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Tabatiere mit Reliefdekor, Blumenbuketts und Genreszene, um 1750/60, Porzellan, Montierung Gelbgold. © Rheinisches Bildarchiv/Marion Mennicken
Von Dorothea F. Voigtländer
Aufregung herrschte schon vor über 300 Jahren in ganz Europa: Was einst Könige und Fürsten erfreute, kann sich heute der, der das Geld hat, leisten: Meissener Porzellan. Doch es musste einst erst erfunden werden, das „Weiße Gold“, jenes wertvolle chinesische Porzellan, für das August der Starke (1670-1733) sogar mit Soldaten bezahlte. Kurfürst August der Starke zahlte für die jahrelangen Experimente dem Wissenschaftler und Gelehrten Ehrenfried von Tschirnhaus (April 1651-11.Oktober 1708) Materialien und Labor, er stellte ihm gar den „Aufschneider“ Johann Friedrich Böttger zur Seite, der vorgegeben hatte, Gold erfinden zu können und wegen seiner Misserfolge sogar eingekerkert worden war.
Doch statt des gelben Goldes, fand von Tschirnhaus das „Weiße Gold“, eine Rezeptur, die kurz vor seinem plötzlichen Tod im Oktober 2008 zum Ziel führte und von seinem Notar zunächst monatelang unter Verschluss gehalten wurde. Als dann die Schwester von Johann Johann Friedrich Böttger (der einstige Gehilfe von Tschirnhaus) den Notar und Inspektor Steinbrück heiratete, erhielt er die Formel für das „Weiße Gold“ und konnte so Porzellan herstellen. So wurde Böttger Leiter der ersten Porzellan-Manufaktur Europas. Bis heute wird daher Böttger immer noch als „Erfinder“ gefeiert, obwohl der eigentliche Erfinder Ehrenfried von Tschirnhaus ist, wie seit vielen Jahrzehnten in Forschungen und Unterlagen festgestellt, in Archiven und wissenschaftlichen Arbeiten sowie in Schulbüchern korrigiert wurde.
Tasse und Unterschale mit Chinoiserien und indianischen Blumen (Detail der Unterschale), um 1739/40, Porzellan. © Rheinisches Bildarchiv/Marion Mennicken
Doch schließlich war es Böttger, der von August dem Starken für die Produktion des Porzellans beauftragt wurde, denn von Tschirnhaus war ja gestorben. Und was einst ein Königstraum war, ist heute nach einer langen Zeitreise zum Porzellan für feine Feste bis hin zum kostbaren Geschenk geworden.
Die bedeutendste europäische Porzellanmanufaktur des 18. Jahrhunderts wurde am 23. Januar 1710 durch den sächsischen Kurfürsten und König von Polen August den Starken gegründet. Per Dekret ließ er die Erfindung des Porzellans sowie die Gründung einer Porzellan-Manufaktur in Sachsen feierlich verkünden. Die Produktion wurde noch im Juni desselben Jahres auf der Albrechtsburg in Meissen aufgenommen; das „Weiße Gold“ aus Sachsen sollte bald zum begehrtesten Luxusgut der europäischen Fürstenhöfe avancieren. Anlässlich des 300-jährigen Gründungsjubiläums der Meissener Manufaktur präsentiert das Museum für Angewandte Kunst in Köln eine hochkarätige Porzellan-Sammlung aus rheinischem Privatbesitz, die bislang noch nie ausgestellt wurde. Die äußerst seltenen und wertvollen Exponate aus dem 18. Jahrhundert – insgesamt zirka 280 Stück – vermitteln sowohl einen Einblick in die vielfältige Produktion der berühmten Manufaktur als auch in die raffinierte Kultur und Geisteswelt des barocken Zeitalters. Schwerpunkte der Sammlung bilden die herausragende Porzellanplastik, eine große Anzahl an fein bemalten Schnupftabakdosen, so genannten Tabatieren, darüber hinaus aber auch prunkvoll mit Chinoiserien, Landschafts- und Blumenmalereien verziertes Tafelgeschirr.
So startet auch in Meissen das Jubiläumsjahr: 300 Jahre Weißes Gold aus Europas erster Porzellan-Manufaktur. Denn genau vor 300 Jahren, am 23. Januar 1710, verkündete Sachsens Kurfürst August der Starke der erstaunten Welt in vier Sprachen, dass er eine Porzellanmanufaktur gegründet habe. Europas erste und noch heute berühmteste Fertigungsstätte von Weißem Gold.
Und wieso wusste man damals von dieser Kostbarkeit? Marco Polo, der große Fernreisende, soll es gewesen sein, der Ende des 13. Jahrhunderts das erste Porzellan aus China mit nach Europa brachte. Im „Reich der Mitte“ wurde bereits seit etwa 620 Hartporzellan gefertigt. Es gelang den Europäern zunächst nicht, das so genannte Arkanum – das Geheimnis der Porzellanherstellung – zu entschlüsseln. Die aus China und später auch aus Japan bezogenen Geschirre und Schmuckgegenstände aus edlem Porzellan waren aufgrund ihrer aufwendigen Produktion und langen Transportwege überaus kostbar. Solchen Luxus – „Weißes Gold“ genannt - konnten sich nur die reichen Höfe leisten. 
Konfektdose mit ‚deutschen Blumen’, um 1739, Dekor in der Art von Johann Gottfried Klinger, Porzellan, Montierung Silber, vergoldet. © Rheinisches Bildarchiv/Marion Mennicken
Geradezu ein Porzellan-Narr war der in Dresden residierende sächsische Kurfürst August der Starke. Auf sein Drängen hin gelang es dem Gelehrten und Wissenschaftler Ehrenfried von Tschirnhaus, assistiert vom Alchimisten Johann Friedrich Böttger (1682 bis 1719), in der Dresdener Jungfernbastei unterhalb der heutigen Brühlschen Terrasse am 15. Januar 1708 den ersten erfolgreichen Probebrand in Anwesenheit des Kurfürsten durchzuführen. Nachdem Böttger nach dem Tod von Tschirnhaus in den Besitz der Rezeptur gekommen war, gelang ihm 1709 diese Erfindung offiziell herzustellen. Und jene damals als Sensation empfundene Mitteilung Augusts des Starken vom 23. Januar 1710 gilt als die Gründungsurkunde der heutigen Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meißen. Endlich hatten auch die Europäer dank der genialen Erfindung von Ehrenfried von Tschirnhaus und der späteren Fertigung von Böttger das Geheimnis der Porzellankunst entschlüsselt!
Wegen des Geheimnisschutzes wurde die Fertigungsstätte unter Leitung von Böttger auf der sicheren Albrechtsburg hoch über der Elbe in Meißen untergebracht, wo sie bis 1863 blieb. Danach zog sie in das Meissener Triebischtal um, wo neue, großzügigere Gebäude entstanden waren. Das sächsische Porzellan-Monopol hielt bekanntlich nicht allzu lange. Schnell schossen Manufakturen in Deutschland und ganz Europa wie Pilze aus dem Boden. Man denke z. B. nur an die bekannten Manufakturen Nymphenburg in München (seit 1747), die 1751 entstandene, von Preußenkönig Friedrich dem Großen 1763 erworbene Königliche Porzellan-Manufaktur (KPM) in Berlin und die seit 1762 bestehende „Älteste Volkstedter Porzellanmanufaktur“ im thüringischen Rudolstadt. 
Das ‚Indianische Liebespaar’, Modell von Johann Joachim Kaendler, 1745, Ausformung um 1745, Porzellan. © Rheinisches Bildarchiv/Marion Mennicken
Natürlich sind die sächsische Landesmetropole Dresden und die nahe Elbestadt Meißen als die historisch verbürgte Heimat des ersten europäischen und später weltberühmt gewordenen Meissener Porzellans seit langem große Anziehungspunkte für kulturell-künstlerisch interessierte Gäste aus aller Welt. Seit 1722 sind die Gekreuzten Schwerter der Manufaktur Meissen das Markenzeichen, heute Logo genannt, dieses Porzellans. Und noch eine Neuigkeit: Als im Juni 2009 der US-Präsident Barack Obama Dresden besuchte, wurden ihm exklusive Manschettenknöpfe mit den Gekreuzten Schwertern der Manufaktur Meissen geschenkt. Ein weiterer Triumph der blauen Schwerter!
Das Porzellan hat sich von der Barockzeit bis heute weiterentwickelt, von Barock bis Art Déco und ganz moderne Designs, wie im Deutschen Porzellan Museum in Hohenberg a.d. Eger zu erfahren ist, wo man sich zur größten Ausstellung, die es europaweit je zum Thema Porzellan mit dem Titel „Königstraum und Hochgenuss“ rüstet. Heute ist Meißen eine der weltweit führenden Luxusmarken, die für hohe Handwerkskunst und einzigartige Kreationen für den anspruchsvollen Kunden steht. So ist es August dem Starken mit seiner engagierten Geschäftspolitik gelungen, mit seinem begehrten Meissener Porzellan für Tisch, Tafel und Interieur bis heute immer wieder Schönes und Neues zu schaffen, wie die Kölner Ausstellung mit wertvollen Stücken aus Privatbesitz zeigt.
Terrine mit Deckel und Unterschale mit plastischem und Relief-Blütendekor und ombrierten Insekten, um 1745, Porzellan. © Rheinisches Bildarchiv/Marion Mennicken
Weitere Infos: Museum für angewandte Kunst, Kölner Innenstadt; www.museenkoeln.de
Sehr geehrte Redaktion,
nach all den Presseberichten -anlässlich des 300. Jubiläums der Porzellan-Manufaktur Meissen- über den "Porzellanerfinder" Böttger und seiner Zufallserfindung, freue ich mich, dass Frau Dorothea F.Voigtländer über den wahren Porzellanerfinder Ehrenfried Walther von Tschirnhaus berichtet hat.
Fast 300 Jahre konnte der Alchemist Böttger den Ruhm des Erfinders ernten, dabei hatte er lediglich nach Tschirnhaus' abgeschrieben.
Dieser Artikel erschien genau richtig zur großen Ausstellungseröffnung in Hamburg "Das weiße Gold" -300 Jahre Meissener Porzellan, 300 Jahre Katharinenpalast-
Auch dort wurde an den Erfinder E.W.v.Tschirnhaus erinnert.
Mit freundlichen Grüßen
Christof v.Tschirnhaus
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