Luxus im Wirtschaftswunderland –Das etwas andere Familienmitglied Die bewegende Geschichte des Autos in der Wirtschaftswunderzeit
Familie Zeidler mit dem Ford Taunus 17 M auf Urlaubsreise in Italien; 1975; © (H. Zeidler) Ausstellungsbild
Von Dorothea F. Voigtländer
Es ist und bleibt ein unersetzliches Familienmitglied, das Auto, heute mehr denn je, doch in der beginnenden Wirtschaftswunderzeit der 50er Jahre, da hatte es seinen ganz besondern Wert. Wer sich damals schon den Luxus eines eigenen Autos leisten konnte, der war ein glücklicher Mensch, denn ein Auto, das bedeutete Freiheit, das bedeutete Luxus sondergleichen, das bedeutete Urlaub. Endlich. Die erste Fahrt nach Italien, wohin sonst, in den Süden, in die Wärme, als die Preise noch im Vergleich zu heute halbwegs erschwinglich waren, und sich die ganze Familie mit Picknickkorb und Petticoat in das neue Familienmitglied quetschte und die lange Fahrt trotz Schlaglöcher und fehlender Autobahnen im Vergleich zu heute so richtig genoss.
Daran erinnert mit zahlreichen Bildern das Volkskundliche Gerätemuseum Bergnersreuth, eine Sonderausstellung, die an damals erinnert, an das Auto „unter Palmen“ – Träume werden wieder wach und wie bescheiden man damals noch war. „Unser schönes erstes Auto“, so heißt das Motto dieser Ausstellung, womit sich viele lustige Geschichten verbinden wie jene, als der pfiffige Vater vor der Urlaubsreise an die Adria ein weiteres Kind in der weißen Arabella verstauen muss. Und das neben Steilwandzelt und Küchenausrüstung, Konservendosen, Luftmatzratzen und Kleidern. Weil nicht genügend Platz im Auto war, musste sich das „weitere“ Kind hinter den Vordersitzen quer zum Fußraum legen: „Und immer schön den Kopf unten lassen, falls die Polizei kommt“.
Viele erinnern sich noch an die Isetta, mit schingenden Röcken stiegen die Damen vornehm aus der Isetta, ihrem Liebling. Eine Isetta-Fahrt als Geburtstagsgeschenk, eine Besonderheit; ©1986 (U.Strunz) Ausstellunsgbild
So vornehme Autos mit allem Schnickschnack wie heute gab es damals nicht, es gab auch keine Finanzkrise, wo die Autokrise den Spitzenplatz einnahm. Vielmehr konnten gar nicht so viele Autos produziert und verkauft und gekauft werden, wie es die Autofreunde wollten. Der fahrbare Untersatz, das war für viele ein Traum, der sich so nach und nach erst erfüllte, wenn die Spargroschen zusammen gekommen waren. Ein Auto, das war damals ein „Gefühl“, das war Glück pur. In der Ausstellung mit vielen persönlichen Fotos und Bildern wird die bewegende Geschichte dieses beweglichen Familienmitglieds interessant und mit praller Erinnerung vorgestellt. Eigentlich beginnt ja die Geschichte des Autos vor 123 Jahren, bis heute wurde der Autotraum für Milliarden von Menschen rund um den Globus Wirklichkeit. In Deutschland sind jetzt über 40 Millionen Autos zugelassen. Doch die Erinnerung an die ersten Autos, die ersten Isettas in den Wirtschaftswunderzeiten der 50er Jahre nehmen kein Ende, wenn darüber erzählt wird. So werden dann manche historische Fakten zu Schmunzelgeschichten, da werden Legenden lebendig über die Nobelkarossen und Familienkutschen, über die „armen“ Lastesel auf vier Rädern und die Luxuslimousinen. Lloyd und Hanomag, Borgward und natürlich der langlebige und heißgeliebte Käfer, da nehmen die Erzählungen von einst kein Ende.
Das erste Foto mit dem neuen Auto, dem so beliebten und geliebten Käfer im Schnee, der lief und lief und lief; 1953 © Foto Dr. B. Wagner, Ausstellungsbild
Im Volkskundlichen Gerätemuseum Bergnersreuth in Arzberg-Bergnersreuth, bewegen sich die Besucher auf einem Zeitstrahl von 1904 bis 2009, eine wirklich vergnügliche Schau. Da werden alte historische Filme gezeigt über Autowerbung damals, alte Zeitschriften informieren über das Hauptthema „Auto“. Da wird auch der erste Autobesitzer der Region gefeiert. Und was die aktuelle „Abwrackprämie“ angeht, so ist auch das Thema. Anekdoten über Menschliches und allzu Menschliches rund um das Heilix Blechle mit Familienanschluss, das ist der erheiternde Sinn dieser Ausstellung, die einen Besuch lohnt. www.bergnersreuth.de Tel. 092335225 Fax: 0923378933 Bis 1. 11. 2009
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