Eine großartige Ausstellung in der Galerie Oltmanns in Unkel mit Werken von Otto Dünkelsbühler, Otto Herbig und Otto Fischer – Lamberg
Verfemt - Verboten - Verschollen

Die klare Sprache der Farben und Kompositionen in diesem farbenfrohen
Bild gefällt: „Notre Dame de Pielé“. © Galerie Oltmanns
Von Dorothea F. Voigtländer
Betritt man die Räumlichkeiten der Galerie Oltmanns in Unkel, dann darf man mit Freude an der Wiederentdeckung von Werken dreier Künstler teilhaben, an der Vielseitigkeit ihrer künstlerischen Ausdruckkraft, an ihrem Leben und an ihrem Schicksal. Unter oft lebensbedrohenden politischen Situationen, sei es in der Zeit der Nationalsozialisten, sei es unter der Herrschaft der Deutschen Demokratischen Republik, sind diese Arbeiten entstanden. Das lässt Respekt wachsen und Genugtuung, das wir heute an der Wiederentdeckung dieser Künstler mit ihren Kunstwerken teilhaben können. Sie alle tragen den gleichen Vornamen: Otto. Da sind also Werke von Otto Fischer-Lamberg, Otto Dünkelsbühler und Otto Herbig, die der Galerist Theo Oltmanns stolz seinem Publikum präsentieren kann.
Theo Oltmanns lobt die Verdienste der „Bürgerstiftung für verfemte Künstler mit der Sammlung Gerhard Schneider, Solingen“ sowie der Fördergesellschaft „Zentrum für verfemte Künste e.V. Solingen“: „deren Anstrengungen auch mit den Ausstellungen in Museen anderer Städte wie Salzburg und Bayreuth und Galerien habe wir es zu verdanken, dass den Künstlern der „Verschollenen Generation“ wenigstens posthum eine steigende Anerkennung zuteil wird und wir ihnen damit die Gewissheit geben können, dass ihr Weg der richtige war“. Seit Jahren sei zu beobachten, so Oltmanns, „dass diese positive Sicht in der kunstgeschichtlichern Beurteilung der „Verschollenen Generation“ ständig wächst“.
Diese Künstlergeneration, um das Jahr 1900 geboren, hatte durch die politischen und kriegerischen Ereignisse in den beiden Weltkriegszeiten, der Naziherrschaft und der DDR-Politik wenige Chancen, ihre künstlerischen Arbeiten der Öffentlichkeit zu präsentieren. Deshalb blieben sie relativ unbekannt.
Beginnen wir mit Otto Herbig, 1889 an der Werra geboren, der seine künstlerische Tätigkeit nach seiner Ausbildung zum Maler in Berlin begann und eine enge Verbindung zu den Brückekünstlern Erich Heckel, später zu Otto Müller und Karl Schmidt-Rottluff hatte. Landschaften sind seine Hauptmotive, die Pflanzenwelt, „Mutter und Kind“, ganz besonders anmutige Arbeiten. Seinen eigenen Weg beschritt er mit einer ihm eigenen Distanz zu den berühmten Expressionisten, er pflegte besonders die Pastellmalerei und zählt damit zu den größten deutschen Malern in dieser Technik.

Wie eine frohe Farbenexplosion haben diese „Blühende Sträuche“
ihre eigene Sprache. © Galerie Oltmanns
Ganz oben beginnen wir mit einem Bild von Otto Dünkelsbühler „Notre Dame de Pielé“. 1898 in München geboren, studierte er nach dem Ersten Weltkrieg trotz seiner schweren Verletzung (er verlor ein Bein) an der Kunstgewerbeschule und an der Akademie in München. Ihn traf das Malverbot der Nazis besonders hart, darum malte er heimlich im Nachbarhaus, obwohl die Gestapo ihn überwachte. Seine einfühlsamen Arbeiten sind zugleich Zeugnisse einer Zeit, in der trotz ständiger Bedrohung und Überwachung Kunst entstanden ist, bis er dann später in den warmen Regionen in Südfrankreich aufatmen konnte. Dünkelsbühlers Kunst ist gekennzeichnet von seiner ganz besonderen Liebe zur Natur in Polarität mit der Kunst. Die Inspirationsquellen finden sich in seiner Malerei zwischen Impressionismus, Expressionismus und Kubismus. Das ist mit den ausgestellten Werken in der Galerie Oltmanns klar zu erkennen.
Der dritte Künstler in dieser Galerie ist Otto Fischer-Lamberg, 1886 in Lettland geboren, bis die Eltern mit der Familie wegen der ungünstigen Verhältnisse durch das russische Zarenreich 1889 nach Berlin umzogen. Hier und in Weimar liegen die Wurzeln des künstlerischen Schaffens, geprägt vom Weimarer Lehrer Franz Olde und Fritz Mackensen, beide Mitbegründer der Worpsweder Künstlerkolonie. Die impressionistische Malerei hatte es ihm zunächst angetan, doch leider befindet sich aus dieser Zeit kein Bild in der Galerie. Freiberuflich beschäftigte er sich mit dem Expressionismus, wodurch er sich steigender Anerkennung in Kunstkreisen und der Öffentlichkeit erfreute. Sein Buch „Zeichenkunst und Zeichenunterricht“ gilt als Leitfaden für Zeichenlehrer, und es ist eine Mahnung an künftige Kunstschaffende, dieses Handwerk richtig zu erlernen. Seine Aquarelle und Kreidezeichnungen sind in der Galerie zu bewundern, einfühlsame Arbeiten, in der er die jeweilige Stimmung einfängt. Die Ölgemälde zeigen, wie er die Stilrichtung zu Beginn des 20. Jahrhunderts vom Impressionismus über den Expressionismus zur neuen Sachlichkeit bis zum expressiven Realismus assimiliert und auf die ihm eigene Art umsetzt.

Frieden und Harmonie strahlt dieses Bild aus:
„Bandoneonspieler mit Maske“. © Galerie Oltmanns
www.oltmanns.de
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