Das Feuermal
Von Dorothea F. Voigtländer
Mit seinem vierten Buch lockt der Buchautor Wolfgang Kaes seine Leser wieder einmal mehr in eine spannende und atemberaubende Geschichte, es ist eine aufregende und auch humorvolle und mit viel Hintergrund geschriebene Geschichte, die der Erfolgsautor Wolfgang Kaes mit diesem seinem vierten Roman jetzt seiner Leserschaft präsentiert: „Das Feuermal“. Der Titel ist genauso doppeldeutig wie der Inhalt erzählt wird, eine zunächst vordergründige Geschichte, die sich auffächert in einen viel-gesichtigen Thriller, der mit Intelligenz und Anspruch geschrieben wurde, ein Buch, das nicht nur von einem Ereignis zum nächsten jagt, sondern auch die Hintergründe aufleuchten lässt. Kurz: Es ist kein Thriller nach dem Muster so vieler anderer. Davon setzt sich Kaes ganz klar ab.
Wolfgang Kaes, der bereits mit seinem ersten Buch „Todfreunde“ 2004 das große Interesse der Leserwelt auf sich zog und dem Rowohlt-Verlag die Freude machte, genau hier zu erscheinen, ist ein Autor ganz besonderer Art. Es geht ihm nicht um reißerische Fakten, es geht ihm auch um den einzelnen Menschen, seine Freuden, sein Schicksal, seine Tragik. Das ist ein völlig neuer Aufschwung im Bereich des Thrillers. Für diese Art zu schreiben müsste man einen ganz neuen Namen erfinden, die Kennzeichnung Thriller ist hier zu einfach.
Das hat Wolfgang Kaes auch mit seinem zweiten Buch „Die Kette“ 2005 bewiesen, hat einmal mehr aufhorchen lassen in der Literaturlandschaft, wie auch mit seinem dritten Buch „Herbstjagd“ 2006. Spätestens dann waren seine Leser schon süchtig geworden nach Neuem, das er jetzt mit seinem Neuling „Das Feuermal“ präsentiert, ein Buch, das, vielschichtig strukturiert, auch den anspruchsvollen Leser, und gerade ihn, mit viel Wissenswertem aus Kunst und Geschichte, von Ländern und Orten, die der Autor persönlich sehr gut kennt, zu überzeugen weiß.
Es liest sich zunächst so einfach, wenn der Leser auf der Rückseite die kurze Inhaltsangabe liest, dass es sich in diesem Buch um ein gestohlenes Gemälde handelt, um einen Kommissar, der dieses wertvolle Bild aufspüren soll, um es seinem rechtmäßigen Eigentümer zurückzubringen. Doch schon nach spätestens einer Leseseite gleich zu Beginn dieses neuen Werkes von Wolfgang Kaes schleicht sich das Gefühl einer dunklen Vergangenheit dieses Bildes und seiner Geschichte ein, bis schließlich der Kommissar bei seinen Recherchen selbst in den Strudel einer sich immer weiter ausbreitenden Rückblende in das dunkle Geheimnis seiner eigenen Familie gerät. Dann begreift er, dass der Mann mit dem Feuermal ihn als Schachfigur in seinem perfiden Rachefeldzug eingeplant hat. Und immer hat der Leser das Gefühl, als ob der Autor sich selbst einbringt in diese Geschichte(n) mit ihren absolut glaubhaften Charakteren, die ihre Kanten und Ecken haben, die aber auch witzig sein können und sanft. Wie ein Film läuft die Geschichte dieses angeblichen Bilderraubes ab, der Leser wird in einen Strudel der Ereignisse gezogen, der zurück in die Geschichte geht, diejenige einer Familie aber auch Deutschlands. Wolfgang Kaes ist ein Kenner seiner von ihm geschriebenen Landschaften und Orte, nichts ist fiktiv und genau das macht auch dieses vierte Buch von ihm so attraktiv und erhöht die Spannung mit jeder Seite mehr bis hin zum Ende und zur „Auflösung“.
Also ist dies ein echter Thriller, ein Krimi? Ja, das ist es, dennoch ist dieses Buch noch mehr. Neben der stets lauernden Bedrohung, neben der Brisanz, aus dem gnadenlose Krimis geschrieben werden, hält dieses Buch mit elektrisierender Spannung auch die leisen Töne an der Spitze, manchmal bitter, dann wieder tragikomisch und melancholisch, bis hin zu einer harten Versöhnung: „Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein“. Der Autor Kaes schält die Menschen aus ihrer rauen Schale, immer spürt er auch dem menschlich allzu menschlichen nach. Die plötzlich kalt werdende Gegenwart gipfelt in der sich weit zurück liegenden Vergangenheit und schafft neue Dimensionen und Emotionen. Die Erlebnisdichte wird immer enger, atemlos bis zum Ende. „Die Lebenden brauchen dich“, so schreibt Kaes seine letzten Buchstaben, die erschüttern. Wer einen Thriller, einen Krimi und mehr lesen und miterleben will, der lese das, was Wolfgang Kaes „mit-erlebt“ und für seine Leser aufgeschrieben hat. In der gnadenlosen Welt lässt er immer noch einen Funken Hoffnung aufblitzen. Das hebt seine Bücher auf ein hohes Niveau. Und man darf auf sein neues Buch, das er schon konzipiert hat, gespannt sein.
Wer ist dieser Wolfgang Kaes? Er ist Journalist im Alltag, er leitet die Regionalredaktion des Bonner General-Anzeigers Panorama/Medien/Justiz seit 2000. Geboren wurde er 1958 in Mayen in der Eifel, die immer wieder in seinen Büchern „mitspielt“. Erst während des Abiturs fiel seine Entscheidung, zur Kripo zu gehen oder Reporter zu werden. Als Waldarbeiter, Straßenbau-Hilfsarbeiter, Lastwagenfahrer im Tiefbau und Taxifahrer verdiente er sich das Geld für sein Studium an der Bonner Universität, wo er Politikwissenschaften, Kulturanthropologie und Pädagogik studierte. Er wurde Fotograf für das damalige Bonner Hauptstadt-Büro des amerikanischen Nachrichtenmagazins Time (u. a. Reportage üb er das Training der amerikanischen Elite-Einheit Spezial Forces in den Alpen) und Polizeireporter beim Kölner Stadt- Anzeiger.
Noch heute erinnern sich seine Leser an seine Reportagen für die Illustrierte Stern, für das Deutsche allgemeine Sonntagsblatt, für die Badische Zeitung u.a. aus den USA und Spanien. Er baute das Bonner Büro der Koblenzer Rhein-Zeitung mit auf und wurde Leiter des Reporterteams Rhein/Main in Mainz bis er zum Bonner General-Anzeiger wechselte. Als er dort im Jahre 2000 die Leitung de Regionalredaktion übernahm, reifte bei ihm die Überlegung, ob sich gewisse komplexe journalistische Themen nicht sinnvoller, verständlicher und emotional nachvollziehbarer auf 500 Buchseiten statt in 150 Zeitungszeilen darstellen lassen. Und so wurde er Buchautor, der aus seinen wechselvollen Erfahrungen und seinem hohen Bildungsstand mit viel Lebenserfahrung ins Volle greifen kann, um daraus packende und immer wieder tatsächlich „viel- gesichtige“ Geschichten zu schreiben wie auch dieses vierte Buch „Das Feuermal“.
Wolfgang Kaes
Das Feuermal
Thriller
Rowohlt Verlag, 480 Seiten
8,95 Euro
ISDN 978-3-499-24615-9
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