Zu Weihnachten und Neujahr: „Frohes Fest und Guten Rutsch!“
Eine bunte Welt „en miniature“ mit besinnlichen und fröhlichen Darstellungen zum Weihnachtsfest und Jahreswechsel. Der Siegeszug der Weihnachts- und Neujahrskarten startete in England und begann mit einem handfesten Skandal
Aktuell ist diese Ausstellung im Volkskundlichen Gerätemuseum in Bergnersreuth, wo eine überaus sehenswerte und auch geschichtlich nachvollziehbare Ausstellung mit über 300 Weihnachts-, Neujahrs- und Nikolauspostkarten den Wandel dieser beliebten Grußform in den vergangenen 100 Jahren aufzeigt. Und das in vielen Bereichen: in der Mode, der Technik, der Einrichtung der Wohnungen und auch des jeweiligen Zeitgeists. So wird diese Präsentation zu einem einzigartigen Erlebnis.
Der Nikolaus war schon immer für Kinder aller Generationen ein wichtiger Himmelsmann, sehnsüchtig erwartet mit seinen Geschenken, wie diese schöne, alte Postkarte zeigt.
Dabei begann diese neue Art der Grußform mit einem handfesten Skandal im viktorianischen England! Unter der Regentschaft Queen Victorias brachte 1843, Sir Henry
Cole, ein enger Vertrauter des Königspaares und rühriger Staatsbeamter die erste Weihnachts- und Neujahrsgrußpostkarte auf den Weg. Illustriert wurde sie von einem Mitglied der Royal Academy, John Callcott Horsley. Das, was er auf der ersten Weihnachtspostkarte darstellte, sorgte für helle Aufregung im prüden viktorianischen England: Denn bei einer Familienfeier trank ein Kleinkind Wein! Was für ein Affront! Die Zeiten waren eben anders!
Ein Festtagsspruch passend zur Weihnachtszeit auf Wunschkarten schon anno dazumal.
Und dennoch: Die Nachfrage nach der 4100-mal gedruckten Karte war jedoch so groß, dass die Weihnachtskarte von England aus Ihrem Siegeszug in aller Welt antrat. 1875 wurde die erste ihrer Art von Louis Prang in den USA herausgegeben, die erste gedruckte Weihnachtskarte des Weißen Hauses gab Präsident Dwight D. Eisenhower 1953 in Auftrag.
Die dargestellten Themen reichen von familiären Weihnachtsfeiern, über religiöse Motive, Wintersportszenen bis zu patriotischen Darstellungen zu Zeiten des Ersten Weltkrieges. Eine Besonderheit der Ausstellung ist auch diejenige, die von Prinzessin Hildegard von
Bayern, damals Lazarettschwester, verfasste Weihnachtskarte. Mitfühlend schildert sie die Sterbebegleitung eines von Ihr gepflegten Soldaten der vom Tode erschütterten Familie. Hildegard von Bayern erhielt 1915 als Auszeichnung für ihr Engagement
bei der Pflege der verwundeten Soldaten die „Rote-Kreuz-Medaille III. Klasse” aus den Händen Kaiser Wilhelm II.
Ein Weihnachtsfest ohne Weihnachtsbaum, das ging nicht. Er ist mit der Krippe das Wichtigste zum schönen Familienfest.
Doch zum Frohen Weihnachtsfest oder zum „Rutsch ins Neue Jahr“ gab es selbstverständlich auch die heiteren Mitteilungen, die den Besucher erfreuen. So wie jene von Mitzi aus
Wien, die Ihrem Liebsten eine Karte mit Dackel im Nikolauskostüm mit dem Gruß „mit 1000 Rutenstreichen von deiner Mitzi“ schickte.
Der Schnee und der Schlitten mit der fröhlichen Kinderschar gehörten damals einfach zum Weihnachtsfest, wie diese hübsche alte Postkarte zeigt.
Von besonderer Bedeutung sind auch die Grüße von Auswanderern aus dem Fichtelgebirge in die USA, die auf diese Weise Kontakt zu Ihren Verwandten in der Heimat hielten. Neben Leihgaben von Postkartensammlern und Familien aus der Region sind es vor allem die Exponate aus dem Deutschen Weihnachtsmuseum in Rothenburg ob der Tauber, die die Ausstellung um Besonderheiten, wie zum Beispiel „Halte-ins-Licht-
Karten“ bereichern.
Ein liebevoll gebastelter Weihnachtsstern war der Gruß an die Lieben.
Mehr Informationen:
Museumsleiterin Dr. Sabine Zehentmeier
zehentmeier@fichtelgebirgsmuseum.de
www.bergnersreuth.de
Wer wünscht sich nicht ein gute Neues Jahr? Hier eine Postkarte, wie sie auch heute beliebt ist.
© Bilder: Volkskundliches Gerätemuseum Arzberg/Bergnersreuth (bis 2. Februar 2010)
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