In der Neujahrsnacht 1697 ist in Köln der Brauch des Schießens bezeugt
Ab heute dürfen Knaller für die Neujahrsnacht ver- und gekauft werden

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Die Raunächte gehen in den letzten Dezembertagen zu Ende, die letzten Dämonen werden mit bunt blitzenden und knallenden Raketen verjagt. Ab heute dürfen Raketen und Knaller ver- und gekauft werden, die Küster in den Kirchen überprüfen ihre Glocken, damit sie in der Silvesternacht auch schön kräftig läuten. Denn das Glockenläuten von allen Türmen der Stadt und in den Dörfern des Rheinlandes ist ein letztes Zeichen des Glaubens an die bösen Geister. Auf manchen Glocken im Rheinland steht die Inschrift: „Die gewalt des düwels verdrieven ich…“ (Die Gewalt des Teufels vertreibe ich…).
Schon im Jahre 1697 ist in Köln der Brauch des Schießens in der Neujahrsnacht bezeugt. Und darauf sind die Kölner sehr stolz. Und auch heute noch ziehen mit dem Zischen der Raketen und mitten im Geläut der Glocken unverheiratete Burschen in manchen alten Dörfern des Rheinlandes aus dem Wirtshaus in die Häuser, in denen heiratsfähige junge Mädchen wohnen, um Neujahr „anzuwünschen“. Dieser Rundgang wurde in früheren Zeiten bis in die Morgenstunden des ersten Tages im neuen Jahr ausgedehnt und mit deftiger Bewirtung belohnt. Wilhelm Busch schrieb: „Wenn es Silvester schneit, ist Neujahr nicht weit“. Und eine alte Bauernregel verheißt: „Windstill muss Silvester sein, soll der nächste Wein gedeih’n“.
Der typisch kölsche Neujahrswunsch hieß: „Jöv Jott, et wär wahr“ und war natürlich im Konjunktiv. Denn so ganz traute noch niemand diesem frischen neuen Jahr, es war noch unvertraut und mahnte zur Vorsicht. Darum wandte man sich erst mal an eine höhere Instanz. Der typische Rheinländer lebt zwischen Gottvertrauen und rheinisch lebenserfahrener Skepsis. Dieser Glückwunsch darf traditionsgemäß noch drei Wochen lang ausgesprochen werden. Am 21. Januar muss sich dann jeder an das neue Jahr gewöhnt haben. Der Kalender ist dann eingerichtet und die wichtigsten Planungen sind eingetragen.
Am Neujahrsmorgen erfreuen sich alle über den großen Neujahrskranz, der mit Hagelzucker auf dem Frühstückstisch glänzt, oder über den Neujahrsbretzel. Viele backen das Neujahrsgebäck noch heute selbst oder bestellen ihn beim Bäcker. Dieses leckere Hefegebäck mit Butter und selbst eingekochtem Johannisbeergelee ist ein köstlicher Schmaus-Auftakt für das neue Jahr.
Das „Neujährchen“ ist immer noch in Mode; ein Geldgeschenk der Paten an ihre Patenkinder, ein Geldgeschenk an den Postmann und die Postfrau, an die Männer von der Müllabfuhr, die das ganze Jahr das „Drecksgeschäft“ der Bürger erledigen. Ehe es eine offizielle Müllabfuhr gab, machte in Köln der „Drecksbur“ mit seinen deftigen Versen die Runde. Im benachbarten Flandern wollten es die Nachtwächter, die es früher noch gab, ganz genau wissen, denn sie druckten originelle Glückwunschkarten für alle Haushalte, um ihr Scherflein einzufordern.
Das dauerte dann einige Tage lang bis zum Fest der Heiligen Drei Könige am 6. Januar. Aber darüber später, denn im Kölner Dom ruhen seit fast 800 Jahren im berühmtesten Schrein des Abendlandes die Reliquien dieser drei Heiligen, die nie heilig gesprochen wurden. Doch Köln wurde wegen dieser Königsgebeine im strahlenden Goldschrein zu einem europäischen Wallfahrtsort.
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Die Artikel von Dorothea F. Voigtländer sind überaus lebendig geschrieben und sehr interessant. Ich sehe jeden Tag nach, ob sie wieder etwas Neues geschrieben hat. Die Unesco-Artikel sind so schön mit Geschichte angefüllt, das macht Spaß sie zu lesen. Auch ihre Bücher sind mir bekannt und die Geschichten in den Zeitgut-Büchern, immer mit viel Seele. Gut so.
Norbert
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