Zum Gründungsjubiläum umfangreiches Programm vorbereitet
Hundert Jahre, das ist wahrlich ein schöner runder Geburtstag. Das Museum für Ostasiatische Kunst in Köln hat es geschafft, seit der Gründung im Jahre 1909 alle Umwälzungen in Politik und Gesellschaft unbeschadet zu überstehen wie auch die zwei großen Weltkriege. Die Stadt Köln hat es gegründet, weil Adolf Fischer (1857-1914) seine Sammlung der Stadt vermacht hatte.

Onishi Chinnen (1792-1851),
Kyogen-Drama mit Darstellung
des Glücksgott, Japan,
Anfang 1820
In diesem Herbst 2009 feiert das Museum sein 100-jähriges Gründungsjubiläum mit einem vielfältigen Programm, wobei zwei Jubiläumsausstellungen im Mittelpunkt stehen: „Das Herz der Erleuchtung: Buddhistische Kunst aus China 550-600“ und „Surimono: Die Kunst der Anspielung im japanischen Farbholzdruck“, die parallel vom 17. Oktober 2009 bis zum 10. Januar 2010 gezeigt werden. Am 30. Oktober findet außerdem ein hochkarätig besetztes internationales Symposium statt, bei dem Museumsexperten über die Sammlung ostasiatischer Kunst berichten. Am 31. Oktober öffnet das Kölner Museum seine Pforten zu einem Tag der offenen Tür mit attraktiven Programmangeboten für jung und alt.
Totoya Hokkei (1780-1850),
Junger Viehhirte auf Ochsen
mit Flöte,
Farbholzdruck, Japan,
dat. 1829 Ochsenjahr
„Das Herz der Erleuchtung: Buddhistische Kunst aus China 550-600“ vom 17. Oktober 2009 bis Sonntag, 10. Januar 2010 zeigt mit einer Ausstellung Tuscheabreibungen von monumentalen Texten, die fromme Buddhisten während der Nördlichen Qi-Dynastie auf Felsen in den Bergen der Provinz Shandong meißelten. Das grandiose Projekt entsprang dem Wunsch, die diesseitige Welt in eine buddhistische Topographie zu verwandeln. Die Ausstellung präsentiert neben den rund 30 Abreibungen auch 20 buddhistische Steinskulpturen derselben Periode. Die meisten Skulpturen aus dem Besitz des Kölner Hauses wurden von dem Museumsgründer Adolf Fischer erworben. Zusammen mit Leihgaben des Museums Rietberg Zürich und privaten Leihgaben geben sie Einblick in eine der großen Blüteperioden buddhistischer Steinskulptur in China.
Neu und aktuell ist, dass diese Felseninschriften erst seit einigen Jahren erforscht werden. Sie werfen ein neues Licht auf die buddhistische Skulptur dieser Epoche. Gekonnt gefertigte Computeranimationen ermöglichen es dem Besucher, in der Ausstellung durch die Berge der Provinz Shandong zu streifen, die Tuscheabreibungen zuzuordnen und die buddhistischen Texte zu lesen. Die Ausstellung wurde in Zusammenarbeit mit dem Institut für Kunstgeschichte Ostasiens der Universität Heidelberg, der Heidelberger Akademie der Wissenschaften und in Kooperation mit dem Amt für Denkmalpflege der Stadt Zoucheng, Provinz Shandong erarbeitet.
Totoya Hokkei (1780-1850),
Der Held Song Jiang mit
einer Laterne, Farbholzdruck,
Japan, ca. 1801-03
„Surimono: Die Kunst der Anspielung im japanischen Farbholzdruck“, so heißt die zweite Ausstellung, von Samstag, 17. Oktober 2009 bis Sonntag, 10. Januar 2010 und präsentiert 120 japanische Farbholzdrucke, die als luxuriöse und besonders kostbare Privateditionen von Dichterzirkeln in Auftrag gegeben wurden. Surimono (wörtlich "gedruckte Dinge") zeichnen sich durch besonders aufwändige Drucktechniken und eine reiche Farbpalette aus. Poeten und Dichterzirkel beauftragten bekannte Holzschnittkünstler, ihre Gedichte bildnerisch zu interpretieren. Aus diesem einfallsreichen Zusammenspiel entstanden Gesamtkunstwerke, die auf oft humoristische Weise zum Rätseln verführen, da Gedicht und Bild einander hintergründig ergänzen. Surimono wurden mit Vorliebe zu Neujahr in kleiner Zahl gedruckt und Freunden als Glückwunschkarten überreicht.
Yanagawa Shigenobu II
(tätig ca. 1820er-späte 1850er),
Prinzessin mit Dienerin,
Farbholzdruck, Japan,
Anfang 1830er
Bemerkenswert ist die hier gezeigte Sammlung des Künstlers Marino Lusy (1880-1954), die dem Museum für Gestaltung in Zürich gehöt und befindet sich seit 2005 als Dauerleihgabe im Museum Rietberg, wo sie durch ein internationales Forscherteam unter Leitung von John Carpenter, Professor an der School of Oriental and African Studies (SOAS) der Universität London intensiv erforscht und aufgearbeitet wurde. Die Sammlung Lusy zählt zu den bedeutendsten Surimono-Sammlungen Europas und zeugt durch ihre hervorragende Qualität und den phantastischen Erhaltungszustand der Blätter von der beeindruckenden Kennerschaft Lusys. Ein Teil der Sammlung wurde erstmals bis 13. April 2009 im Museum Rietberg in einer Sonderausstellung präsentiert. In Köln werden ausnahmslos Blätter gezeigt, die in Zürich noch nicht zu sehen waren – auch das ist ein Besuch wert.
Museum für Ostasiatische Kunst
Universitätsstraße 100
(großer Parkplatz)
50674 Köln
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr
Jeden 1. Donnerstag im Monat von 11 bis 22 Uhr
Führungen sonntags um 12 Uhr



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