Der obergermanisch-rätische Limes ist UNESCO-Weltkulturerbe seit 2005
Auf den Spuren der Römer entlang des obergermanisch-rätischen Limes: Der antike Grenzwall ist eines der bemerkenswertesten archäologischen Bodendenkmale in Mitteleuropa und Zeugnis der römischen Epoche und Kultur vor rund 2000 Jahren. Eine spannende Geschichtsreise auf insgesamt 550 Kilometern - das größte archäologische Denkmal Deutschlands gehört seit 2005 zum UNESCO-Welterbe. Gäbe es ohne die legendäre Varusschlacht keinen Limes - oder doch? Historiker diskutieren.
Reiterbaracke beim Limesmuseum Aalen. Zentrales Thema:
Der Limes und das Leben der Soldaten und Zivilisten zur
Römerzeit.© Stadtverwaltung Aalen
"Als die Römer frech geworden zogen sie nach Deutschlands Norden…", so schrieb Victor von Scheffel 1847 in seinem Freiheitslied in der Erinnerung an den Sieg über die Römer. Richtig, es geht um die Varusschlacht, die im nächsten Jahr (2009) vor 2000 Jahren stattgefunden hat. Wo genau, da gibt es schon lange und immer wieder neue Rätsel und viele Theorien. Sichtbares Zeichen ist die Anlage einer festen rechtsrheinischen Grenze, der obergermanisch-rätische Limes, der ganz klar römische Spuren aufweist. Da gibt es auf der Strecke zwischen dem Anfangspunkt in Bad Hönningen/Rheinbrohl am Rhein und weiter auf der 550 Kilometer langen Strecke bis Regensburg an der Donau mehr oder weniger gut erhaltene Reste von Wachttürmen, Kastellen, Mauern, Palisaden, die Reste von römischen Niederlassungen, bemerkenswert gut gelungene Römer- und Limesmuseen ( RömerWelten), die das Alltagsleben der Römer gut nachvollziehbar darstellen und die die sorgfältig gepflegten "archäologischen" Funde aus der Römerzeit präsentieren. Es gibt Wanderwege und Radfahrwege entlang des Limes, da übertrifft sich ein "Römerort" nach dem anderen mit Freizeittipps entlang des Welterbes Limes, um die Zeit der Römer wieder auferstehen zu lassen.
So hat wohl ein stolzer Römer ausgesehen, im
Limesmuseum Aalen ist er zu bewundern.
© Stadterwaltung Aalen
Im Lateinischen bedeutet der Begriff Limes "Grenzweg" oder "Schneise". Der hier gemeinte obergermanisch-rätische Limes hat seinen Namen von den ehemals angrenzenden römischen Provinzen Raetia (Rätien) und Germania Superior (Obergermanien). UNESCO-Welterbestätte wurde der Limes, der sich fast schnurgerade durch vier Bundesländer zieht, weil er das längste archäologische Bodendenkmal Europas ist. "Teufelsmauer" hieß er früher bei unseren Vorfahren, bis sich eine Reichslimeskommission 1892 an die Arbeit machte, um dieses "Werk des Teufels" einmal genauer zu untersuchen. Und da fand man dann nach und nach Reste aus Römerzeiten, man fand ein Bodendenkmal, das sich auf weiten Strecken schnurgerade durch Wald und Feld pflügt und dabei entlang dieser Route immer wieder neue Informationen aus einer fast 2000-jährigen Geschichte freigab. Höhepunkt Nummer eins ist nachweislich der Anfang in Bad Hönningen-Rheinbrohl, wo es noch einen "fast" echten Wachtturm gibt, wo es auch ein römisches Kastell gab, was aber leider nicht als historische Kostbarkeit erkannt wurde und unter eine Kläranlage verschwand, was heute sehr bedauert wird. Nun gibt es in Rheinbrohl ein Erlebnismuseum "RömerWelt", ein Museum, das in die Zeit von einst zurückeilt und den Besucher an dem Bau dieses ersten - heute nachgebauten - Limesturms Nr. 1 teilnehmen lässt - Römer in ihrer Legionärsuniform, Römer in ihrem Alltag, eine Ausstellung zum Anfassen und Ausprobieren.
Der Limesturm Nr. 1 (der Kopf des Limes) steht bei
Bad Hönningen/Rheinbrohl gegenüber von Sinzig
© Ortsgemeinde Rheinbrohl
Das Motto für den Besucher heißt "Grenzgänger", hier werden auf rund 200 Quadratmetern Ausstellungsfläche unterschiedliche Themenbereiche erklärt: das Leben der Römer am Limes, Handel und Tausch zwischen Römern und Germanen und natürlich der Limes als Konfliktzone, denn schließlich war er ja eine Grenze zwischen dem Römischen Reich und Germanien. Dennoch war er nicht primär eine militärische Demarkationslinie, sondern eher eine überwachte Wirtschaftsgrenze zum nichtrömischen Raum. Viele Grenzübergänge sind der Beweis für einen regen wirtschaftlichen Austausch. Und so manche römische Legionäre siedelten sich jenseits des Limes an, was zu einer Romanisierung der Bevölkerung über den Limes hinaus führte. So profitierten die Germanen von dem römischen Staats-, Wirtschafts- und Kulturleben und fanden aus ihrer bis dato "geschichtsarmen" Bedeutung heraus. So geht Professor Michael Freud, Professor für Wissenschaft und Geschichte der Politik, in seinem Buch "Deutsche Geschichte" soweit zu erklären: "Die großen weltgeschichtlichen Überlagerungen Roms durch die Germanen einerseits und der germanischen Welt durch Rom andererseits stehen so am Anfang der deutschen Geschichte". Er schreibt weiter, "dass die Schlacht im Teutoburger Wald so wenig mit deutscher Geschichte zu tun hat wie das Denkmal zu ihrer Ehre mit Wahrheit und Kunst", jenem Denkmal aus der Zeit der Romantik "Hermann der Cherusker". Ihm, der in Rom erzogen und ausgebildet worden war und römisches Denken kannte, war es gelungen, durch einen Hinterhalt im Jahre 9. n. Chr. die Varusschlacht zu gewinnen, eine geschichtsträchtige Schlacht mit verheerendem Ausgang für die Römer. Ob diese Schlacht nun im Osnabrücker Land (Kalkries) stattfand oder anderswo, darüber streiten sich zurzeit - und eigentlich schon lange - die Historiker. Auf das Ergebnis darf man gespannt sein. Dennoch markiert diese Varusschlacht, die vier Tage und drei Nächte dauerte, einen Wendepunkt in der europäischen, römischen wie auch in der germanischen Geschichte und ist eigentlich der Beginn des Limes, der viel später gebaut wurde, über einen langen Zeitraum hinweg. Wegen der Varusschlacht?
Das Limesmuseum in Aalen verspricht eine Zeitreise von
2000 Jahren mit zahlreichen archäologischen Funden und
vielen Erklärungen und Anschauungsmaterial über die Zeit
des Limesbaus. © Stadtverwaltung Aalen
Der römische Statthalter Varus sollte die Ausdehnung der Reichsgrenzen östlich des Rheins und nördlich der Alpen oder der Donau mit Kämpfen erzwingen, um hier römische Verwaltung aufzubauen und Steuern zu erheben. Also auch damals ging es schon um das leidige Thema Steuern und Geld. Sein Gegenspieler war Arminius, ein Fürst der Cherusker, der als Kind oder in seiner Jugend als Geisel nach Rom gekommen und hier zum römischen Offizier ausgebildet worden war. Seine guten Kenntnisse des römischen Militärwesens und seine List machten es möglich, dem römischen Heer eine der empfindlichsten Niederlagen seiner Geschichte beizubringen. Eine Katastrophe, die auch Plinius der Ältere in seinem Werk Naturalis Historia beschrieb. Die Schlacht fand statt, als sich Varus und seine Legionen auf dem Rückweg ins Winterhauptquartier befanden, vermutlich entlang der Militärstraße zurück nach Castra Vetera, einem Lager nahe dem heutigen Xanten. Die Nachricht eines kleinen, regionalen Aufstandes zwang die Römer zu einem Umweg durch unwegsames Gelände und sie gerieten dabei in einen von Arminius sorgfältig geplanten Hinterhalt.
Der römische Historiker Cassius Dio Cocceianus schrieb einen interessanten Bericht über die Schlacht, in dem es heißt: "Denn das Gebirge war voller Schluchten und Unebenheiten, und die Bäume standen so dicht und waren so übergroß, dass die Römer auch schon ehe die Feinde über sie herfielen, sich, wo nötig, abmühten, die Bäume zu fällen, Wege zu bahnen und Dämme zu bauen. Und wenn dazu noch Regen und Sturm kam, zerstreuten sie sich noch weiter. Der Boden aber, schlüpfrig geworden um die Wurzeln und Baumstümpfe, machte sie ganz unsicher beim Gehen, und die Kronen der Bäume, abgebrochen und herabgestürzt, brachten sie in Verwirrung…umstellen sie die Germanen plötzlich von überall her gleichzeitig durch das Dickicht hindurch, da sie ja die Pfade kannten, und zwar schossen sie zuerst von fern, dann aber, als sich keiner wehrte, doch viele verwundet wurden, gingen sie auf sie los…so war es unmöglich, in irgendeiner Ordnung zu marschieren…daher schlossen sie die Römer mühelos ein und machten sie nieder, sodass Varus und die Angesehendsten aus Furcht, gefangen genommen oder getötet zu werden - denn verwundet waren sie schon - sich zu einer furchtbaren, aber notwendigen Tat entschlossen: Sie töteten sich selbst. Als dies bekannt wurde, wehrte sich auch keiner mehr, auch wenn er noch so kräftig war, sondern die einen taten es ihrem Anführer nach, die anderen warfen die Waffen weg und überließen sich dem, der sie töten wollte. Denn fliehen konnte keiner, wenn er es auch noch so gerne wollte."

Bildtext: An den Römertagen in Aalen werden die alten,
römischen Zeiten wieder wach, so könnte eine römische
Reiterei ausgesehen haben. © Stadtverwaltung Aalen
Arminius war sich bewusst, dass er die römischen Legionen nicht in einem offenen Kampf hätte besiegen können. So kamen ihm der Sumpf, der für die Römer unbekannte Weg durch Wälder und der dichte Regen in einem unwegsamen Gelände "zu Hilfe", sodass die Germanen in dichten Haufen die Flanken der Kolonne angreifen konnten und die einzelnen Gruppenteile voneinander trennten. So wurden drei Legionen und weitere Hilfstruppen fast vollständig vernichtet. Der Kopf des Varus wurde abgetrennt und an Arminius' Rivalen Marbod gesandt, dieser schickte ihn an die Familie des Varus nach Rom weiter. In der Geschichte wird dann auch immer der berühmt gewordene Ausruf des verzweifelten damaligen römischen Kaisers Augustus erwähnt: "Quinctilius Varus, gib mir die Legionen zurück". Das war im Jahre 9. n. Chr.
Der römische Historiker Tacitus beschrieb noch das Schlachtfeld im Jahre 15. n. Chr. von Germanicus vorgefunden, ein Schlachtfeld von halbeingestürzten Wällen, niedrigen Gräben, bleichenden Knochen , zerbrochenen Waffen und Pferdegerippen, Schädel, die an Baumstämmen festgenagelt waren und in der Nähe die Altäre der Barbaren, "an denen sie die Tribunen und Zenturionen ersten Ranges geschlachtet hatten."
Zwar kam es nach dieser Schlacht noch zu weiteren Grenzstreitigkeiten, doch Kaiser Tiberius beendete 16. n. Chr. die Feldzüge, denn den Römern war der Aufwand an Menschen und Material zu hoch. Der Ausgang der Varusschlacht war der Grund dafür, dass Germanien weitgehend außerhalb des römischen Machtbereiches blieb und eine andere Entwicklung erfuhr wie beispielsweise das keltische Gallien.
Das Weißenburg Kastell, das Castrum Birciana, ist ein
gutes Beispiel für die Kastellbauten der Römer in jener
Zeit mit Römermuseum und römischen Thermen sowie
dem "Bayerischen Limes Informationszentrum Weißenburg".
© Stadt Weißenburg i. Bay.
Wie oben schon erwähnt, wird die Schlacht bei Kalkriese angesiedelt. Doch schriftliche Zeugnisse über die genaue Lokalisierung gibt es nicht. Über 700 Theorien rätseln über das Wo, und da der Geschichtsschreiber Tacitus vom saltus Teutoburgiensis geschrieben hatte, ist der Begriff "Schlacht im Teutoburger Wald" entstanden. Doch der heute als Teutoburger Wald bekannte Höhenzug trägt diesen Namen erst seit dem frühen 19. Jahrhundert, der Gebirgskamm hieß damals noch Osning. Also ist das Hermannsdenkmal bei Detmold möglicherweise auch nur ein unzureichender Lokalisierungsversuch. Auch wenn der Teutoburger Wald heute so heißt, muss er mit der Ortsangabe des Tacitus nicht unmittelbar zu tun haben. So haben Historiker, Archäologen, Heimatforscher und historisch Interessierte seit dem 16. Jahrhundert mindestens 700 Theorien zum Ort der Varusschlacht entwickelt, und die Suche geht noch bis heute weiter.
Zur Römerzeit war die Saalburg ein Kastell, in dem 500
bis 600 Mann, Fußsoldaten und Reiter stationiert waren.
Hier ist das Haupttor mit Wehrmauer. Mitte des 19.
Jahrhunderts wurden nach archäologischen Funden auf
Initiative von Kaiser Wilhelm II. in den Jahren 1897-1907
das Freilichtmuseum und das Forschungsinstitut gebaut.
2003 wurden weitere Gebäude rekonstruiert und der
Archäologische Park ausgebaut. © Saalburgmuseum
Nach der für die Römer verheerenden Varusschlacht und den ewigen Zänkereien da und dort mit den Germanen, ging es den Nachfolgern des Kaisers Augustus darum, eine sichere Grenze zu ziehen, nämlich ein lückenloses Bollwerk zu bauen zwischen Rhein und Donau, eine über 500 Kilometer lange Schutzwehr. So wurde in den folgenden Jahrzehnten ab 100 bis 260 n. Chr. der obergermanisch-rätische Limes geschaffen, der mit seinem Caput Limitis (Kopf des Limes), dem Turm Nr. 1 - wie schon oben beschrieben -, seinen nachweislichen Beginn in Bad Hönningen/Rheinbrohl hat. Heute weiß man von etwa 900 Wachttürmen, die sich immer in Sichtweite befanden, dann kamen Wälle und Palisaden hinzu auf gut 550 Kilometern bis nach Bayern, ein militärisches Frühwarnsystem mit Hilfe von Licht- und Hornsignalen, eine Zollgrenze mit Grenzübergängen als "Marktplätze" für den Außenhandel. Eine eigentlich phantastische, architektonische Meisterleistung, die im Laufe der folgenden Jahrhunderte teilweise verfiel, sich aber heute wieder größter Aufmerksamkeit erfreut und dies besonders, seitdem am 5. Juli 2006 in Aalen mit einem Festakt die Urkunde überreicht wurde, dass der Limes in das UNESCO-Welterbe aufgenommen ist.
Auch dieses Römermuseum Osterburken ist ein Besuch wert.
Es ist ein Zweigmuseum des Archäologischen Landesmuseums
Baden-Württemberg. © Römermuseum Osterburken
Historisch Interessierte entdecken entlang des Limes im Original erhaltene römische Relikte, dann Rekonstruktionen, Ausgrabungen und Nachbauten. Höhepunkte sind die Saalburg bei Bad Homburg, ein vollständig wieder aufgebautes Kastell, dann das Römerlager in Osterburken, das Limesmuseum in Aalen mit Limesinformationszentrum Baden-Württemberg, das sich auf dem Gelände des ehemals größten römischen Reiterkastells nördlich der Alpen befindet, Kastell, römische Thermen und Römermuseum mit Limesinformationszentrum in Weißenburg. Über 93 Kommunen, Landkreise und Touristikgemeinschaften haben sich im Verein Deutsche Limes-Straße zusammengeschlossen, um das römische Erbe zu pflegen, ein wahres Paradies für Geschichtsforscher und Hobbyarchäologen wie auch für Naturfreunde, die zauberhafte Landschaften durchqueren. Es beginnt mit dem Naturpark Rhein-Westerwald, dann folgen das Lahntal, das Nassauer Land, der Rhein-Taunus-Kreis, der Naturpark Hochtaunus, die Wetterau, das Maintal, der Odenwald, der Schwäbisch-Fränkische Wald, die Schwäbische Alb, das Fränkische Seenland, der Naturpark Altmühltal bis hin zur Donau - eine Limes-Reise, die weit in die Geschichte zurückreicht.
www.limesstrasse.de
www.roemer-welt.de
www.limesmuseum.de
www.saalburgmuseum.de
www.weissenburg.de
www.roemerpark-ruffenhofen.de
www.unesco-welterbe.de
www.unesco.de
www.unesco.org
Anzeige
Beitragsdatum: 18. Oktober 2008
Ähnliche Artikel
- PWS protective-water-solutions in Treffelstein
- Radlager-Bonn in Bonn
- Ristorante - Pizzeria La Vita ( Steinofenpizza ) in Bonn
- bikePARK Riesen Gebraucht Fahrrad Markt Berlin in Berlin
- Ausstellung: „Fundgeschichten. Archäologie in Nordrhein-Westfalen“
- Kommunikation & Konzept in Hanstedt
- Loveparade 2010 in Duisburg: Massenpanik & Tote
- Schafskälte in Deutschland: Fußball-WM Wochenende wird kalt
- Der Gründungskredit wird von der Bank in der Finanzkrise verwehrt
- Schlösser in Bayern - Die Sommersaison hat begonnen
- Rechtsanwälte Kotz in Kreuztal
- FC Bayern Rückkehr - Empfang & Party auf dem Marienplatz
- Kassenschlager: Piper-Heidsieck-Stiletto von Christian Louboutin
- Haarverlängerung - Wieder im Trend
- Kosmetik selber machen: Natürlich schön durch selbstgemachte Kosmetika
- Paukenschlag: Bundespräsident Horst Köhler tritt zurück
- Ausflugstipp für Pfingsten - Gartenfestival auf Schloss Ippenburg
- Muttertag vergessen? Last-Minute-Tipp: Einmal ganz anders feiern!
- IRONMAN in Regensburg
- 4. Jungweinprobe auf Schloss Bensberg



