Quedlinburg verspricht und hält eine geschichtliche Zeitreise – Die ehemalige Kaiserpfalz an der Straße der Romanik ist eines der bedeutendsten Flächendenkmale Deutschlands – „Metropole des Reiches“
Die Stadt selbst ist die größte Sehenswürdigkeit - UNESCO-Welterbe seit 1994

Von Dorothea F. Voigtländer
Die Wiege Deutschlands war Quedlinburg: Eine Zeitreise in die reiche geschichtliche Vergangenheit verspricht nicht nur die UNESCO-Welterbestadt Quedlinburg, sie hält es auch: Wenn das erste Tageslicht aufleuchtet, dann kann diese historische Reise durch diese Stadt beginnen mit ihren gut 1300 reich geschmückten und malerischen Fachwerkhäusern aus acht Jahrhunderten, herausragende Zeugnisse der Geschichte der Menschen, die hier lebten und leben. Hier steht auch eines der ältesten Fachwerkhäuser Deutschlands (um 1340), das heutige Fachwerkmuseum. Wenn die Füße über das uralte Pflaster schreiten durch die winkligen Gassen, die gemütlichen Plätze sich öffnen, bunte Fachwerkhäuser das Wispern der Geschichte dieser einstigen Kaiserpfalz hörbar werden lassen, dann taucht der Geist in eine über 1000 Jahre alte mittelalterliche Stadt, eine Zeitreise unter dem massigen Sandsteinfelsen des Burgberges mit der romanischen St. Servatius-Kirche. Diese Stiftskirche mit den Gräbern des ersten deutschen Königs, Heinrich I., und seine Frau Mathilde und dem berühmten Domschatz ist ein Meisterwerk der Romanik. In einer Kaiserurkunde des 10. Jahrhunderts wird Quedlinburg „Metropole des Reiches“ genannt.

Wer noch weiter zurücktauchen kann, der erfühlt die ersten Siedlungsspuren der Altsteinzeit, spürt die Menschen, die hier seit Urzeiten lebten und die Stadt zu dem machten, was sie heute ist. Beweise sind 55 Siedlungsreste dieser Epoche in der Stadt und ihrer Umgebung, die hier ertragreiche Böden fanden. Beweise sind Begräbnishügel: Im Jahre 2005 wurde eine Kreisgrabenanlage der Stichbandkeramik untersucht. Die urkundlichen Nachrichten aus dem Ende des 8. Jahrhunderts häufen sich über Ortschaften aus der Umgebung Quedlinburgs, aus Marsleben, Groß Orden, Ballersleben, Ditfurt und Weddersleben. So wird angenommen, dass die Wipertikirche als Filiale der Abtei Hersfeld um 835/83 gegründet worden ist. Damit ist Quedlinburg wahrlich ein Juwel der Geschichte, spürbar, fassbar, eine ehemalige Kaiserpfalz an der Straße der Romanik. Darum ist sie eines der bedeutendsten Flächendenkmale Deutschlands, Grund für die UNESCO, sie 1994 in die Welterbeliste der schützenswerten Kulturgüter aufzunehmen „als ein herausragendes Beispiel eines Typus von Gebäuden oder architektonischen Ensembles oder einer Landschaft, die bedeutsame Abschnitte in der menschlichen Geschichte darstellen“.


Das Jahr 919 ist ein wichtiges Geschichtsdatum. Denn die legendäre Königserhebung Heinrich I. am Quedlinburger Finkenherd fand 919 zu Fritzlar statt. Ein Ziel, das nicht einfach erreicht wurde. Denn die Ludolfinger, zu deren Familie Heinrich gehörte, waren ein bedeutendes sächsisches Adelsgeschlecht. Die Quitlingaburg gehörte zu ihrem Eigentum, ein befestigtes Landgut. 919 wurde Heinrich dann zum König gewählt. Doch da nicht alle Fürsten des ostfränkischen Reiches an der Königswahl teilgenommen hatten,
dauerte es noch zehn Jahre, bis Heinrich I. endlich alle Fürsten für sich gewinnen konnte. Damals war die Politik auch nicht einfacher als heute. Außerdem mussten sich alle vor Angriffen von außen schützen. Viele Burgen und Befestigungen wurden gebaut, in denen die Bevölkerung Schutz suchen konnte. Jeder neunte Mann wurde von Heinrich I. aus der Landbevölkerung verpflichtet, den Erhalt und die Verteidigung der Burgen sicherzustellen. Heute weiß man, dass Heinrich I. damit die Grundlage für das Bürgertum schuf - ein wahrer Kraftakt. Endlich rief er 929 alle Fürsten und die geistlichen Würdenträger zum Hoftag in seinen Königshof in Quedlinburg zusammen, wo er den Sohn Otto zu seinem Nachfolger bestimmte.

Das Prinzip der „Reichsunteilbarkeit“ war damit eingeführt, die Sicherung des Reiches über Heinrich I. hinaus. Und: Deutschland war geboren – die Wiege war Quedlinburg. Ein wichtiges historisches Datum, ein wichtiger Ort, und Quedlinburg war das Herzstück Deutschlands. Von Bedeutung war Quedlinburg, als es im 10. Jahrhundert Königspfalz wurde, wo die ottonischen Herrscher ihr Osterfest feierten. Erstmals erwähnt wurde es als „villa quae dicitur Quitlingaburg“ in einer Urkunde Heinrich I. vom 22. April 922. Er selbst wählte Quedlinburg als Ort seiner Grablege aus, was auch später (936) geschah. Das ist leider nur zu wenig bekannt.

So wurde der Sohn des ersten deutschen Königs ebenfalls König, Otto I. (912-973), 936 in Aachen zum König und 962 in Rom von Papst Johannes XXII. zum ersten deutschen Kaiser gekrönt. Unter ihm erlebte das Heilige Römische Reich Deutscher Nation einen Höhepunkt und durch die Autorität seines Herrschers die Ausweitung des abendländischen Kulturbereiches. Ihm gelang auch der Sieg auf dem Lechfelde 955, als sich die Ungarn bedrohlich der Ostgrenze näherten, was seine innenpolitische Machtstellung erheblich erweiterte.
Es sollte noch spannend werden in Quedlinburg. Im Jahre 941 entging hier Otto I. der Große nur knapp einem Mordanschlag seines jüngeren Bruders Heinrich. Sein Enkel, Otto III., wurde von seinem Onkel Heinrich dem Zänker entführt, weil sich dieser Zänker in Quedlinburg selbst zum König erheben wollte. Doch nach zwei Jahren gelang es der Großmutter Adelheid, der zweiten Gemahlin Otto I. und der Mutter des Kleinen, diesem jungen Otto III. in Quedlinburg zu huldigen. Dieser verlieh 994 dem Stift seiner Tante, der Äbtissin Mathilde, in dieser Stadt, das Markt-, Münz- und Zollrecht, was eine wichtige Basis war für die weitere städtische Entwicklung Quedlinburgs. Alle diese Ereignisse boten Stoff genug für Legenden und Erzählungen rund um diese historischen Personen in diesem historischen Ort.

Für weiteren Ärger war vor allem zum Nachteil der Bevölkerung gesorgt: Auseinandersetzungen zwischen Welfen und Staufern 1137 bis hin zur Besetzung der Stadt; dann die Fehde mit dem Grafen von Regenstein - während der Bauernkriege 1525 werden vier Klöster zerstört. 1698 verkauft Kurfürst August der Starke von Sachsen die Schutzherrschaft über das Stift an Kurbrandenburg.
Mit einer intelligenten Dame kann diese Stadt auch aufwarten: 1715 wird Dorothea Christiana Erxleben, die erste deutsche Ärztin, in Quedlinburg geboren wie auch 1724 Friedrich Gottlieb Klopstock, Dichter, Schriftsteller und Naturforscher, jener Wegbereiter der Sturm- und Drang-Epoche. 1807 wurde Quedlinburg für kurze Zeit westfälisch, bevor es 1815 zur preußischen Provinz Sachsen kam. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert brachten großartige Blumenzuchten der Stadt und ihren Menschen Wohlstand.
Keinen Wohlstand trotz der Saatzucht brachte der Arbeiter- und Bauernstaat während der DDR-Zeit dieser Stadt, denn erst nach der Wiedervereinigung 1990 wurden die historischen Fachwerkbauten fachgerecht restauriert zu prachtvollen städtischen Schmuckstücken. Und dann kamen Teile des Domschatzes, die 1945 von einem US-Leutnant nach Texas mitgenommen worden war, wieder zurück nach Quedlinburg. In der Stiftskirche St. Servatius hoch oben auf dem steilen Sandsteinfelsen über der Stadt ist dieser Schatz nun zu bewundern. Und dann wurde Quedlinburg 1994 auf die Liste des UNESCO-Welterbes gesetzt, was die Bewohner mit Stolz und Freude erfüllt. Seit seiner Gründung 2001 hat der Verein UNESCO-Welterbestätten Deutschland e. V. ebenfalls in Quedlinburg seinen Sitz.

UNESCO-Welterbestätten Deutschland e.V.
Der UNESCO-Welterbestätten Deutschland e.V. ist ein Zusammenschluss der deutschen Welterbestätten und der jeweiligen touristischen Organisationen. Der Verein - zuvor als Werbegemeinschaft aktiv - wurde im September 2001 in Quedlinburg gegründet. Dort befindet sich auch die Geschäftsstelle des Vereins: im historischen Palais Salfeld mitten in der Quedlinburger Altstadt, die 1994 in die Liste der UNESCO-Welterbestätten aufgenommen wurde.
Ziele
• Steigerung der Bekanntheit der deutschen UNESCO-Welterbestätten
• Förderung eines behutsamen und hochqualifizierten Tourismus in die Welterbestätten im denkmalverträglichen Ausmaß
• bessere Koordination von Denkmalschutz und Tourismus
• dauerhafte Sicherstellung des Erhaltes der Welterbestätten durch Einnahmen, die über den Tourismus erwirtschaftet werden
• Beratung von Welterbestätten in Fragen der touristischen Vermarktung

www.quedlinburg.de
www.adventsstadt.de
www.unesco-welterbe.de
www.unesco.de
www.unesco.org
www.deutschland-tourismus.de
Jürgen Meusel erlaubt mit seinen wunderschönen Fotos über das örtliche Historienspektakel einen Blick in die Vergangenheit von Quedlinburg – Eine historische Zeitreise ganz besonderer Art
Von Dorothea F. Voigtländer
Die historische UNESCO-Stadt Quedlinburg hat immer noch Überraschungen zu bieten. In unserem UNESCO-Beitrag (www.deutschland-deluxe.de) mit historischem Hintergrund über Quedlinburg hat Jürgen Meusel mit seinen Bildern das Gesicht dieser wunderschönen Stadt gezeigt. Jetzt hat uns der Bildjournalist Jürgen Meusel (PR und Fotografie) noch weitere interessante Bilder zukommen lassen, die wir hier in www.deutschland-deluxe.de veröffentlichen dürfen.
Die einst hier stattgefundenen Reichstage bleiben durch die Aktivitäten des Freundeskreises mit dem Titel „Kaiserfrühling“ den Festtagen zu Ostern und Pfingsten mit einem ansehnlichen Historien-Spektakel in Erinnerung und zeigen ein erfreuliches Stück Zeitgeschichte mit Szenen, wie beispielsweise die Antragung der Krone, die hier nachgestellt wird. Liebevoll geschneiderte prächtige Kostüme versetzen die Zuschauer in die Zeit von damals und zeigen, wie Mode einst gefiel. Geschmückt sind auch die Pferde; es ist eine Prozession durch Quedlinburg, die sehr gefällt mit einem historischen Markt, die das Publikum, die Bürger aus Quedlinburg und Gäste aus nah und fern anlocken.







Fotos: Copyright: Juergen Meusel
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