Ausstellung vom 20. März bis 25. Juli 2010 -
Viele „verschwundene Bilder“ nach 70 Jahren wieder zu sehen

Franc Marcs "Weidende Pferde IV" (Die roten Pferde), 1911
© President and Fellows of Harvard College / Foto: Rick Stafford
Was war das für eine schreckliche Sache, als Hitler und seine Schergen die Säuberungskrieg genannte Plünderungsaktion starteten und in 101 Museen 17.000 (in Worten: siebzehntausend) Kunstwerke beschlagnahmten. Und so verlor das Museum Folkwang in Essen 1937 1.400 (in Worten eintausendvierhundert) hinreißend schöne und wertvolle Gemälde, Skulpturen und Grafiken, die die Nazis als hässliche und primitive, also entartete Kunst deklarierte hatten, um sie sich unter den Nagel zu reißen und auf dem Weltmarkt zu verkaufen, denn Geld für den Krieg wurde ständig mehr gebraucht.
Das Museum-Folkwang Essen beherbergte zum damaligen Zeitpunkt eine der besten Sammlungen moderner Kunst. Bilder von Cézanne, Matisse, Monet, Franzosen also, die als Feinde galten und mit Werken deutscher Expressionisten wie Kirchner, Nolde, Heckel, die von Nazis als primitiv, undeutsch und "entartet" angesehen wurden. Denn es war dem millionenschweren Enkel eines Essener Schraubenherstellers - Karl Ernst Osthaus (* 15.4.1874 in Hagen - † 25.3.1921 in Meran) - zu verdanken, der seit 1902 in jahrelanger hingebungsvoller Kleinarbeit „quer Beet“ alles gesammelt hatte, was ihm gefiel – und sein Geschmack war einzigartig!

Ernst Ludwig Kirchner - Fünf Frauen auf der Straße, 1913
Museum Ludwig, Köln - © Rheinisches Bildarchiv Köln, 2009
Doch erst die Bekanntschaft mit dem Jugendstil-Architekten Henri van de Velde brachte ihn dazu, sich nach anfänglicher Sammelleidenschaft für alles Mögliche - von Mineralien über Insekten bis hin zu orientalischen Kacheln – auf die französische Moderne und den deutschen Expressionismus zu konzentrieren. Zwar kannte damals in Deutschland kaum jemand Bilder von Monet, Matisse und van Gogh, aber Karl Ernst Osthaus hatte einen untrüglichen Blick und das nötige Kleingeld, viele, viele wunderbare Gemälde bei sich zu Hause unter zu bringen.

Vincent Van Gogh - Rhonebarken - Les bateaux amarrés, 1888
Museum Folkwang, Essen - © Museum Folkwang, Foto: Jens Nober 2009
Er wohnte damals noch in Hagen, und als er bei einer ersten privaten Ausstellung seine Werke zeigte, standen nicht nur ägyptische, griechische und römische Plastiken in denselben Räumen wie die Bilder der Avantgarde, sondern auch Afrikanische Skulpturen, Schattenspiel-Figuren aus Java und Theatermasken aus Japan, führten den Besuchern vor Augen, wo die Avantgarde ihre Wurzeln hatte. „Paul Gauguins Tahiti-Mädchen strahlten neben eleganten Figuren aus Ozeanien. Goldene Buddhafiguren prangten vor dunkel lila Wänden. Völlig unüblich war das damals,“ schreibt Anja Lösel, „unverschämt modern. Ein Wunder und ein Skandal zugleich. Die Künstler waren begeistert.“

Paul Gauguin - Barbarische Erzählungen
Contes Barbares, 1902 - Museum Folkwang, Essen
© Museum Folkwang, Foto: Jens Nober 2009
Die Stadt Essen kaufte nach Osthaus Tod 1921 seine Sammlung, und das wurde dann auch die Geburtsstunde des Museums Folkwang mit seinem Ruf als das damals „Schönste Museum der Welt“. Die Freude bei den Künstlern währte leider nur kurz, wie wir wissen.
Museumsdirektor Hartwig Fischer und sein Team versuchten nun, für ihre Ausstellung möglichst viele der Schmuckstücke von damals zurück nach Essen zu holen. Im eleganten Neubau des britischen Architekten David Chipperfield sind 396 Bilder und Skulpturen aus der ehemaligen Sammlung Osthaus zu besichtigen. Und wenn auch viele Werke davon nun dankenswerterweise wieder aus den eigenen Beständen zu sehen sind, so wird man die Werke in dieser Zusammenstellung - im wahrsten Sinne des Wortes - nie wieder so erleben können.
Sie liebe Leserinnen und Leser, geschätzte Freunde von Deutschland-deluxe.de, dürfen dieses Ereignis deshalb auf keinen Fall verpassen, denn unbestritten ist schon jetzt, dass „diese Ausstellung einem direkt ins Herz geht!“ - Und das sagt kein Geringerer als der Museumsdirektor Hartwig Fischer - also einer, der wirklich Vergleiche ziehen kann, die Bestand haben.
Essen, Museum Folkwang , 20. März bis 25. Juli. Katalog im Steidl Verlag, 29 Euro
Infos siehe auch www.museum-folkwang.de und www.dasschoenstemuseumderwelt.de
Auch im Bürgerblog Blankenheim wurde über über die Folkwang Ausstellung berichtet.
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