
Von Ute Fischbach-Kirchgraber
Mit einer Überraschung begannen die Münchner Opernfestspiele. Denn wer auf irgendwelche skandalösen Regie-Exzesse wie die pinkelnden Hexen in "Macbeth" wartete, sah sich gründlich enttäuscht. Die Eröffnungspremiere von "Tosca" in der Regie von Luc Bondy (bereits Metropolitan und Scala erprobt), überließ nämlich Puccinis überwältigender Musik das Feld und beschränkte sich darauf, den Sängern eine kluge Kammerspiel-Atmosphäre zu eröffnen. Und um ein Kammerspiel geht es ja, wenn die eifersüchtige Tosca hinter ihrem geliebten Maler Mario Cavaradossi her spioniert und dem bösen Baron Scarpia damit auf dem Präsentierteller serviert. Bedrückend das enge hohe Bühnenbild, das Kirche und Verließ gleichermaßen bedeutet, der beängstigende Prunk mit dem die Geistlichen ihre Prozession mit der Mutter Gottes veranstalten, die sich Scarpia in seinem Machtrausch einfach krallt, ehe er sich nach eher lustlosem Geplänkel mit ein paar Damen des horizontalen Gewerbes an Tosca heranmacht.
Zum Buhen gab es also für die paar Festentschlossenen keinen wirklichen Grund. Zum Jubeln allerdings auch keinen uneingeschränkten. Denn so strahlend Jonas Kaufmann auch seinen Cavaradossi gestaltete, Karita Mattila als Tosca verfügte nicht über die nötige charismatische Leidenschaft, um mitzuhalten. Folglich blieb auch Juha Uusitalo als Bösewicht Scarpia etwas weniger gewaltig. Doch was soll´s, wenn Dirigent Fabio Luisi das Orchester zu filigranen Höchstleistungen animiert, ist die Musikwelt in Ordnung.

Gespannt war man auf das perfekte Opern-Glück warten, denn die Crème de la Crème der Sängerriege gab sich noch bis zum 31. Juli ein Stelldichein. Neben Jonas Kaufmann waren das vor allem Rolando Villazon, Ramon Vargas, Edita Gruberova, Anja Harteros und Nadja Michael,. Werke von Mozart, Verdi, Wagner und Donizetti garantieren des klassische Hörereignis, während sich die Regie bisweilen aufmüpfig dagegenstemmt und Lohengrins Elsa schon mal in einen Blaumann packt oder versucht, aus den Soldaten in "L´Elisir d´Amore" einen gefährlichen Haufen bei einer Strandparty zu machen.
Doch es gibt auch wohlklingende Neuentdeckungen wie Francis Poulencs "Dialogues des Carmélites", wo eine verstörte junge Frau Zuflucht sucht und, so die Regie will, in eine Sekte gerät. Fabelhaft ebenfalls Giovanni Simone Mayrs wiederentdeckte "Medea in Corinto". Dagegen zeigt die Oper Stacheln mit einer veritablen Uraufführung, Peter Eötvös "Tragödie des Teufels" und all den experimentellen Begleitungen im neuen "Pavillon 21 MINI Opera Space", der hinter der Staatsoper auf dem Marstallplatz wie ein gelandetes Raumschiff zu Phantasien und Verführungen lockt.
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