Rockmusiker blickt auf ereignisreiches Leben zurück
Weil er nach den Auftritten die Gage immer bei den Veranstaltern abholte und unter den Bandmitgliedern verteilte, nannten sie ihn „The Boss“. Es dauerte jedoch lange, bis der Sohn eines irisch-niederländischen Vaters und einer Italienerin aus ärmlichen Verhältnissen zum gefeierten Rockstar aufstieg. Dabei hat er nie vergessen, woher er kam. Heute gilt Springsteen als Rock-Poet, der mit seinen Liedern und Texten so manche Schüler in den Wahnsinn treibt, weil Philosophie-Lehrer einer bestimmten Altersstufe diese zur Grundlage seiner Klassenarbeiten machen – ein Schicksal übrigens, das Springsteen mit seinem Kollegen Bob Dylan teilt. Am 23. September 2009 feierte Bruce Springsteen seinen 60. Geburtstag.
Gut, dass es ihm nicht gut ging
Springsteen gelang der große Durchbruch nach zehn Jahren harter Arbeit mit seinem dritten Album „Born to Run“. In einem Interview, das er anlässlich seiner Aufnahme in die Hall of Fame des Rock’n Roll gab, dankte er seinem Vater ausdrücklich. Ohne ihn hätte er nichts zu schreiben gehabt. Die wahre Katastrophe für ihn, den Rockmusiker, wäre ein harmonisches Verhältnis zu seinem Vater gewesen. Fröhliche Lieder haben dem Publikum nicht gefallen – er habe das Anfang der 90er-Jahre mal ausprobiert. Springsteen beschreibt seinen Vater Douglas als einen cholerischen Mann, der sich erfolglos in verschiedenen Jobs herumschlug, abends meist betrunken in der Küche herumsaß und über das Leben lamentierte. Mutter Adele hielt die stark katholisch geprägte Familie und den Haushalt zusammen. Sie arbeitete nebenbei als Sekretärin. Ende der Fünfzigerjahre glitt die Familie wegen finanzieller Probleme sozial weiter ab.
Sein Eintritt in eine Klosterschule wurde für Springsteen zum Desaster. Er hatte ständig Auseinandersetzungen mit den Lehrern und zog sich schließlich in sich selbst zurück. Die Einsamkeit wurde sein ständiger Begleiter, das Außenseiter-Sein seine Normalität. Beides begleitete ihn viele Jahre lang. So konnte der Rockmusiker in seinen Liedern die andere Seite des amerikanischen Traums sehr authentisch beschreiben. Er kennt die Sorgen, die Ängste und die Sehnsüchte der Menschen am Rand der Gesellschaft. Und er kann sie in Worte und Melodien, in Intonation und Rhythmus kleiden.
Eine spannende Karriere
Seine ersten Alben „Greetings from Asbury Park, N.J.“ und „The Wild, The Innocent & The E Street Shuffle“ brachten keinen Erfolg. Springsteen stellte eine neue Band zusammen und veröffentlichte das Album „Born to Run“. Als Folge gerichtlicher Auseinandersetzungen im Jahr 1976 mit seinem Entdecker und Manager, Mike Appel, konnte er endlich über sich selbst entscheiden. Appel hatte Springsteen 1972 einen Vertrag unterschreiben lassen, der dem Musiker nur dreieinhalb Prozent des Erlöses von jeder verkauften Schallplatte zugestand. Appel hingegen kassierte 14 Prozent.
Das Zusammentreffen mit dem Musikjournalisten Jon Landau schließlich entpuppte sich als Glücksfall. Der hatte bereits 1974 anlässlich eines Konzertes von Springsteen festgestellt, er habe die Zukunft des Rock’n Roll gesehen. Fortan mit Landau als Partner sammelte Springsteen 21 Auszeichnungen, darunter elf Grammys, den Oskar im Jahr 1995 sowie den Golden Globe in den Jahren 1995 und 2009. Insgesamt verkauften sich seine Alben weltweit 120 Millionen Mal. Herzlichen Glückwunsch, Mr. Springsteen, und weiter so!
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