Im ehemaligen Wohnhaus des Künstlers in Bonn werden bisher unbekannte Werke des Künstlers aus Privatbesitz gezeigt - Ausstellung in Bonn - 07.Oktober 2010 – 06. Februar 2011
Von Dorothea F. Voigtländer
Es ist eine Premiere ganz besonderer Art, denn aus Privatbesitz werden zum ersten Mal Werke von August Macke (1887 – 1914) einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. Dadurch wird ein tiefer Einblick in die künstlerische Arbeit und in die facettenreiche Persönlichkeit des Künstlers in seiner Familie und im Freundeskreis möglich. „August Macke – ganz privat“ . Die hier gezeigten Werke in seinem ehemaligen Wohnhaus in der Bornheimer Straße in Bonn erlauben einen intimen Blick auf den temperamentvollen und auch den nachdenklichen Menschen August Macke.
So kann man diese Werkschau auch eine Reise durch das Leben dieses Künstlers nennen. Es sind eindrucksvolle Bilder, und auch Fotografien, die das Bild von ihm abrunden und auch Zitate von und über August Macke. Diese Biografie ganz eigener Art beginnt mit dem Sechzehnjährigen, als ihn „seine“ Kunst schon fest im Griff hatte, dann seine Suche und seine Experimente nach immer eigenen Ausdrucksformen. Seine temperamentvolle Farbfreudigkeit springt förmlich aus alle seinen Arbeiten heraus, und die jeweilige Stimmung in seinen verschiedenen Lebensstationen wird deutlich. Auf seinem ihm eigenen Weg findet er eine für die damalige Zeit selbstbewusste und auch neue Kunstsprache.
Das fand nicht nur Anerkennung, denn er brach schon früh mit bürgerlichen Konventionen. Und darum ist er auch enttäuscht von der konservativen Kunstauffassung seiner Professoren.
Konsequent verlässt er die Düsseldorfer Akademie mit den Worten „wer die Mittel hat und die Freiheit liebt, entflieht.“ Die Kunst sollte eine Lehrmeisterin sein. In der damaligen modernen französischen Kunst fand er seine Heimat, und in den folgenden Jahren wurde sie zu seiner wichtigsten Inspirationsquelle. Ganz bewusst findet der belesene und aufgeschlossene junge Mann seinen künstlerischen Ausdruck, der den revolutionären Neuerungen auf allen geistigen und naturwissenschaftlichen Gebieten adäquat war. Folgerichtig engagiert er sich aktiv in der großen Reformbewegung, so auch unter anderem des „Werkbundes“.
Attraktiv ist diese Ausstellung mit bisher unbekannten kunsthandwerklichen Arbeiten, darunter Keramik-Entwürfe, Schalen und Textilien, die August Macke als gleichberechtigte Einheit verstand: Kunst und Handwerk. Facettenreich einmal mehr erkennt man seine reiche Künstlerpersönlichkeit mit seinen humorvollen Karikaturen, dann aber auch seine Abstraktionen und Aktbilder. Seine Auseinandersetzung mit dem klassischen Thema Akt wird deutlich und auch seine bis zur Abstraktion vordringenden Experimente mit Farben und hier Formen. Unmittelbar und lebendig zeigen sich hier das künstlerische Wirken und die Lebenswelt des Künstlers, der 1914 im Alter von nur 27 Jahren im Ersten Weltkrieg starb.
Der begleitende Katalog, der im Wienand Verlag erschienen ist, spiegelt die chronologische Reise durch die ausgestellten Werke und das Leben des Künstlers. Texte von Enkeln August Mackes und Essays von Kunsthistorikern runden den Blick auf „August Macke – ganz privat“ ab. Kuratorin: Dr. Ina Ewers-Schultz
Katalog zur Ausstellung 144 Seiten, über 200 Abbildungen während der Ausstellung 19,80 Euro (im Buchhandel 29,80 Euro)
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