Geboren wurde Xu Jinglei als Arbeiterkind vor 34 Jahren in Peking, bestand mit 19 die Aufnahmeprüfung an der Filmakademie und bereits 1997 hatte sie mit „Spicy Love Soup“ ihren ersten Kinoerfolg. Sie zählt heute in China zu den bekanntesten und erfolgreichsten Schauspielerinnen und bekommt auch weltweit immer mehr Anerkennung.
2005 – also keine 10 Jahre später - eröffnete sie ihren ersten Blog. Seitdem wurden ihre Seiten fast 200 Millionen mal angeklickt und sind zum Inbegriff chinesischer Alltagsnews-Informationsquelle geworden.
Nun muss man wissen, dass das Bloggen in vielen Gesellschaftskreisen in unseren Breiten immer noch nicht so richtig erkannt und wahrgenommen wird, vielleicht weil der Begriff deutschen Ohren so wenig über das aussagt, was sich dahinter verbirgt. Denn nicht einmal im dicken Ponds findet sich eine Übersetzung, heißt also, das Wort ist genauso neu wie das was sich dahinter verbirgt. Google und Wikipedia scheinen mir am ehesten geeignet, sich aufklären zu lassen – wem aber die Idee vom Tagebuch noch im Sinn ist, der kann auch ohne große Recherche ahnen, was die Blogger in aller Welt machen, wenn sie bloggen.
Sie schreiben - wie früher in ihr Tagebuch, so jetzt in ihren Laptop oder PC - Geschichten aus dem Leben, oft mit dem Schwerpunkt „selbsterlebt“. Sie dürfen sogar ausdrücklich ihre subjektive Sicht und Meinung in den Vordergrund stellen, was natürlich nicht heißen soll, dass das Geschriebene falsch sein darf – aber was falsch und was richtig, gut oder böse ist, das entscheiden letztendlich die Leser, - die Fans der Bloggerinnen und Blogger - durch ihr Interesse am Geschriebenen. Erinnert einen stark an den Spruch: „Schön ist nicht schön, gefallen macht schön!“
So geht das also zu in der Bloggerwelt und Xu Jinglei hat eine Art der Darstellung ihrer ganz persönlichen Erfahrungen entwickelt, die in ihrem eigenen Land riesig gut ankommt und ihr daher auch so großen Erfolg beschert.
Früh und laut und deutlich und für alle nachvollziehbar, die sich auf ihren Internetseite einfinden, erzählt sie über ihre rebellische Jugend – dass sie gegen alles war, was von oben kam. Was der Vater sagte, verkehrte sie am liebsten ins Gegenteil, entschied sich deshalb auch für eine künstlerische Laufbahn, ein Unding für eine, die aus dem Arbeitermilieu kam, im damaligen China. Heute allerdings hat sich die Situation fast umgekehrt – wenn sie etwas schreibt, was ihrem Vater nicht passt, dann protestiert dieser sofort.
Nun, sie stellte schnell fest, dass der Kapitalismus mehr Vorteile als Nachteile für sie hat und ermuntert ihre Landsleute zu lernen, dass analysieren, vergleichen und beurteilen Handlungsweisen sind, die ein freies und selbstverantwortliches Leben erst wirklich möglich machen.
Noch immer wohnt Xu Jinglei im elterlichen Haus, ist nicht verheiratet und schreibt, wenn ihr die Zeit bleibt, über ihre sieben Katzen, über das was sie im Alltag erlebt, dass sie Englisch lernt und Fortschritte dabei macht und gibt ganz nebenbei mal eben auch noch ein Internet-Magazin heraus. Für die Zeit der Olympischen Spiele allerdings flog sie in die Vereinigten Staaten nach New York in der stillen Hoffnung, dem Trubel für ein paar Tage aus dem Weg gehen zu können.
Wir aus der Redaktion von deutschland-deluxe.de haben bereits auch einen gewaltigen „Narren am Bloggen gefressen“ und freuen uns über jede gute Nachricht aus der Bloggerwelt! Erst kürzlich wurde über Xu Jinglei eine interessante Reportage in der Beilage vom Handelsblatt veröffentlicht – was zeigt, dass auch den Klassikern guter Kommunikation das Thema gefällt und wir uns mit Xu Jinglei in bester Gesellschaft befinden! Lassen Sie sich also weiterhin überraschen, was wir Blogger alles so zu berichten haben!
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