Der luxuriöse Genuss: Wenn Tassen Geschichte und Geschichten erzählen
Von Revolutionären und Reaktionären 1776 – 1830

Selbstbewußt schaut er von dieser schmuckvollen Tasse, Kaiser Napoleon I.; Sächsische Porzellan-Fabrik Potschappel, Ende 19. Jh
Zum Tee sind wir bei Kaiser Napoleon I. eingeladen, zum Kaffee bei Ludwig van Beethoven oder bei der bezaubernden Madame Jeanne Françoise Julie Adelaide de Récamier: Möglich macht das die zauberhafte Ausstellung von Tassen voller Geschichte und Geschichten des PorzellanMuseums in Selb, das Deutsche Porzellanmuseum in Hohenberg a. d. Eger. Hier wird einmal mehr deutlich, dass Tassen nicht nur leicht ersetzbare Trinkgefäße sind, sie sind dank dieser Ausstellung mit ihren vorzüglichen Darstellungen Zeugnisse des Lebensstils und des Geschmacks einer Epoche, Tassen als Zeitzeugen.
Diese Tassen erzählen Geschichte, politische Epochen werden illustriert, chronologische geordnet mit einer stilvollen Präsentation beispielsweise der französischen Revolution oder der amerikanischen und der damals lebenden Persönlichkeiten wie Thomas Jefferson oder der Marquis de La Fayette. Napoleon wird dargestellt in seiner Größe und vor seinem Fall, seine Freunde und Feinde, seine vielen einflussreichen Frauen wie seine Kaiserin Josephine und auch Madame Récamier, Namensgeberin der Récamière, auf der sie zu ruhen pflegte während ihrer intelligenten Konversationen.
Bei den Porträttassen fehlen auch nicht die Darstellung in klar erkennbaren Porträts von Joseph von Bayern und dem Preußischen König Friedrich Wilhelm III., einst mächtige Männer. Auf keinen Fall fehlen die Literaten und Denker, die Musiker, die in diesen Zeiten großen Einfluss in Europa hatten. Man erinnere sich an Kant, an Schiller, dessen 250. Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird, an Goethe und Herder, seine Freunde und natürlich an Ludwig van Beethoven oder Strauß.

Gebhard Lebrecht von Blücher ist auf dieser Tasse abgebildet, Fürst von Wahlstatt Arthur Wellesley, 1. Herzog von Wellington; Berlin; KPM 1815-1820
Die Porträttassen sagen viel aus mit ihren charaktertypischen Gesichtszügen der einzelnen Personen und den zeittypischen Geschmack wie Frisurenmode und Kleidung, Schmuck und Interieur. Prunkvoll und mit Meisterhänden gefertigt erfreuen sie heute den Betrachter, lassen historische Erinnerungen wachwerden bis hin zu Musikklängen der Eroica von Beethoven, die er ursprünglich Napoleon gewidmet hatte. Was für eine Geschichte, als er diese Widmung zurückzog! Das Deutsche Porzellanmuseum hat sich die Mühe gemacht im Rahmen seiner Ausstellung dieser Tassen mit Filmausschnitten und Hörbeispielen das Leben dieser dargestellten Tassenbemalungen noch näher an den Betrachter heranzubringen. Da werden auch launige Neuigkeiten mitgeteilt wie die Freude der Madame Tallien, die so gerne in Erdbeersaft badete oder der Herzog von Wellington, der die „Welliboots“ erfand. So werden Historie und launige Geschichten mit diesen Tassen dargestellt und „erzählt“. Glücklich kann sich derjenige preisen, der eine solche Tasse sein Eigen nennen kann, wenn Kaiser und Könige, Generäle und Zaren, Herzoginnen und Regentinnen aus üppig vergoldeten Tassen mit feinen Ornamenten geschmückt auf reich verzierten Untertassen auf uns herabblicken und damit wieder „neu auferstehen“. Da wird Geschichte mit vielen Geschichten lebendig, Grund genug, den Verantwortlichen des Deutschen PorzellanMuseums zu danken.

Er ist gut zu erkennen, jener stolze österreichische Kaiser Franz I., eine Tasse aus Wien 1829
Da kann man auch genüsslich über einen Ausspruch von Sokrates schmunzeln, denn er meinte einst, dass er mit seinen beiden Händen nachformen könne um eben daraus zu trinken. Einem spartanisch lebenden Philosophen mag man das glauben, doch dann fragt man sich angesichts der sichtbaren Kostbarkeiten, ob sich der große Denker hier sich nicht doch irrte? Also lieber Tassen mit großen Persönlichkeiten und ihren Porträts, mit Geschichte und Geschichten, damit sie nicht vergessen werden.
www.porzellanikon.org
Fotos: © Deutsches PorzellanMuseum in Hohenberg a. d. Eger
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