„Vom Expressionismus zur Abstraktion und zurück“
Die Galerie Oltmanns zeigt Werke von Maria von Heider - Schweinitz
Sie hatte ein schweres, ein tragisches Leben, sie erlebte zwei Weltkriege und die Verachtung ihrer Kunst im Regime des Nationalsozialismus: Johanna Maria Lina Gräfin von Schweinitz und Freiin von Kauder, die am 20. Februar 1894 in Darmstadt als Tochter eines Generals geboren wurde. Das hörte sich zunächst einmal ganz gut an. Doch das Schicksal meinte es nicht gut mit dieser Künstlerin, die zunächst bei Georg Mosson in Berlin ihre erste künstlerische Ausbildung erfuhr und 1915 den Offizier Karl von Heider heiratete. Sie sollte zwei Brüder und dann ihren Vater im Ersten Weltkrieg verlieren, später ihre Tochter und dann ihre beiden Söhne, dann ihren Ehemann während einer Operation, bis sie selbst am 5. Dezember in Frankfurt am Main fast 81-jährig an Herzversagen stirbt. Ein schweres Leben voller Kummer, und doch: Ein pralles Künstlerleben, das ihr aber nicht die Ehre und Anerkennung gab, wie sie es eigentlich verdient hätte.

Während ihres Bildhauerunterrichts am Städel (Frankfurt) bei Georg Scheibe erkannte dieser ihr malerisches Talent und vermittelte ihr den Kontakt mit dem Künstler Karl Schmidt-Rottluff. Eine lebenslange Freundschaft begann, die sich durch ihr persönliches und künstlerisches Schaffen wie ein roter Faden hin durch zieht. Das muss ihr die notwendige Kraft gegeben haben für ihre zahlreichen Werke, denn wie die meisten Künstler ihrer Generation untersagten die Nationalsozialisten ihr die Berufsausübung ab 1933. Wie so viele andere dieser Künstlergeneration durchlebte sie auch eine Innere Emigration. Ohne die Möglichkeit, ihre Werke auszustellen und verkaufen zu können geriet sie auch in Vergessenheit. „Entartet“ nannte man diese Kunst, die sich in jener Zeit entwickelte, was noch kritischer dadurch wurde, dass sich die Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts sehr schwer getan hatte, eine stilistische Einordnung dieser Künstlergeneration in der Nachfolge der Expressionisten zu erklären.

Bis heute ist dies eine immer noch schwer vermittelbare Kunst, und darum hat sich der Galerist Teo Oltmanns es sich zur Aufgabe gemacht, gerade Künstlerinnen und Künstler dieser Zeit und Kunstrichtung mit Ausstellungen einem breiten Publikum vorzustellen. So auch die Werke von Maria von Heider - Schweinitz. Der Einfluss ihres lebenslangen Kunstfreundes Karl Schmidt-Rottluff ist in ihren Werken klar herauszuspüren. Doch im Gegensatz zu ihm setzte sie sich sofort nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges mit den neuen Kunstrichtungen, vor allem der Abstraktion, auseinander. Sie zeigt sich voller Experimentierfreude, arbeitet immer wieder mit neuen Techniken, was alle ihre Arbeiten jedes für sich besonders spannend macht.
Oltmanns bei der Vernissage: „Mit dieser Ausstellung soll der Versuch unternommen werden, die stilistischen Veränderungen im Werk der Künstlerin nach dem Zweiten Weltkrieg zu verdeutlichen“. Das ist ihm gelungen. Denn der Konflikt, in dem sich die Malerin ab 1945 befand, der Konflikt zwischen Expressionismus und Abstraktion und später wieder zurück zu ihren Ursprüngen, spricht den Betrachter aus ihren Werken immer wieder an und macht diese Arbeiten darum so spannend. Einmal sind die Motive klar verständlich, dann wieder sind sie in einer nicht mehr gegenständlichen und definierbaren Form absolut abstrakt und nur mit Fantasie zu deuten. Je älter die Künstlerin wird, umso mehr findet sie wieder zum expressiven Realismus zurück, dennoch ist der Unterschied zu ihren ersten, frühen Arbeiten in dieser Stilart deutlich zu erkennen. Oltmanns: „Die Konturen der Gegenstände sind meistens weniger scharf als früher und die Farben kontrastreicher. Leger ausgedruckt: Es bleibt etwas von dem Abstrakten haften“.

Daher auch der Titel dieser Ausstellung: „Vom Expressionismus zur Abstraktion und zurück“. Das passt. Auf eines ihrer letzten Bilder machte der Galerist besonders aufmerksam: Das Paar „Karl und Maria“, wo sie sich - im Alter vereint - mit Karl Schmidt-Rottluff darstellt. Dieses Bild ist wie eine Hommage an ihren Entdecker, ihren Mentor, ihren Kritiker und ihren Freund – ein Bild das anrührt, eine Ausstellung, die nachdenklich macht.
Diese Ausstellung ist bis zum 26. Juli 2008 in der Galerie Teo Oltmanns zu sehen, Scheurener Straße 25 in 53572 Unkel, Tel. 02224-78691; Fax 02224-72348 Öffnungszeiten: Di.- Sa: 15-18.30 Uhr und nach Vereinbarung oder rund um die Uhr im Internet: www.oltmanns.de
Fotos: Galerie Oltmanns
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