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Interview mit Modepapst Bernhard Roetzel

Mit dem „Modepapst“ Bernhard Roetzel sprach Dorothea F. Voigtländer von www.deutschland-deluxe.de.

Der Modestil der Briten hat ihn früh inspiriert Sein Buch „Der Gentleman“ erscheint weltweit in vielen Sprachen.

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© Headspace PR

Man nennt ihn „den Gentleman“ und das nicht ohne Grund: Denn nun wurde sein umfangreiches Werk „Der Gentleman“, das Handbuch der klassischen Herrenmode, 10 Jahre nach der Erstauflage zum zweiten Mal  im Tandem Verlag h.f. ullmann noch aktualisierter und umfangreicher verlegt, „das „Buch mit Stil“. Immer mehr zeigt sich, dass der richtige Dresscode Ansprüche an den Stil stellt, guter Geschmack ist gefragt, das richtige Outfit gehört immer mehr zum guten Ton. „Modepast“ nennt man Bernhard Roetzel auch, der in seiner Zweitauflage auf 360 Seiten in Bild und Text Informationen und Ratschläge gibt über den „maßgeschneiderten Herren“. Kurz: Faustregeln für den Dresscode in einer Zeit, in der seit langem jeder glaubte sich so ankleiden zu können, wie es ihm beliebt. Geht das? Dorothea F. Voigtländer, Chefkorrespondentin von www.deutschland-deluxe.de, sprach mit Bernhard Roetzel.

Frage: Familie und Schule prägen, hat die Modefrage bei Ihnen in Bad Oldesloe bei Lübeck begonnen und wann?
Es ging früher los. Wir haben Anfang der Siebziger Jahre in Südafrika gewohnt, dort habe ich erste Eindrücke vom farbenfrohen Stil der Briten gewonnen. Die Schüler der englischsprachigen Schulen hatten immer so schöne Uniformen mit viel Farbe, wir Deutschen trugen in unserer Schule dagegen Grau. Bei Sprachreisen nach England Ende der Siebziger habe ich mein Interesse amStil der Briten schon als Schüler weiter vertieft.

Frage: Mit Sachkenntnis haben Sie Ihr Buch in der Erstauflage schon vor zehn Jahren geschrieben, das jetzt in der Neuauflage wiederum weltweit in mehreren Sprachen übersetzt wurde. War das von Anfang an Ihr Ziel oder war das eine Überraschung?
Ziel des Verlages war es schon damals, dass das Buch in vielen Sprachen erscheint. Soweit ich mich erinnere, kamen Anfang 1999 neben der deutschen Fassung auch gleich Spanisch und Schwedisch mit heraus. Beide Sprachen haben sich hervorragend verkauft.

Frage: Manufakturen, Hersteller und Werkstätten finden ebenfalls ihren Platz in Bild und Text in Ihrem großen Buch, das in einer internationalen Anwaltskanzlei als „Duden“ für den gut angezogenen Anwalt bezeichnet wurde. Wie finden Sie das? Wenn mein Buch ähnliches Ansehen genießen würde, wie der "Duden", würde ich mich natürlich geehrt fühlen. Andererseits bin ich froh, dass die Regeln des Stils nicht von Leuten beeinflusst werden, wie jenen, die sich unserer Sprache angenommen haben. Anwälte sind übrigens nicht immer so gut gekleidet, wie sich der Laie das manchmal vorstellt. Viele sparen leider gerade beim Anzug.

Frage: Beurteilten Sie schon sehr jung und auch jetzt Ihre Mitmenschen danach, wie sie sich kleiden, man erinnere sich an die Novelle von Adalbert Stifter „Kleider machen Leute“? Ich beurteile niemanden nach seiner Kleidung, ich beobachte lediglich und ziehe dann Schlüsse. Das ist ein bisschen wie Detektivarbeit. Kleidung ist aber immer nur ein Aspekt von mehreren, die unsere Wirkung ausmachen. Und nie vergessen: Nackt kommen wir auf die Erde und nackt fahren wir wieder dahin.

Frage: Ganz allgemein sagt man auch: „Wie Du kommst gegangen, so wirst Du auch empfangen“. Immer häufiger ist heutzutage zu bemerken, dass immer mehr Mitbürger/Innen Wert auf guten Stil in ihrer Bekleidung legen. Darf es doch noch ein wenig lässig sein? Lässigkeit und korrekte Kleidung schließen sich nicht aus. Im Gegenteil: Elegant ist nur der, der in jeder Art von Aufmachung vollkommen entspannt und natürlich aufzutreten weiß. Lässigkeit darf aber nicht mit Nachlässigkeit einhergehen.

Frage: Die aktuelle Wirtschaftskrise macht es für viele Menschen notwendig, zu Vorstellungsgesprächen für einen neuen Arbeitsplatz zu gehen. Was ist hierbei im Blick auf die Bekleidung, auf Stil als Faustregel zu beachten? Man sollte sich vorher genau über die Bekleidungskultur des Unternehmens informieren. Wenn dort z. B. Anzug Pflicht ist, sollte man natürlich im Anzug erscheinen. Dabei dann lieber etwas overdressed erscheinen, also lieber im dunklen Zwirn als im hellen Sommertuch. Krawatte ist nach wie vor Pflicht, später kann man sie dann immer noch weglassen. Ich habe aber selbst in Berufsfeldern, in denen es eigentlich lockerer zugeht, bemerkt, dass korrekte Kleidung dort zwar auffällt, selten aber negativ. Ich war als Werbetexter mit meinen dunklen Anzügen eigentlich immer overdressed, das war dann aber Teil meines Images, da es bei mir nicht aufgesetzt war.

Frage: Sie sagen, dass es keine Kunst sei, sich als Mann richtig stilvoll zu kleiden, wenn die Grundregeln beachtet werden. Was sind die Grundregeln, um es auf einen kurzen Nenner zu bringen? Kleidung muss passen. Zum Anlass, zum Körper, zur Persönlichkeit und zum Budget. Ich finde es peinlich, wenn gut verdienende Führungskräfte im Billiganzug daherkommen. Man sollte immer so viel, wie möglich für seine Berufskleidung ausgeben, lieber sogar noch mehr, als man sollte.

Frage: Was sagt Ihre Frau dazu, haben Sie sich in dieser „Stilfrage“ gefunden, teilen sie beide diese Ansichten? Wir reden selten über diese Dinge. Aber ich glaube, sie mag meinen Stil und ich weiß, dass ich ihren Stil mag.

Frage: Es gibt sicherlich auch kontroverse Ansichten zu Ihren Vorschlägen und Informationen. Was kommt da auf sie zu und wie reagieren Sie darauf? Negative Reaktionen erlebe ich im persönlichen Gespräch so gut wie nie. Aber ich bin sicher, dass sehr viele Menschen nichts mit meinen Weisheiten anfangen können oder sie sogar für kompletten Unsinn halten. Das ist natürlich ihr gutes Recht und mir macht das überhaupt kein Kopfzerbrechen. Ich würde mich nur ärgern - und zwar über mich selbst - wenn man mir inhaltliche Fehler nachweisen würde.

Frage: Sie schreiben, dass Sie genau wissen, wie „Mann“ auszusehen hat. Werden Sie auch ein Buch schreiben wie „Frau“ aussehen sollte? Zu diesem Thema habe ich mit meiner Co-Autorin Claudia Piras schon mehrere Bücher geschrieben, z. B. "Die Lady" oder "Mein wunderbarer Kleiderschrank".

Frage: Wie sind Sie überhaupt zu diesem Themenbereich gekommen, Sind Sie gelernter Schneider, Tuchmacher, Kaufmann, wie ist Ihre ganz persönliche „Story“? Ich habe keinen Beruf gelernt, der mich für die Thematik qualifiziert, ich bin im wahren Sinne des Wortes Amateur und Autodidakt. Entgegen dem, was manche Leute vermuten, kann ich zwar einen Knopf annähen und ich habe auch schon einmal eigenhändig und mit Erfolg eine Hose gekürzt. Ansonsten weiß ich über Mode und Stil genauso gut Bescheid, wie z. B. ein Weinjournalist, der nicht Winzer ist, über Wein. Ich habe mich früher hobbymäßig und seit über 12 Jahren beruflich mit dem Thema befasst und einiges an Wissen angesammelt. Ursprünglich bin ich Diplom-Grafikdesigner und war als Werbetexter tätig.

Webseite: www.bernhardroetzel.de

Blog: bernhardroetzelblog.blogspot.com

E-Mail: info@bernhardroetzel.de

Buchrezension „Der Gentleman“ bei www.deutschland-deluxe.de

 

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