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Papagei mit Kirschen, Entwurf Anton Storch, um 1923/24, älteste Volkstedter Porzellanmanufaktur, Rudolfstadt - Volkstedt
Sie sind bis heute aufregend und lebendig, sie sind ästhetisch und gebrauchsfähig, sie sind voller Harmonie und Klarheit, das war und ist das Credo der Schwarzburger Werkstätten, die in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag feiern. Und das wird mit einer Ausstellung begonnen: „Historie – Vision. Die Schwarzburger Werkstätten für Porzellankunst“, eine Zusammenschau wichtiger Porzellane. Und: Bei Porzellanfigurinen handelt es sich nicht um Nippes, dieses Vorurteil wird beim ersten Blick in diese Ausstellung weggewischt. Für diese Erkenntnis hat auch die Kuratorin Petra Werner von der Pressestelle des Porzellanikons in Selb gesorgt, als sie diese Ausstellung plante und in ihrer heutigen Präsentation den Besuchern vorführt. Tatort: Porzellanikon Hohenberg – Deutsches Porzellanmuseum.

Der Entwurf dieser Tänzerin von schwebender Leichtigkeit stammt von Gustav Oppel, 1919, Porzellanikon Hohenberg
Petra Werner erinnert an Max Adolf Pfeiffer, den Gründer und einstigen Direktor der Schwarzburger Werkstätten für Porzellankunst“, 1909 im thüringischen Unterweißbach gegründet.
Pfeiffer war ein glühender Freund des Porzellans und machte sich an die Arbeit, Zierporzellan, allem voran das Sujet der Porzellanfigur zu reformieren. Die Modelle wurden vom Historismus befreit, sie erhielten eine form- und materialgerechte Gestaltung und rangieren als künstlerisch hochstehende Arbeiten. Doch es sind nicht nur Unikate, die Pfeiffer herstellen ließ, vielmehr wollte er auch die industriell und seriell hergestellten Erzeugnisse produzieren. Deshalb arbeitete er mit namhaften Bildhauern und Künstlern seiner Zeit zusammen, weil er nach neuen künstlerischen Ideen und Entwürfen suchte, die für den Werkstoff Porzellan geeignet waren.
Das „innere Licht“ des Porzellans sollte geschont werden, der „warme Glanz des aus dem Scherben zurückkehrenden Lichtes“ wurde als einzigartige Eigenschaft des Porzellans herausgearbeitet. Und es gelang. Etwa ein Dutzend fabelhafter Handwerker mit Feingefühl für diese Vision setzten die Entwürfe der Künstler meisterhaft um.

Der Bajazzo mit Maske wurde von Dorothea Charol 1919/20 entworfen. Älteste Volksstedter Porzellanmanufaktur, Rudolstadt - Volkstedt
Über 150 zeitgenössische Bildhauerund Kunstschaffende waren während der ersten 40 Jahre hier tätig, darunter Ernst Barlach, Gerhard Marcks, Max Esser, Paul Scheurich und Otto Thiem. Als die Kunstwerke Wirklichkeit geworden waren, regnete es Goldmedaillen in Wien, Brüssel und Turin, in Leipzig und Gent, wo die visionäre Richtigkeit dieses neuen historischen Genres bestätigt wurde. Mit diesen Ehrungen. Eine Bestätigung, auf dem richtigen Weg zu sein.

Dieses zauberhafte Kunstwerk „Bananenschneider mit einem japanischen Melonenesser) wurde von Marta Schlameus entworfen, um 1925, Älteste Volkstedter Porzellanmanufaktur, Rudolstadt-Volkstedt
Und darum werden diese visionären Ideen der Schwarzburger Werkstätten, die seit 1989 zur Königlich privilegierten Porzellanmanufaktur Tettau gehören, wieder neue Wirklichkeit. Denn von den knapp 500 erhaltenen Modellen der bevorzugten Menschen- und Tierfigurinen wurden einige in limitierter Auflage neu hergestellt. Und: Sie finden reißenden Absatz. Doch viele der berühmten Figuren sind heute nur noch in Museen zu bewundern, informiert Kuratorin Petra Werner. Sie weist auch darauf hin, dass die 100jährigen Gründungsfeierlichkeiten in diesem Jahr 2009 diese Schwarzburger Werkstätten für Porzellankunst ins helle Licht rücken. Die erste dieser Ausstellung „Historie – Vision“ ist bis zum 8. Februar 2008 geöffnet.
Weitere Informationen:
Kuratorin Petra Werner, Fon 0 92 87.9 18 00-37 oder Fon 0 92 87.18 00-41
Alle hier gezeigten Fotos stammen aus den Porzellanfabriken Christian Seltmann GmbH