Ein Kultur-Luxus besonderer Art: Die erste Ausstellung im deutschsprachigen Raum mit Sandro Botticellis Werken im Frankfurter Städel Museum
Seine Malerei ist zum Markenzeichen der italienischen Renaissance geworden – Ein Besuch in der Weihnachtszeit
Ein wunderschönes Weihnachtsmotiv: Anbetung des Kindes von Sandro Botticelli;
© Foto: Houston, Museum of Fine Arts, Sarah Campbell Blaffer Foundation Collection.
Großartige Kunstwerke eines großen italienischen Meisters entführen den Besucher in das „Jahrhundert des Genies“ mit seinen durch alle Zeiten strahlende Leuchtkraft dieser über 80 Botticelli – Bildwerke im Frankfurter Städel Museum. Schon zu seinen Lebzeiten, er wurde 1445 in Florenz geboren, waren seine Werke so beliebt, dass sie oft kopiert wurden. Sandro Botticelli ist der Maler eines neuen Frühlings der Menschheit, die Freude im Diesseits ausdrücken und dem Genuss der irdischen Schönheit nach einem Jenseits wecken. Ein großes Dankeschön an das Städel Museum in Frankfurt, wo zirka 80 Werke Botticellis, seiner Werkstatt und Zeitgenossen die erste Ausstellung zu dem großen Meister der italienischen Renaissance im deutschsprachigen Raum, die sich mit einer Auswahl von Bildnissen, mythologischen Allegorien und Marienbildern seinem Schaffen widmet.
Das berühmte Werk „Madonna Wemyss“ – Anbetung des schlafenden Kindes im rosa blühenden Rosenhain.
© Foto: National Gallery of Scotland; private donations 1999.
Sandro Botticellis Malerei ist zu einem Markenzeichen der italienischen Renaissance geworden, sein monumentales „Weibliches Idealbildnis“" (um 1480) gehört zu den Hauptwerken der Sammlung des Städel Museums. Die ideale Schönheit seiner mythologischen Gestalten und die elegante Anmut seiner Madonnenfiguren machen Botticellis Schöpfungen zum Inbegriff der Florentiner Kunst im Zeitalter der Medici-Herrschaft unter Lorenzo dem Prächtigen. Der viel gepriesene Zauber seiner Bildsprache liegt dabei nicht vorrangig in der meisterhaften Umsetzung von Renaissance-Idealen, sondern in der einzigartigen Ausdruckskraft seiner Figurenschöpfungen begründet, die ihre klassisch graziöse Schönheit feierlich und vielfach mit melancholischer Note in Szene setzen. Und das ist stark spürbar auch bei seinen „Weihnachtsbildern“, wie Anbetung des Kindes“, Gemälde, die zum langen Betrachten und Verweilen einladen und sich fest einprägen lassen.
Bildnis der Simonetta Vespucci als Nymphe, sein „Weibliches Idealbildnis“ um 1480 gehört zu den Hauptwerken des Städel Museums.
© Frankfurt, Städel Museum; Foto: Ursula Edelmann - Artothek
Der zunächst zum Goldschmied und dann in der Werkstatt des Fra Filippo Lippi ausgebildete Sandro Botticelli zählt neben Verrocchio, Ghirlandaio und den Brüdern Pollaiuolo zu den erfolgreichsten Malern im Florenz der zweiten Hälfte des Quattrocento. Seit dem Jahr 1470 sicherte er sich prestigeträchtige öffentliche Aufträge und etablierte sich als Maler großer Altarbilder. Zeitlebens stand Botticelli in der Gunst der regierenden Medici und ihrer Gefolgsleute Kreis der um Lorenzo de’ Medici versammelten Humanisten stützen. Als Tafel- und Freskenmaler gleichermaßen geschätzt, genoss Botticelli höchstes Ansehen über die Grenzen seiner Heimatstadt hinaus und zählte deshalb zum Kreis der Maler, die Papst Sixtus IV. 1481 zur Ausstattung der Sixtinischen Kapelle nach Rom bestellte. Vor allem sein viel diskutiertes Spätwerk bringt die charakteristischen Merkmale seines eigenwilligen Stils zu extremer Entfaltung. Von der Zeichenkunst geleitet, folgt Botticelli der Vorliebe, seine Figurendarstellungen scharf konturiert, stark bewegt und gestenreich in Szene zu setzen und dabei mehr in Linien- und Flächengefügen denn in Raum und Volumen zu komponieren. Seine Malerei hebt sich auf diese Weise schon seit seinen frühen Jahren deutlich von der Konkurrenz und den aktuellen theoretischen Forderungen ab. Das ist einer der Gründe, weshalb die kunsthistorische Forschung dem Künstler auch 500 Jahre nach seinem Todestag (17. Mai 1510) eine Sonderposition zuweist.
Die Venus, dieses Kunstwerk dürften schon viele Besucher vorher gekannt haben. Im Städel Museum haben sie die Muße, es ausführlich zu bewundern.
© Berlin, Staatliche Gemäldegalerie. Foto: Jörg P. Anders
Insgesamt zeigt diese Ausstellung über 80 Werke Botticellis, seiner Werkstatt und Zeitgenossen − darunter Filippino Lippi oder Andrea del Verrocchio. Die bedeutendsten Gemäldesammlungen Europas und der USA unterstützen die Schau mit zentralen Werken des Florentiner Renaissancekünstlers. Die Sonderausstellung widmet sich kostbaren Schöpfungen aus allen Schaffensphasen Botticellis, konfrontiert diese mit thematisch verwandten Werken seiner Künstlerkollegen und beleuchtet sie im historischen Kontext ihrer Entstehung. Da erstaunen immer wieder die fast „lebenden“ Porträts, dann die berühmten mythologischen Darstellungen weiblicher Gottheiten und Tugendheldinnen bis hin zur religiösen Malerei. Dank für diese außergewöhnlich gelungene Ausstellung gilt auch dem Kurator: Dr. Andreas Schumacher (Städel Museum).
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