Auch 20 Jahre nach dem Mauerfall bleibt noch viel zu tun –Das historische Wunder muss weiter mit Leben erfüllt werden
„Ohne Bonn keine Wiedervereinigung“ – Es begann schon mit dem Grundgesetz
Einen völlig neuen und nachdenklich machenden Aspekt hat Japans Botschafter Takahiro Shinyo jüngst zum Mauerfall vor genau 20 Jahren aktualisiert: „Ohne Bonn keine Wiedervereinigung“. Wieso? Also beginnen wir mit der fast unglaublich scheinenden Nachricht. Da erinnern sich Bonner Journalisten an die Bundestagssitzung im Wasserwerk, als über Parteispenden und Vereinsgesetz beraten wurde, und dann die Nachricht wie eine blitzartige helle Wolke über alle Anwesenden hereinbrach an jenem Donnerstag vor 20 Jahren: Der CSU-Schatzmeister Spilker sorgte mit einer ganz besonderen sensationellen Äußerung im Parlament und für alle im Saal: „Bevor ich zu meinem Thema komme, möchte ich Ihnen eine Meldung vorlesen, die ich im Moment erhalten habe: Ab sofort können DDR-Bürger direkt über alle Grenzstellen zwischen der DDR und der Bundesrepublik ausreisen“. Da gab es lang anhaltenden Beifall, jemand rief laut: „Gott sei Dank“, später kamen die Freudentränen hinzu, dann wurde die Nationalhymne gesungen, stehend, und dann kamen die Bekenntnisse hoher Politiker, dass sie die darauffolgende Nacht kein Auge zugetan hätten.

Das Brandenburger Tor - Zentraler Schauplatz deutscher Geschichte
Denn schon lange war der Widerstand vieler DDR-Bürger gegen ihr Regime mit den Montagsdemonstrationen durch die Medien weltweit verbreitet worden, schon lange stand allen die Furcht ins Gesicht geschrieben: „Wenn aber jetzt nur keiner schießt“. Schon lange wurde hinter vorgehaltener Hand Angst laut, dass viel Blut fließen könnte. Und nun das! Es schien kaum glaubhaft zu sein. Aber die Bilder im Fernsehen, die Nachrichten, die Gespräche auf der Straße über diese unblutige „Wiedervereinigung“, brachten die Wahrheit an den Tag. Und nun die Erinnerungen zwanzig Jahre danach, als diese Wiedervereinigung in Bonn parlamentarisch vollzogen wurde. Bonn als Synonym für Freiheit, Bonn, das seine Hände öffnete, Bonn, das nach dem Zusammenfall der DDR den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik am 3. Oktober 1990 möglich machte.
Und warum „ohne Bonn keine Wiedervereinigung?“. Da hat der japanische Botschafter wohl sehr genau die deutsche Nachkriegsgeschichte aufgearbeitet. Denn schon im Grundgesetz, das vor 60 Jahren formuliert und verabschiedet wurde, ist diese Wiedervereinigung allen politischen Missständen von damals zum Trotz schon klar formuliert. Schon der erste Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer hat den Zusammenhang von europäischer und deutscher Einheit in Freiheit definiert. Und Helmut Kohl, der „Kanzler der Wiedervereinigung“ hat es vollendet, vorher schon gestärkt durch die Ostpolitik Willy Brandts und die politische Arbeit in der Ostpolitik von Altbundeskanzler Helmut Schmidt. Diese Ostpolitik wurde gesetzgeberisch-parlamentarisch in Bonn vorbereitet, fiel hier auf fruchtbaren Boden, bis dann, auf die massiven Widerstände der Menschen in der DDR und die Hilfe aus Ungarn und vor allem Gorbatschows das schier Unglaubliche geschah: Eine unblutige Wiedervereinigung, woran kaum einer geglaubt hatte. Wichtig ist: Das historische Wunder muss weiter mit Leben erfüllt werden!
Und dennoch: In vielen Köpfen ist die „Mauer“ noch nicht gefallen, teils nur angerissen, vieles muss noch geschichtlich und emotional aufgearbeitet werden. Die „Wessis“ und die „Ossis“ sind sich zwar schon viel näher gekommen, doch es ist nicht richtig, dass so viele Stasi-Täter unter uns sind und häufig auf hohen Posten. Hier geschieht genau das wieder, was nach der Nazi-Diktatur schon viele Opfer mit Recht sehr gekränkt hat: Die Bestrafung der Täter gelang nur schlecht, wenn überhaupt, die Klagen der Opfer verhallten oft nur selten gehört. Fazit: Es bleibt noch viel zu tun, um die politischen Probleme und die geschichtlichen Fragen aufzuarbeiten. Da kann man nicht sagen, „das wächst sich generationsbezogen“ aus. Hier sind Schulen und Universitäten und vor allem die Politiker gefragt, die sich dezidiert mit diesem Thema befassen sollten. Und natürlich jeder Bürger für sich auch. Nur dann kann es endlich zu einer richtigen „Wiedervereinigung“, zu einem „ganzen“ Deutschland kommen, wie es seit 1949 in Bonn gewünscht und eigentlich auch schon begonnen wurde. Bundeskanzlerin Angela Dorothea Merkel vereinigt in ihrer Person und mit ihrer Biographie das Zielbild ideal. Danke Frau Bundeskanzlerin!

Bundeskanzlerin Dr. Angela Dorothea Merkel bei einem ihrer Bonn-Besuche im Gespräch mit unserer Sonderkorrespondentin von www.deutschland-deluxe.de, Dorothea F. Voigtländer. Sie schmunzelte über den gleichen Vornamen „Dorothea“.
Foto © Ulrike Luecke-Bongartz
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Ja, das ist richtig, eigentlich ist der Grundstein für diese Wiedervereinigung, wie in diesem Beitrag sehr klar gemacht, in Bonn gelegt worden. Schön, dass auch einmal eine Journalistin daran denkt und diese Aspkete im Zusammenhang mit der jahrzehntelangen Ostpolitik deutlich macht. Die Wiedervereinigung in Deutschland war auch ein wichtiger Aufschwung für Europa, so, wie es heute ist. Danke für diese Informationen in deutschland-deluxe: Wiedervereinigung ist unser Luxus.
Josef
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