschwundene Teile wie der Bergfried, die Dirnitz und das Gadem wurden auf den alten Fundamenten neu errichtet. Aufwendig restauriert wurde der romanische Palas, der als ganz besonderes Bauwerk erkannt worden war. Die Innenausstattung des Palas, ein nach 1155 entstandener Saalbau mit 170 Säulen und meisterhaften Kapitellen, gehört heute zu den besterhaltenen romanischen Profanbauten nördlich der Alpen.
Ein Rundgang durch die Wartburg beginnt im Rittersaal, einst vermutlich nur eine Männerdomäne – ein mittelalterliches Raumerlebnis. Von hier geht es vorbei an einer steinernen tonnengewölbten Innentreppe, die in den Sängersaal im ersten Obergeschoß führt, in den Speisesaal und die Elisabethkemenate im Erdgeschoß. Die Wiederherstellung dieses Thüringer Stammschlosses, der Wartburg, ist jenem kunstsinnigen Erbherzog Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach zu verdanken. Der Giessener Architekturprofessor Hugo von Ritgen machte diese umfangreiche Arbeit zu seinem Lebenswerk. Da ist ein bemerkenswerter Freskenzyklus von Moritz von Schwind im ersten Palas-Obergeschoss zu bewundern wie auch die überaus gelungene künstlerische Ausstattung des Festsaales – als heute geltendes Musterbeispiel historistischer Kunstauffassung. Die romantische Bild-Erzählung in der Elisabethgalerie über das Leben der heiligen Elisabeth wird als eine seiner besten Kunstwerke bewertet.

Der prachtvolle Festsaal im Palas der Wartburg gilt als
Paradebeispiel historischer Kunstauffassung.
©Wartburg-Stuiftung
Dank gilt bis heute der Wartburg-Stiftung, die nach der Abdankung der deutschen Fürsten und der Ausrufung der Republik im Jahre 1918 gegründet wurde (1922) und sich seitdem um die Erhaltung der Burg bemüht und es bis heute tut. Denn bis auf die Ausstattung der Lutherstube, die schon im ausgehenden 16. Jahrhundert von vielen Pilgern besucht wurde, gab es weder eine Ahnengalerie noch Teppiche oder Mobiliar aus früheren Zeiten.
In Erinnerung an Goethes musealen Gedanken legten die Großfürstin Maria Pawlowna und ihr Sohn Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach den Grundstock für eine europäisch geprägte Kunstkammer, deren Sammlungsschwerpunkte sich bis heute an den wichtigsten historischen und architekturgeschichtlichen Epochen der Wartburg orientieren: Hoch- und Spätmittelalter, frühere Neuzeit und Kunst des 19. Jahrhunderts.
Von der Wartburg-Stiftung konnte dann die Sammlung um Tafelbilder aus der Cranach-Werkstatt ergänzt werden. Hinzu kamen ein Exemplar der zweiten Auflage der Luther-Bibel aus dem Besitz des Reformators, Gemälde, Plastiken, Münzen und weitere kunsthandwerkliche Gebrauchsgegenstände, sodass heute etwa 9000 Objekte hier verwahrt und bewundert werden können.
Und dann die umfangreichen Bau- und Umbaumaßnahmen in den 50er Jahren innerhalb der Burg, wobei ein romanisierender Teil-Rückbau des Palas gelang.
Eine flache Holzdecke mit mächtigen Eichenbalken charakterisiert den Speisesaal. Im Süden dann die Elisabethkemenate, die später als Silberkammer diente und in der dann im 18. Jahrhundert die Akten der Eisenacher Kanzlei aufbewahrt wurden. Eine gedrungene Mittelsäule trägt die Last der vier Kreuzgewölbe. Das Kapitell der Säule ist ein hervorragendes Beispiel der mittelalterlichen Steinmetzkunst. In der Wartburg mischen sich die Baustile von der Romanik mit byzantinisierenden und gotischen Elementen.
Weitere Kostbarkeiten sind die Erdgeschoßarkade und die Palaskapelle, die erst um 1320 in das Landgrafenhaus eingefügt worden war. Ein einst separates kleines Gotteshaus mit Apsis muss sich auf der anderen Seite des Hofes befunden haben, wurde aber Opfer eines Brandes im 14. Jahrhundert.

Der Rittersaal im Palas der Wartburg entführt den Besucher
ins Mittelalter. © Foto: Wartburg-Stiftung
So ist die Wartburg in ihrem Bau und mit ihren Kunstwerken ein 900-jähriges Geschichtsbuch: die höfische Kunst des Mittelalters, das Leben und Wirken der heiligen Elisabeth, Martin Luthers Übersetzung des Neuen Testaments und viele Kunstschätze im Innern der Burg wie mittelalterliche Bildteppiche, ein „Dürerschrank“, Gemälde von Lucas Cranach d. Ä., eine wohl einmalige Bestecksammlung und europäisches Kunsthandwerk des 11. bis 19. Jahrhunderts. In einer traumhaften Landschaft gelegen ist die Wartburg zu Recht in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen worden, eine Burganlage mit spannenden Geschichten: ein Besuchermagnet in Thüringen.
www.wartburg.de
www.eisenach.de
www.unesco-welterbe.de
www.unesco.de
www.unesco.org
www.deutschland-tourismus.de
Beitragsdatum: 25. Oktober 2008
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