Bekannt wurde sie durch ihre zahlreichen Werke und Auszeichnungen
Die Überraschung war perfekt, auch wenn Herta Müller eine überaus bekannte Schriftstellerin ist, als kämpferisch und als „Chronistin des Alltagslebens in der Diktatur“ bezeichnet wird. Kein Wunder, denn die Geschichte ihrer Familie in Rumänien, in Siebenbürgen, ist die Quelle, aus der sie immer wieder ihre schriftstellerischen und journalistischen Arbeiten schöpft.

Herta Müller signiert ein Buch
Foto: Wikipedia
Es war wie ein spätes Geburtstagsgeschenk für die am 17. August 1953 in Rumänien geborene Herta Müller, als die Nachricht über die Verleihung des Nobelpreises 2009 für Literatur am 8. Oktober um die Welt ging. Sie gehörte mit ihrer Familie zur deutschen Minderheit in Rumänien. Ihr Großvater war einst ein wohlhabender Bauer und Kaufmann, ihre Mutter wurde zu jahrelanger Zwangsarbeit in die UdSSR deportiert, ihr Vater war ehemaliger Lkw-Fahrer bei der Waffen-SS – ihr Leben war geprägt von Repression in einem kommunistischen Land. Ihr erstes Buch „Niederungen“ schmorte vier Jahre lang in einem rumänischen Verlag, und als es dann veröffentlicht wurde, war es stark zensiert. Herta Müller hatte es dennoch geschafft, nach dem Abitur Germanistik und Rumänistik zu studieren, arbeitete als Übersetzerin in einer Maschinenfabrik, dann als Lehrerin in Schulen und Kindergärten und als Privatlehrerin, bis sie 1987 mit ihrem Mann, dem Schriftsteller Richard Wagner, in die Bundesrepublik kam.
Von Rumänien als „Agentin“ beschuldigt fühlte sie sich auch hier verfolgt, schrieb darüber und verfasste den Roman „Atemschaukel“, der 2009 zu den sechs besten Romanen gezählt wurde. Darin beschreibt sie das Schicksal eines jungen Mannes in einem Deportationslager in Russland. Biographisches, Familiäres blitzt da durch, und außerdem dürfte dieses Buch wie so viele andere ihrer Veröffentlichungen exemplarisch sein für das Schicksal der deutschen Bevölkerung in Siebenbürgen nach dem Zweiten Weltkrieg.
Viele Preise und Ehrungen wurden ihr zuteil, und nun der Nobelpreis 2009 für Literatur. Sie habe „mittels Verdichtung der Poesie und sachkritischer Prosa Landschaften der Heimatlosigkeit gezeichnet“, so heißt es in der Würdigung. Die Intensität in ihrer Literatur springt den Leser an. Doch sie selbst kann die große Ehre, den Nobelpreis für Literatur 2009 erhalten zu haben, noch nicht fassen: „Ich kann noch nicht darüber reden, es ist irgendwie zu früh“, so bat sie die Journalisten um Verständnis. Und: „Ich glaube, ich brauche noch Zeit, um das einzuordnen, denn eigentlich bin nicht ich es, sondern es sind die Bücher“, sagte sie bescheiden.
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