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UNESCO: Dresden kein Weltkulturerbe mehr

Ein schwarzer Tag für den Denkmalschutz in Deutschland:

UNESCO-Welterbe-Komitee entschied in Sevilla,  Dresden den Titel UNESCO-Welterbestätte abzuerkennen – Dresden baut die Waldschlösschenbrücke

Von Dorothea F. Voigtländer
dresden-weltkulturerbe

© UNESCO-Welterbestätten Deutschland e.V./ Foto Sylvio Dittrich

Die Waldschlösschenbrücke im Dresdner Elbtal war der Streit- und Angelpunkt der Diskussion bei der diesjährigen Sitzung des UNESCO-Welterbekomitees im spanischen Sevilla. Schon lange wurde über diese Brücke oder die von der UNESCO geforderte Alternative eines Tunnels unter der Elbe bei Dresden gestritten. Nun entschied das 21-köpfige Komitee sich gegen Dresden: Dresden verliert den Titel, denn die Bauarbeiten für Waldschlösschenbrücke haben bereits begonnen und werden das Gesicht dieser Naturlandschaft anders prägen.
Dies hat das Gremium bei seiner 33. Tagung im spanischen Sevilla entschieden. Dresden wurde im Juli 2004 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen und stand schon zwei Jahre später, seit 2006,  auf der „Liste des gefährdeten Welterbes".

Dabei hatte alles so schön begonnen. Das Dresdner Elbtal mit seiner einmaligen Harmonie aus Natur und städtischer Bebauung wurde in der Kategorie der sich entwickelnden Kulturlandschaften 2004 in die Liste UNESCO-Welterbestätten aufgenommen. Denn nach Meinung der UNESCO sei Dresden geprägt gewesen durch den Einklang von historischer Innenstadt, grünen Vorstädten und einer einzigartigen Naturlandschaft. Schon August der Starke hat die Vision gehabt, aus der Elbe einen „Canale Grande“ inmitten von Stadt und Landschaft werden zu lassen. Und über Generationen ist diese Tradition barocker Hofkultur zwischen Schloss Pillnitz im Osten und Schloss Übigau im Westen liebevoll gepflegt und fortgesetzt worden.

Die historische Frauenkirche, mit viel Geldern auch von Förderern und Bürgern wieder im vollen Glanz erbaut, dann der berühmte Zwinger mit seinen Kunstwerken und die wunderbare Semperoper sind auch heute noch die herausragenden Wahrzeichen der Stadt Dresden. Und entlang der Elbe gab und gibt es noch viel Schönes zu entdecken. Und genau hier schieden sich die Geister wegen der Waldschlösschenbrücke, die eine Überquerung der Elbe möglich machen soll. Die Bauarbeiten hatten schon begonnen. Die Empfehlung der UNESCO, statt der Brücke einen Tunnel zu bauen, war von Dresden abgelehnt worden.

Die Deutsche UNESCO-Kommission bedauert die Streichung des Dresdner Elbtals von der Welterbeliste. „Die Entscheidung kommt leider nicht völlig überraschend. Ich hätte mir sehr viel mehr Offenheit auf beiden Seiten für eine Veränderung der Brückenpläne gewünscht", sagte der Präsident der Deutschen UNESCO-Kommission Walter Hirche aus Bonn. „Die Konsequenz ist aus meiner Sicht, dass aufkommende Welterbe-Konflikte in Zukunft über eine frühzeitige Mediation gelöst werden müssen. Die Deutsche UNESCO-Kommission mit Sitz in der Colmantstraße in Bonn bietet sich hier als Mediator an.“

Die Entscheidung, Dresden von der Welterbeliste zu streichen, hat das zwischenstaatliche Komitee des UNESCO-Übereinkommens zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt getroffen. Dem Komitee gehören 21 Staaten an, die von der Generalversammlung aller 186 Vertragsstaaten des Übereinkommens gewählt werden. Deutschland ist der Welterbekonvention 1976 beigetreten.

Seit 2006 befindet sich die Kulturlandschaft Dresdner Elbtal auf der Liste des gefährdeten Welterbes. Ein unabhängiges Gutachten hatte die geplante vierspurige Elbquerung als gravierenden Eingriff bewertet, die den außergewöhnlichen universellen Wert des Welterbes gefährde. 2007 war trotz Mahnungen des Welterbekomitees mit dem Bau begonnen worden. Die UNESCO hatte der Stadt Dresden vor einem Jahr eine letzte Frist eingeräumt und den Bau eines Tunnels empfohlen, um die einmalige Kulturlandschaft zu erhalten.

Das Welterbekomitee hat seit der Verabschiedung der Welterbekonvention 1972 zum zweiten Mal eine Stätte von der Welterbeliste gestrichen. 2007 wurde das Wildschutzgebiet der arabischen Oryx-Antilope der Welterbe-Status aberkannt. Oman hatte das Schutzgebiet um 90 Prozent seiner Fläche reduziert, um ungehindert Öl fördern zu können.

Das Welterbekomitee der UNESCO tagt noch bis zum 30. Juni im spanischen Sevilla. Im weiteren Verlauf der Tagung beschließt das Komitee über die Aufnahme von neuen Kultur- und Naturstätten in die Welterbeliste. Über den Antrag Deutschlands, das Wattenmeer als zweites deutsches Naturerbe in die Liste aufzunehmen, wird noch im Laufe der Woche entschieden. Kriterien für die Anerkennung als UNESCO-Welterbe sind unter anderem der außergewöhnliche universelle Wert der Stätte und ein Managementplan, der die Erhaltung für zukünftige Generationen sicherstellt.

Das Internet-Portal www.deutschland-deluxe.de berichtet seit vergangenem Sommer 2008 in loser Reihenfolge über alle bisherigen UNESCO-Welterbestätten in Deutschland. Davon gab es bisher 33, jetzt fehlt Dresden auf der Liste, wenn nicht als neues das Wattenmeer hinzukommt. Bis heute wurden 18 Welterbestätten in Deutschland mit historischem Kontext im Internet-Portal www.deutschland-deluxe vorgestellt.

Weitere Kontakte und Informationen sind zu erhalten bei der Deutschen UNESCO-Kommission,

Redaktion: Dieter Offenhäußer / Farid Gardizi
Telefon: 0228 / 60 497-11,
E-Mail: offenhaeusser@unesco.de
Website: www.unesco.de
und UNESCO aktuell (UA), Pressemitteilungen der Deutschen UNESCO-Kommission e.V.
Colmantstraße 15
53115 Bonn
Telefon: 0228-60497-11
E-Mail: gardizi@unesco.de
Internet: www.unesco.de
Die Deutsche UNESCO-Kommission e.V. ist eine vom Auswärtigen Amt geförderte Mittlerorganisation der deutschen Auswärtigen Kulturpolitik

 

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