Skip to main content

Fides Krause-Brewer feiert 90. Geburtstag

Wer kennt sie nicht: Die berühmte Journalistin Fides Krause-Brewer, die am 1. August ihren 90. Geburtstag feiert! „Mein Terminkalender ist so voll wie bei einem Manager“.

fides-krause-brewer-zdf-bonn

„Ich bin auf Sendung im neuen Hauptstadtstudio in Bonn. Vieles war bei unserem Start 1963 - am 1. April 1963 war die Nullsendung - noch provisorisch im Fernsehstudio Bonn des ZDF in der Oelbergstraße, unweit vom Bundeshaus. © Foto: Zweites Deutsches Fernsehen

Von Dorothea F. Voigtländer

Beim letzten runden Geburtstag sprudelte es nur so aus ihr heraus: „Mein Terminkalender ist so voll wie bei einem Manager“. Da wurde sie 80 Jahre „jung“ und war so voller Tatendrang und Ideen, wie viele ihrer Wegbegleiter, Kollegen und Kolleginnen und ihre Familie sie kannten und kennen. Das hat sich bis heute nicht geändert. Ihren Computerkurs hat sie hinter sich, denn im Internet surft sie gerne und zielsicher. „Das muss man heute einfach können“, sagt sie. Aber noch lieber würde sie sich an der Universität für das Fach Musikwissenschaften einschreiben, sagte sie noch vor zehn Jahren, und in der Tat, die Musik hat sie von Kindesbeinen an geliebt und engagiert sich bis heute dafür. Eigentlich wollte sie schon als junges Mädchen Musik studieren, es lag ihr sozusagen „im Blut“, denn der Vater war Musikkritiker, die Mutter Journalistin.

So stand ihr ganzes Leben im Zeichen der Musik und der Journalistik, bis heute. Und bis heute bekannte Bücher hat sie auch geschrieben, die immer noch aktuell sind, wie „Das Rentenrisiko“ oder „Vom Brahmsee bis Shanghai“, „Älter werden, jung bleiben“, was auf sie in ganz besonderem Maße zutrifft, oder „Der deutsche Außenhandel sucht neue Wege: günstige Prognosen für den Welthandel“ und dann die Stadt, in der sie bis heute lebt: „Bonn: Inter Nationes 1995“, ein Buch, das ins Englische, Französische und ins Spanische übersetzt wurde. Über erfolgreiche Unternehmer hat sie geschrieben, über 18 Präsidenten deutscher Wirtschaftsverbände, über die Soziale Marktwirtschaft. Wirtschaft und Frauenpolitik standen immer an erster Stelle bei ihr. Das war auch der Grund, warum vor der Startstunde des Zweiten Deutschen Fernsehens am 1. April 1962 Fides Krause-Brewer in das damalige Hauptstadtstudio Bonn gerufen wurde, „obwohl ich vom Fernsehen überhaupt keine Ahnung hatte.“ Doch es klappte gleich bei der ersten Sendung, der Erfolg auch in diesem Medium sollte ihr Recht geben. „Mein zweites Leben ist jetzt der Musik gewidmet“, sagt die Journalistin, die den Verein „Freunde der Oper“ in Bonn gründete, und die sich engagiert hat und es immer noch tut in der Bürgerinitiative „Bürger für Beethoven“, womit das Internationale Beethovenfest in Bonn gerettet wurde. Die Beethovenstadt Bonn hat damit „ihren“ Beethoven behalten. Und auch heute stehen Themen für Artikel in Hülle und Fülle auf ihrem Programm, Zeitungs- und Zeitschriftenredaktionen fragen nach ihren Beiträgen: Fides Krause-Brewer ist nach wie vor eine gefragte Journalistin. Sie feiert am 1. August ihren 90. Geburtstag. Millionen von Fernsehzuschauern ist sie bekannt, seitdem sie 1962 zum Zweiten Deutschen Fernsehen kam und aus dem damaligen Hauptstadtstudio Bonn berichtete. Schon vorher hatte sie durch ihre Beiträge beim Hörfunk von sich reden gemacht, wie auch mit ihren Artikeln seit 1948, seitdem in Bonn die Politik gemacht wurde. Sie war dabei und gehörte dazu, schrieb, sprach und sendete über Wirtschafts- und Sozialpolitik und kämpfte für die Gleichberechtigung der Frau. Frauenpolitik war sozusagen ihr erstes politisches Thema, als sie damals jede Woche aus Bonn „für und über die Frauen“ berichtete. Und als sie mit 60 Jahren beim ZDF „ihren Ruhestand“ beginnen sollte, schaffte die bemerkenswert schlagfertige Frau es, die „Gleichberechtigung“ auch beim Fernsehen durchzusetzen: „Männer dürfen schließlich auch bis 65 arbeiten“, sagte sie kämpferisch und drohte mit einem Arbeitsgerichtsprozess. Doch das war nicht mehr nötig. Und als sie dann mit 66 selbst aufhören wollte, „da wollten die nicht“, lacht sie heute noch amüsiert. Eine Journalistin, die Vergnügliches vergnüglich von sich gibt als ihr Markenzeichen. Über sich selbst spricht sie eigentlich nie, doch wenn, dann öffnet sich ein Geschichtsbuch von Erlebnissen. Bis heute ist sie tief beeindruckt von ihren „Lehrstunden“ bei Bernhard Dernburg, einst Leiter des Kolonialamtes, später, 1919, Reichsfinanzminister und Vizekanzler - ihr Großvater, der durch das herrschaftliche Haus in Berlin-Grunewald rief: „Komm Fidi, wir wollen uns gebildet unterhalten.“ Fides heute: „Und das taten wir dann auch“, erinnert sie sich. Stunden, die sie geprägt haben. Ein großes Ölgemälde ihres Großvaters hängt gegenüber ihrem Schreibtisch in ihrem Haus am Fuße des Siebengebirges: Sie schauen sich beide noch heute tiefsinnig in die Augen. Im Nymphenburger Schloss in München wurde sie 1919 als Fides Hofer geboren, damals eine „Notwohnung“, wie sie ironisch lachend erzählt. In München studierte sie zunächst Chemie; ihr Großvater mütterlicherseits war Professor für Zoologie gewesen. Doch dann studierte sie Volkswirtschaft - mit gemischten Gefühlen, denn ihr Vater war Musikwissenschaftler und Musikkritiker. Sie wollte eigentlich auch Musik studieren, schaute aber auch gerne ihrer Mutter beim Artikelschreiben für die Vossische Zeitung über die Schulter. Als dann ihr Ehemann, der als erster Lobbyist der Shell AG in Bonn galt, ins Bundespresseamt wechselte, schaffte es Fides Krause-Brewer als junge Mutter, mit nur einem einzigen Artikel über Amerika auf sich aufmerksam zu machen. „Zufall“ nennt sie es heute. Nur nebenbei erwähnt sie ihre Ehrungen mit dem Großen Bundesverdienstkreuz und den Ludwig-Erhard-Preis, den sie 1979 für ihre publizistische Arbeit erhielt. Witzig und amüsant erzählt sie über kontroverse Diskussionen eigener Publikationen und vieler Sendungen zu Frauenthemen, Wirtschaftspolitik und Rentenfragen. Von ihren Büchern ist das Werk „Rentenrisiko“ im Seewald Verlag erschienen, heute „die Rentengeschichte“. Fides Krause-Brewer wusste, worüber sie schrieb, und heute ist sie aktueller denn je. Denn die Rentendiskussion ist „in“. Ihr Buch über Politikerporträts „Vom Brahmsee bis Shanghai“ widmete sie ihrer Tochter Sibylle, „leidgeprüfte Tochter einer Journalistin“. Die Großmutter dreier Enkel und eines Urenkels fühlt sich nach dem Politikumzug von Bonn nach Berlin „doppelt bestraft“. Politiker und Kolleginnen und Kollegen zogen fort aus Bonn, doch sie hat viele andere gefunden und ist nach wie vor Mitglied in der Bundespressekonferenz, in der Bonner Dependance des Berliner Presseclubs.  Sie hat viele neue Freunde gewonnen und ihr Terminkalender beweist, dass es für sie immer noch keinen „Ruhestand“ gibt, „denn eine Journalistin ist man immer“. Und das soll auch so bleiben, Bonn-Berlin-Umzug hin oder her, der Themenwald muss noch gefällt werden. 90 Jahre und kein bisschen ruhiger, immer schlagfertig, witzig, lästert sie immer gerne, amüsiert sich, ist eine unwiderstehliche und informative Gesprächspartnerin, eine Frau, deren ausgefallener Vorname zum Markenzeichen wurde. Ihrer Mutter gefiel in Gottfried Kellers Novelle „Hadlaub“ der Name eines Mädchens in dieser Liebesgeschichte, einer gewissen Fides von Schwarz-Wasserstelz, so gut für ihre eigene Tochter. Wie Recht die Mutter doch hatte, wie man heute weiß. Der Geburtstagswunsch der heute 90-Jährigen: „Ich wünsche mir, dass ich noch lange in meinem Haus den wunderbaren Blick auf das Siebengebirge genießen kann“.

 

Frage & Antwort Community


Melde Dich jetzt in unserer Community an und stelle Deine persönliche Frage!

Egal ob Urlaub und Hotels, Essen & Trinken oder die neuesten Fernseh- und Unterhaltungstrends -

Hier ist für jeden etwas dabei!
Jetzt mitdiskutieren!
 

Ich bitte um einen Antwort. Vielen Dank. Grace Wieck-Schlacht

In browsen im Internet nach information über mein Ur-grossvater Bernhard Dernburg, stolperte ich über diesen Artikle. Mein Vater, Herman Wieck geb. 1908-gest.1998, hat öfters die Name `Fides´ in unsere Konversationen über die Familie erwähnt. Sein Mutter, Luise Dernburg verh. Wieck, war die jüngere Schwester von Bernhard Dernburg. Wäre es möglich meinen Kommentar an Frau Krause-Brewer zu übermitteln? Vielen Dank. Hochachtungsvoll, Grace Wieck-Schlacht

Ihre Meinung ist gefragt - Jetzt mitdiskutieren:

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
  • Weitere Informationen über Formatierungsoptionen
  • Zulässige HTML-Tags: <a> <em> <strong> <cite> <code> <ul> <ol> <li> <dl> <dt> <dd>
  • Zeilen und Absätze werden automatisch erzeugt.

Mehr zum Thema