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Guter Wein für alle zu erschwinglichen Preisen

Das Languedoc – Geheimtipp der Weinkenner

Macht sich der Freund eines delikaten Rotweins von Kehl ausgehend in Richtung Süden auf den Weg, sieht er sich erst einmal den dünnen, säuerlichen Gewächsen des Elsass ausgesetzt. Schnell gibt er Gas und landet im Burgund - Gevrey-Chambertin, Vosne-Romanée, Chambolle-Musigny... - er ist im Paradies. Eleganz, Finesse, Komplexität, Länge - es gäbe keinen Grund, die Reise fortzusetzen, wären da nicht diese unerträglich hohen Preise. Also packt er den Tiger in den Tank und fährt weiter. Kaum hat er in den fünften Gang geschaltet, kommt schon Beaujolais. Ha! Kenn‘ ich! Brauch ich nicht! Trink ich nicht! Also weiter.

Hinter Lyon warten die ersten ernsthaften Versuchungen auf unseren Weinfreund. Abfahrt Ampuis? Na klar! Lange keinen Côte-Rôtie mehr getrunken. Aber die Preise! Das war schon mal anders und nicht schlechter als heute. OK, es gab weniger Spitzenwinzer, doch waren die Weine wenigstens erschwinglich. 40 Euro? Trinkt ihn doch selber! Dann doch lieber einen Burgunder, denn elegant und fein ist es hier wirklich nicht. Also fährt unser Weinfreund weiter nach Süden auf der altbekannten Route Nationale 7, auf der wir als Studenten in den 70er und 80er-Jahren mit unseren klapprigen VWs nach Südfrankreich fuhren, um die Autobahngebühr zu sparen. Da, Tain l’Hermitage! Wieder ein großer Name… - doch wo bleibt die Finesse? Na ja, bei J.-L. Chave gibt es sie, doch uns verkauft er keinen Wein.

Immer weiter nach Süden

Also gibt es nur eins: Ab auf die Autobahn in Richtung Avignon. Hier warten ein paar Flaschen nette Châteauneuf-du-Pape auf uns, die wir gerne in kleinen Schlückchen zu einem kräftigen Gericht zu uns nehmen. Doch deutlich beschwert sich die Urlaubskasse. Es muss eine andere Lösung geben - und die ist fast erreicht - Languedoc. Spontan entfallen jegliches ureuropäische Kastendenken sowie Vorurteile. Jetzt geht es vor allem um den persönlichen, um den geschulten Geschmack.


Frühjahr im Gebiet des Pic Saint Loup
Foto: Klaus W. Schmidt

Doch das Languedoc ist uns gnädig gesinnt. Es gibt kaum schlechte Weine. Wer nach einem "Languedoc" verlangt, hat sehr gute Chancen, einen trinkbaren Rotwein zu bekommen. Wer an die aromatische Komplexität und Persönlichkeit eines Weines höhere Ansprüche stellt, findet hier eine Vielzahl erschwinglicher, idiosynkratischer – soll so was heißen wie individueller - Gewächse.

Das Languedoc bietet fast Alles

Den meisten Languedoc-Weinen gemein ist eine ausgeprägte Frucht, die von kräuterigen Aromen unterlegt ist. Dies beginnt mit tanninbetonten Weinen aus den Costières de Nîmes, um in (manchen) fast portweinartigen Gewächsen aus dem Roussillon zu münden. Das Beste am Languedoc ist, dass es in jedem seiner Winkel Weine gibt, die an attraktive Gewächse aus südlichen Gefilden erinnern - jeweils deutlich günstiger zu erstehen, als die Vorbilder - und doch immer mit einer languedoc-typischen eigenen Note versehen sind.


Das kleine Weingut Mas Thélème am Pic Saint Loup
Foto: Klaus W. Schmidt

Wer einen châteauneufartigen Wein schätzt, wird in der Umgebung von Montpellier fündig. Sind an einen schönen Bordeaux erinnernde Nuancen gefällig? Kein Problem. In Cabardès kann sie unser Weinfreund finden. Oder ist es doch eher die burgundische Delikatesse? Dann ab in die Pyrenäen - in Limoux hat der Pinot Noir ideale Bedingungen! Und dass eine ausgezeichnete Blanquette de Limoux an einen netten Champagner heranreicht, ist wohl bekannt. Wer einen Crozes-Hermitage schätzt, wird sicher keinen Syrah aus Aniane zurückweisen. Sogar Parallelen zu hervorragenden libanesischen Weinen können sich aufdrängen, wenn ein üppiger Roussillon im Glase geschwenkt wird. Gut, das mit dem Riesling klappt nicht so richtig, doch umso besser mundet ein üppiger, weicher Viognier, der entfernt an einen Condrieu erinnern kann.

Im Mikrokosmos des Languedoc findet nicht nur der Weinfreund eine breite Palette an Geschmacksrichtungen, und dies meist zu versöhnlichen Preisen. Zwar wird die absolute Qualität der großen Vorbilder selten erreicht, doch macht es immer Spaß, nach der ersten Flasche Languedoc eine zweite zu öffnen!

 

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