
Es ist eine ganz besonders große Ehre für Václav Havel, dem ehemaligen tschechischen Staatspräsidenten, denn er wird der erste Träger des Internationalen Demokratiepreises Bonn sein. So jedenfalls verkündeten es Vorstand und Kuratorium des gleichnamigen Vereins am 10. März 2009 in Bonn. Damit würdigt die Auszeichnung den couragierten Einsatz von Havel für Demokratie, Freiheit und Frieden in seinem Land und in der Beziehung zu Deutschland und Europa.

Erik Bettermann, Vorsitzender des vor zwei Jahren gegründeten Vereins und Intendant der Deutschen Welle, betont, dass Havel zu den bedeutendsten Staatsmännern des ausgehenden 20. Jahrhunderts zähle. „Der Schriftsteller, friedliche Widerstandskämpfer und Politiker Václav Havel hat Geschichte erlebt und selbst Geschichte gemacht“, begründete Bettermann die Juryentscheidung. Er habe für freiheitliche Ideale, für Demokratie und Menschenrechte gekämpft und dafür jahrelang im Gefängnis gesessen. Vom Chemielaboranten und Taxifahrer zum Dramatiker und Staatspräsidenten - erst der Tschechoslowakei, ab 1993 der Tschechischen Republik, - so liest sich die Kurzfassung der ebenso bemerkenswerten wie ungewöhnlichen Biographie dieses überzeugten Europäers.

Als Vorreiter der 68er Revolution in der damaligen Tschechoslowakischen Sozialistischen Republik und als führender Kopf der Demokratiebewegung nach der Niederschlagung des „Prager Frühlings“, kostete ihn sein Kampf gegen den Kommunismus zwar einerseits die Freiheit, andererseits aber machte ihn dies auch nachhaltig zur Symbolfigur für Demokratie. 1990 führte er sein Land zu den ersten freien Wahlen und vollendete damit den lange umkämpften Demokratisierungsprozess.
In seiner Amtszeit als Präsident trat Havel in Dialog mit der Bundesrepublik Deutschland und für die Versöhnung beider Länder ein und begann mit einer Politik ‚der offenen Hand’ die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit in beiden Staaten.

Václav Havel hat den mit 10.000 Euro dotierten Preis am 24. April im Lichthof des Museums Koenig in Bonn vor 200 hochrangigen Gästen entgegen genommen. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hielt die Laudatio, Hans-Dietrich Genscher hat in einen Rückblick auf die Umwälzungen in Europa während der Präsidentschaft Havels aufgezeigt und im Anschluss an die Preisverleihung wird NRW Ministerpräsident Jürgen Rüttgers den Preisträger bei einem festlichen Abendessen auf dem Petersberg würdigen.
Der Preis, der die Form einer Glasskulptur hat, wurde von Studenten des staatlichen Berufskolleg Glas-Keramik-Gestaltung des Landes NRW nicht nur entworfen, sondern auch hergestellt. An der Stirnseite des ca. 20 cm hohen und aus massivem Glas hergestellten Objekts, ist eine stilisierte parlamentarische Sitzordnung eingearbeitet.

Mit dem Preis, der alle 2 Jahre vergeben wird, soll die historische Bedeutung der Stadt Bonn als Wiege der bundesrepublikanischen Demokratie gestärkt werden. Mit dieser Geste wird die historische Bedeutung des „alten Bonns“ auch im „neuen Bonn“ dokumentiert und gewürdigt. - Mit der Wahl des Museum Koenig für die Preisverleihung aber soll an die Arbeit des Parlamentarischen Rates erinnert werden, denn 1948 begann dieser hier die Beratungen des Grundgesetzes!
Text + Fotos © Ulrike Luecke-Bongartz
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