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250 Jahre Friedrich von Schiller

 

Der deutsche Dichter, Denker, Philosoph und Historiker Friedrich von Schiller wurde vor 250 Jahren geboren – Zum 250. Geburtstag eröffnet Bundespräsident Horst Köhler in Marbach das runderneuerte Nationalmuseum

Wie ein Kriminalfall entwickelte sich die Suche nach seinem Geburtshaus in Marbach am Neckar – Der örtliche „Schillerverein“ hat sich ein Dankeschön mehr als verdient


Schiller Blumengruß
An Schillers Geburtstag am 10. November ist es Tradition, dass die Grundschulkinder von Marbach kleine bunte Blumensträuße auf die Schillerfigur auf der Schillerhöhe in Marbach werfen. Wer es schafft, dass sein Blumenstrauß in der Armbeuge des Dichters liegen bleibt, der hat „gewonnen“. © Stadt Marbach

Von Dorothea F. Voigtländer

Spurensuche nach dem Geburtshaus des großen deutschen Dichters Friedrich von Schiller in seinem Geburtsort Marbach am Neckar: Dabei war er schon so lange bekannt durch seine Werke und sein Leben, bekannt durch seine aufgeregte Jugendzeit, sein erstes Theaterstück „Die Räuber“ und seine Flucht nach Mannheim vor seinem Landesherren Karl Eugen, dem Herzog von Württemberg, bekannt durch seine „Ode an die Freude“, eines seiner berühmtesten Gedichte, das in der 9. Sinfonie im Jahre 1823 von Ludwig van Beethoven vertonte wurde, doch die Spuren seiner Kindheit in Marbach schienen verloren.

Womit niemand gerechnet hatte, sein Geburtshaus schien unbekannt. Da mussten ältere und informationsfreudige Marbacher Bürger befragt werden, Zeitzeugen, die sich durch Erzählungen von Eltern und Großeltern daran erinnerten, wo das Gebäude stand und steht in der alten Nikolastorstraße, eine steil ansteigende Straße mit Fachwerkhäusern, wo sich genau dort ein bescheidenes Häuschen befindet. Es war im Jahre 1835, als der Marbacher Schillerverein, 30 Jahre nach dem Tode Schillers, das nun endlich gefundene Geburtshaus kaufte, um es dann im „altdeutschen Stil“ zum Schillerjubiläum 1859 als Gedenkstätte der Öffentlichkeit präsentieren zu können. Da wurde der 100. Geburtstag Schillers gefeiert, der 1759 am 10. November hier geboren wurde als zweites Kind des Offiziers und Wundarztes Johann Caspar Schiller und seiner Ehefrau Elisabeth Dorothea Schiller, geb. Kodweiß. Friedrich war der einzige Sohn neben fünf Schwestern.

Schiller Geburtshaus
Schillers Geburtshaus in Marbach ist ein wunderschönes Museum geworden und verheißt eine Zeitreise hin zu Schillers Lebzeiten. © Stadt Marbach

Und in diesem Jahr, am 10. November 2009, wird an den 250. Geburtstag des großen deutschen Dichters ganz besonders gedacht, Friedrich Schiller ist wieder in Marbach angekommen, zurück in seiner schwäbischen Heimat. Hier wurde für sechs Millionen Euro das Nationalmuseum runderneuert, das nur eine weitere Strasse höher gelegen auf einem parkähnlichen Hügel zu finden ist, und das am 10. November 2009 nach zweijähriger Sanierung wiedereröffnet wird. Hier ist auch das Deutsche Literaturmuseum zu finden, in unmittelbarer Nachbarschaft des pantheonartigen Schlösschens auf einem Felsen hoch über dem Neckar mit weitem Blick ins schöne Neckarland. Es wurde das, was es schon lange sein sollte: „Das nationale Gedächtnis der deutschen Literatur“. Eröffnet wird es von Bundespräsident Horst Köhler zum 250. Schiller-Geburtstag am 10. November 2009.

Und er wird sicherlich auch das Geburtshaus besichtigen, das vom Marbacher Schillerverein mit weiteren „Schiller-Reliquien“ bereichert wurde, mit Bildern, Büchern, Handschriften und Alltagsgegenständen, die von Nachkommen und Verehrern des Dichters gestiftet wurden, was eine Zeitreise zurück zum Geburtstag des kleinen „Fritzi“, wie ihn die Familie nannte, möglich macht. Sein Geburtstag wurde schon das ganze Jahr im Land Baden-Württemberg gefeiert, natürlich schwerpunktmäßig in Marbach, eine der ältesten Landstädte in Württemberg.

Und wo sonst als gerade in diesem Ort hätte eine Spurensuche beginnen können, dort, wo im kleinen, liebevoll restaurierten Geburtshaus ein winziges, mit Borten und Pailletten besticktes Taufhäubchen an jenen 10. November 1759 erinnert und an jenen kleinen „Fritzi“, von dem damals noch niemand ahnte, dass er einst ein großer deutscher Dichter werden sollte. In einem einzigen Raum mit einer kleinen  angrenzenden Küche im Erdgeschoss wohnte  die Familie in ärmlichen Verhältnissen zur Miete, wo heute liebevoll drapiert ein Leinen-Kinderanzug des kleinen Jungen die Blicke der Besucher auf sich zieht  und die Vergangenheit und das Leben des „großen Friedrich“ wach werden lässt.

Schiller Porträt
So kennt man ihn, ein Porträt von Schiller aus dem Jahre 1794, gemalt von Ludovike Simanowiz (1759-1827). © Wikipedia

Das sind die ersten Spuren in der historischen Niklastorstraße, wo nicht weit entfernt die ältere Schwester Christophine zur Schule ging und der kleine Schiller in den Gassen gespielt haben mag, nur wenige Schritte entfernt von dem prachtvollen Gasthof seines Großvaters, des Löwenwirts Georg Friedrich Kodweiß, der durch ein finanzielles Missgeschick mit folgendem Bankrott seinen Gasthof verlieren sollte. Seine Tochter Elisabeth Dorothea Schiller (1732-1802) nahm es hin, dass ihr Ehemann und Vater des späteren Dichterfürsten, also der Vater Johann Caspar Schiller (1723-1796) wieder in seinen Militärdienst zurückkehren musste, um seiner Familie wenigstens ein bescheidenes Leben zu ermöglichen. Trotz der prekären finanziellen Situation blieb die Familie in Marbach geachtet, wie im Taufregister mit elf Paten nachzulesen ist.  „Mir ist es immer ein unaussprechliches Vergnügen, mich im möglichst kleinsten körperlichen Raum im Geiste auf der großen Erde zu tummeln“, schrieb Friedrich Schiller später einmal, der vom Marbacher Bürger zum Weltbürger wurde, wenngleich er die „große weite Welt“ nie bereist hat und sich durch Bücher und  Erzählungen von ihr berichten ließ.

Der Philosoph und Schriftsteller Rüdiger Safranski wird hier aus einer Sendung des Deutschlandradio am 2. Januar 2009 zum Schillerjahr zitiert zur Person Schillers und seinen Lebenssituationen, die von Krankheit und Finanznöten geprägt waren: „Er selbst war krank, hockte in seiner Stube, kam nicht mehr raus, und auf Flügeln der Fantasie hat er die Erde umrundet“. Schiller sei somit ein polyglotter Geist, insbesondere ein europäischer Geist. Man erinnere sich an sein Werk Maria Stuart, welches in England spielt, dann an die Jungfrau von Orléans in Frankreich, Wilhelm Tell in der Schweiz und Demetrius in Russland, wie auch sein gewaltiges europäisches Epos über den Dreißigjährigen Krieg – Literatur und Geschichte zugleich. So lautete mir Recht das Motto für dieses Schillerjahr: „Schiller und Europa“.

Schiller Regimentsarzt
Regimentsarzt wollte er nicht bleiben. Schiller war ein leidenschaftlicher Dichter, Philosoph, Denker und Historiker. © Wikipedia

Über Schillers Leben: Nur vier Jahre lebte er in Marbach, dann zog die Familie nach Lorch zu Pfarrer Moser, wo Fritzi zur Schule ging und nach dem Abschluss Theologie studieren wollte. Da griff Karl Eugen, der Herzog von Württemberg, in sein Leben ein. Er hatte eine Militärakademie gegründet, die später Karlsschule hieß, um hier begabte Söhne von Offizieren zu „schulen“. Friedrich gehörte dazu, er musste als Sohn des Hauptmann Schillers diese von ihm verhasste Schule besuchen, wurde dann Jurist und Mediziner, er wurde Regimentsarzt. Doch schon mit dreizehn verfasste er die nicht erhaltenden Theaterstücke „Absalom“ und „Die Christen“ als Lateinschüler in Ludwigsburg. Die Familie zog mehrmals um, so auch in die Nähe von Schloss Solitude. Der Drill und die entbehrungsreichen „Schülerjahre“ zehrten an der Gesundheit des jungen Friedrich, und er rebellierte gegen seinen Vorgesetzten. So hieß denn auch sein erstes Drama nicht ganz zufällig  „Die Räuber“,  doch er durfte es in Stuttgart nicht aufführen, floh deshalb heimlich nach Mannheim und erlebte 1780 unter dem Intendanten Heribert von Dalberg im Mannheimer Nationaltheater einen überragenden Erfolg.

Schiller Schloss Solitude
Ein schönes Schloss, doch für Schiller mit Drill und Krankheit verbunden. Er floh nach Mannheim, wo sein erstes Drama „Die Räuber“ einen großen Erfolg feierte. © Stadt Stuttgart

Sein zweites Stück Fiesco wurde zum Fiasko, denn dieses Mal wollte es Dalberg nicht aufführen, das kam später, nachdem Schiller „Kabale und Liebe“ geschrieben hatte. Verleger druckten seine Werke, doch es galt noch nicht der juristische Begriff „des geistigen Eigentums“, sodass Schiller mit permanenter Geldnot und auch noch seiner Krankheit zu kämpfen hatte. Als seine Situation immer dramatischer wird, hilft ihm 1785 Christian Gottfried Körner, der Vater von Theodor Körner, indem er ihn nach Leipzig einlädt. Im sommerlichen Gohlis entsteht das Lied an die Freude („Freude, schöner Götterfunken, Tochter aus Elysium. Wir betreten freudetrunken, Himmlische, dein Heiligtum…“), das Beethoven später als Text zum Schlusschor seiner neunten Sinfonie unsterblich gemacht hat.

Schiller Wohnhaus
Dieses schöne Wohnhaus in Weimar kann heute noch besichtigt werden. © Stadt Weimar

Sorglose Jahre folgten, dann das Treffen mit Goethe, Herder, Wieland (das Viergestirn der Weimarer Klassik), er erhielt vom Meininger Herzog den Hofratstitel, heiratete Charlotte von Lengefeldt. Nach Überarbeitung bricht er dann doch wieder zusammen,  Prinz Friedrich Christian von Schleswig-Holstein-Augustenburg hilft mit einer großzügigen Geldsumme, und Schiller kann dann weiterschreiben und lebt in Weimar in einem schönen Haus seit 1802. Doch die Krankheiten haben ihn endgültig geschwächt, rücksichtslos gegen sich selbst und ganz seiner Kunst verschrieben, stirbt Schiller am 5. Mai 1805 in Weimar – der berühmte Dichter in der Sturm- und Drangzeit sollte bis heute nicht vergessen werden. Dafür sorgen die Marbacher und sein Land Baden-Württemberg, seine Werke, die bis heute nichts an ihrer Aktualität verloren haben!

Schiller Wein
Dem großen Künstler ihres Landes zu Ehren gibt es in diesem Schillerjahr auch einen Schillerwein. © Stadt Marbach